Faultline Faultline Kommando 161

Germany · nd · · 2h

Die Linke | Antisemitismus »auf verlogene Weise« instrumentalisiert

Deutsch (original) · Read in English ⇄

In der Ausstellung der Berliner Gedenkstätte Topographie des Terrors Foto: dpa/Jens Kalaene Mehr als 40 Angehörige der Familie von Ellen Brombacher sind in der Nazizeit der Shoa zum Opfer gefallen. Brombacher ist in der Kommunistischen Plattform der Linken aktiv und wendet sich mit anderen Nachfahren jüdischer Antifaschisten gegen den Vorwurf, die Berliner Linke sei antisemitisch. Sie selbst sei in den Jahrzehnten, die sie ihrer Partei angehöre, dort niemals antisemitisch attackiert worden, versicherte Brombacher bereits am Freitagabend bei einem Sonderparteitag.

Am Samstag veröffentlichten sieben Berliner Antifaschisten jüdischer Herkunft eine Erklärung, in der sie dagegen protestieren, dass der Antisemitismus instrumentalisiert werde, um die Bildung eines rot-grün-roten Senats mit der Linke-Politikerin Elif Eralp als Regierender Bürgermeisterin zu verhindern.

In der Erklärung heißt es: »Wir, jüdische Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kinder derer, die durch den deutschen Nationalsozialismus verfolgt wurden, erheben unsere Stimme gegen die antidemokratische, antisemitische, antiislamische Kampagne der im Berliner Wahlkampf geschlagenen Parteien und der sie fördernden Medien gegen die Partei Die Linke.«

Und weiter: »Die Nazis haben versucht, alle Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa zu vernichten. Die Familien unserer Vorfahren wurden fast alle ausgelöscht. Unsere Eltern überlebten in Konzentrationslagern, im Exil, als Kämpfer in den alliierten Streitkräften für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Sie kehrten in das aufgeteilte Deutschland zurück, weil dort wie seit Jahrhunderten Jüdinnen und Juden leben sollten.« Dies sehen die Unterzeichner inzwischen durch das Erstarken der AfD und den Antisemitismus gefährdet.

Die Berliner Linke habe bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 25,7 Prozent der Stimmen erhalten, indem sie sich dafür einsetze, das Leben der Bevölkerung der Hauptstadt konkret zu verbessern. »Aus Sorge um ihre Pfründe und um sie unterstützende finanzkräftige Kreise« werde Die Linke durch AfD und CDU sowie Teile von SPD und Grünen angegriffen.

»Die völlig enthemmte Kampagne gegen die Berliner Partei Die Linke instrumentalisiert auf verlogene Weise Antisemitismus und trägt genau dadurch dazu bei, zutreffende Vorwürfe von Antisemitismus unglaubwürdig zu machen.«

»Rassismus, Antisemitismus, Antiislamismus, Menschenrechtsverletzungen, durch welche Regierung und politische Kraft auch immer, verurteilen wir aufs Schärfste«, stellen die sieben Unterzeichner klar. Es sind Ellen Händler, Judith Dellheim, Irene Zierke, Michael Brie, Michael Fleischhacker, Thomas Friedländer und André Goldstein. Aber sie erinnern, dass Elif Eralp am Jahrestag der Befreiung, dem 8. Mai 2026, einen Fünf-Punkte-Plan »Jüdisches Leben in Berlin stärken und schützen« vorgelegt habe. Der Landesverband der Linken setze sich konsequent mit jenen Parteimitgliedern auseinander, »die zwischen israelischer Politik und dem völkerrechtlich erklärtem Existenzrecht des Staates Israels nicht klar unterscheiden«. Dieser Prozess sei nicht beendet. »Die völlig enthemmte Kampagne gegen die Berliner Partei Die Linke instrumentalisiert auf verlogene Weise Antisemitismus und trägt genau dadurch dazu bei, zutreffende Vorwürfe von Antisemitismus unglaubwürdig zu machen. Dagegen protestieren wir als Antifaschistinnen und Antifaschisten mit jüdischen Wurzeln mit aller Entschiedenheit.«

Ellen Brombachers Name stand zunächst noch nicht unter dieser Erklärung. Aber wie die 79-Jährige dem »nd« am Montag erklärt, sei sie von Michael Brie deswegen telefonisch angefragt worden und habe zugesagt. Auch Elke Tischer hat sich inzwischen noch zu der Erklärung bekannt.

Der Appell passt zu einer ähnlichen Kritik, die 150 Berliner Juden in der vergangenen Woche in einem offenen Brief formuliert hatten. Darin hieß es: »Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich.« Unterschrieben hatten diesen offenen Brief die Autorinnen Deborah Feldman und Eva Menasse und beispielsweise auch Susan Neiman, ehemalige Direktorin des Potsdamer Einstein-Forums.

Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär.

→ unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen

Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

Read the full story at the source

Source: nd