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BVG | Berlin-Mahlsdorf: Zweigleisige Tram kann kommen

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Straßenbahn eingleisig im Gegenverkehr – so stellt sich die Lage auf der Hönower Straße in Mahlsdorf heute dar. Foto: Nicolas Šustr Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zum zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn in der Hönower Straße in Mahlsdorf sind »vollständig, plausibel und in sich konsistent«. Das habe die Planfeststellungsbehörde den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) am 11. August mitgeteilt, berichtet Petra Nelken auf Anfrage von »nd«. Sie ist Sprecherin der Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU).

Damit sollten sehr bald die Unterlagen zum Projekt öffentlich ausgelegt werden und danach die weiteren Schritte des Verfahrens bis zum Planfeststellungsbeschluss – der Baugenehmigung – stattfinden. Nach der nicht vor 2030 zu erwartenden Fertigstellung der Maßnahme kann die Straßenbahnlinie 62 endlich im Zehn-Minuten-Takt bis zum S-Bahnhof Mahlsdorf fahren – eine angemessene Bedienung für die östliche Tangentialverbindung zum S-Bahnhof Köpenick und weiter in die Altstadt Köpenick.

Möglicherweise ist das noch nicht erfolgt aus Rücksicht auf den Wahlkampf der CDU vor Ort. Denn der Kampf gegen die gewählte Variante für die Umsetzung der »Verkehrslösung Mahlsdorf« gehörte viele Jahre lang zur politischen Folklore der dortigen CDU-Granden – einst des Ex-Sozialsenators und einstigen Bundestagsabgeordneten Mario Czaja, nun der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, der Partnerin des noch-Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner.

Und auch auf Marzahn-Hellersdorfer Bezirksebene stemmte sich die CDU mit Unterstützung des örtlichen SPD-Abgeordnetenhausmitglieds Jan Lehmann gegen die Lösung, die eine Verlegung des Auto-Durchgangsverkehrs auf die auszubauende Straße An der Schule vorsieht. Laut Senatsuntersuchungen ist dies die beste Lösung, um der Tram in der engen Hönower Straße eine behinderungsfreie Fahrt auf zwei Gleisen zu ermöglichen und ausreichend Platz für Radwege und ausreichend breite Gehwege zu haben.

»Heute ist diese Planung verfahrensrechtlich so weit fortgeschritten, dass grundlegende Änderungen faktisch einem Neustart gleichkämen.«

Argumentiert wurde unter anderem mit der Gefährdung der Kinder durch die neue Führung der Hauptstraße vor einer Schule. Das ist fast schon ein bisschen witzig von Vertretern einer Partei, die mit nachgerade heiligem Eifer die Aufhebung von Tempo 30 auf hochfrequentierten Schulwegen verfolgte.

Doch in diesem Fall knickte Verkehrssenatorin Ute Bonde nicht vor ihren Parteifreunden ein und entwickelte auch keine Alternativideen wie eine Magnetschwebebahn statt des Straßenbahnausbaus. Im November 2024 ließ Katharina Günther-Wünsch die Verkehrssenatorin bei einer Versammlung vor Ort den Unmut der Bürger nach jahrelanger CDU-Agitation gegen diese Lösung spüren.

»Kosten sind schon entstanden. Es sind Machbarkeitsstudien durchgeführt worden. Es sind Variantenprüfungen durchgeführt worden«, argumentierte Bonde damals. Und dass die BVG bei einer Führung auf dem längeren Weg über die Straße An der Schule eine zusätzliche Straßenbahn und mehr Fahrpersonal bräuchte. »Und diese Fakten, diese Tatsachen, lassen sich nicht per se einfach mal wieder zurückdrehen, sondern die sind in der Welt, die sind Aktenlage«, so die Verkehrssenatorin weiter.

Im Mai 2026 knickten Günther-Wünsch und ihre Mitstreiter schließlich ein. Nach einem erneuten Bürgerdialog vor Ort veröffentlichte das Abgeordnetenhausmitglied eine umfangreiche Erklärung für das Umschwenken: »Heute ist diese Planung verfahrensrechtlich so weit fortgeschritten, dass grundlegende Änderungen faktisch einem Neustart gleichkämen.«

»Wir würden viel Zeit und Geld verlieren und die Entscheidung wäre sehr anfällig für Klageverfahren«, heißt es weiter. Auch der Rechnungshof würde sich das genau anschauen, wird erläutert. Der hatte sich ja auch schon die von der CDU forcierte illegale Mittelvergabe für Projekte gegen Antisemitismus angesehen, die einige CDU-Senatsmitglieder das Amt kostete.

»Die Einsicht in die Notwendigkeit, das Mahlsdorfer Ortsteilzentrum endlich verkehrlich zu entlasten, einen stabilen 10-Minuten-Takt auf der Straßenbahn herzustellen und attraktive Fuß- und Radwege zu schaffen, kommt bei der örtlichen CDU reichlich spät und das zum Nachteil für die Mahlsdorfer und den gesamten Bezirk«, erklärte damals Linke-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg.

Ronneburg erinnerte daran, »wie vehement die CDU in den letzten Jahren immer wieder neue Alternativ-Varianten ins Spiel brachte, die weder Hand noch Fuß hatten«. Erst sei es eine zusätzliche Begegnungsstelle der Straßenbahn gewesen, die ausreichen würde. Dann sei es eine Umfahrungsstraße in Hoppegarten gewesen, die das Problem lösen würde. Und schließlich sei es der Tausch der Trassenvariante gewesen, sodass die Straßenbahn umständlich abbiegen und über die Straße An der Schule geführt werden sollte.

»Wäre die örtlich zuständige Abgeordnete für Mahlsdorf nicht gleichzeitig auch noch Bildungssenatorin, die versucht hat, direkten Einfluss auf ihre Kolleginnen zu nehmen und sich in ihre Fachbereiche einzumischen, hätten wir diese Lösung schon viel früher haben können«, so der Linke-Politiker.

In trockenen Tüchern dürfte das ganze Projekt erst mit dem Planfeststellungsbeschluss sein. Für den separat beantragten Straßenbau liegt er immer noch nicht vor, obwohl das Verfahren bereits im September 2023 begann. Bei der Straßenbahn ist abzuwarten, wie schnell es am Ende tatsächlich geht.

Der Blick auf andere Projekte im Berliner Osten zeigt, dass es trotz des jetzigen Fortschritts noch zu erheblichen Verzögerungen kommen kann. Für den Neubau einer 1,2 Kilometer langen Straßenbahnstrecke, mit der die Linie 21 zum Bahnhof Ostkreuz geführt werden soll, läuft das Verfahren seit bald neun Jahren. Und auch für das im Juni 2020 eingeleitete Verfahren zum zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn in der Adlershofer Dörpfeldstraße ist kein Abschluss absehbar. In funktionierenden Gemeinwesen wird in der Regel von einer Zeitspanne von zwei Jahren für Planfeststellungsverfahren ausgegangen. Dazu kommen eventuell noch weitere Zeiträume für mögliche Klageverfahren.

Es bleibt also abzuwarten, wann die nun ein Vierteljahrhundert andauernde Planungshistorie der Verkehrslösung Mahlsdorf in die Umsetzungsphase gehen wird.

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Source: nd