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Bundesliga | 1. FC Union Berlin: »Wir sind scheiße geil«
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Die Frauen machen beim 1. FC Union fast nur Freude. Foto: imago/Contrast Wenn Dirk Zingler über die Probleme in seinem Verein spricht, redet er meistens über die Männer. Selbst im achten Bundesligajahr und nach Spielen in der Champions League schaut der Präsident des 1. FC Union Berlin neidisch auf einen Neuling wie Elversberg. Und dann rechnet er vor, warum der Klub am kleinsten Standort der Bundesliga-Geschichte mehr Einnahmen bei jedem seiner Heimspiele erzielt als die längst etablierten Köpenicker: weil der Aufsteiger auch bei der aktuellen Stadionkapazität mehr ertragreiche Sitzplätze als Union habe, von denen sogar 2500 zum VIP-Preis verkauft werden. In der Alten Försterei gibt es nur 1800 Plätze für zahlungskräftigere VIP-Gäste.
Die Spieltagseinnahmen sind nur eine finanzielle Säule im Profifußball. Doch für Zingler steht mit Blick auf den 1. FC Union fest: »Die fetten Jahre sind vorbei.« Diesen Satz hatte der Vereinspräsident am Donnerstag merkwürdig beiläufig in einer Medienrunde formuliert, bevor er am Abend die Mitglieder auf der alljährlichen Versammlung über die Entwicklung des Vereins und die dazugehörigen Kennzahlen informierte. Nach Einnahmen von rund 197 Millionen Euro in der Vorsaison plant der Klub in der aktuellen Spielzeit mit 174 Millionen Euro.
Nimmt man das Ziel Klassenerhalt, dann sollten die Köpenicker auch in dieser Saison bestenfalls drei Konkurrenten hinter sich lassen. Und wenn es um diesen Wettbewerb geht, zählt Zingler neben der Sportvereinigung aus Elversberg mit Schalke, Köln, Mönchengladbach oder dem HSV weitere Vereine auf, die alle bessere Bedingungen hätten als Union. »Bei uns in der Alten Försterei sind die Spieltagseinnahmen so niedrig wie nirgendwo im Profifußball«, will Zingler die Verhältnisse ins rechte Licht rücken. Und weil die Berliner unter diesen Umständen wiederum sieben Jahre in Folge den Abstieg verhindert haben, pustete der Präsident einen weiteren knackigen Satz in die Luft: »Wir sind scheiße geil.«
Nun ist es auch im Fußball etwas komplexer, selbst das Spiel wird immer komplizierter. Jedenfalls sollte es schwer werden, jemanden zu finden, der mit vollster Überzeugung behauptet, dass man bei der SV 07 Elversberg bessere Voraussetzungen für die Bundesliga findet als bei Union Berlin. Der Blick auf den Personalaufwand beider Klubs ist nur ein Beispiel: Die SVE ist wohl mit einem Etat von zehn Millionen Euro aufgestiegen, sehr viel mehr soll die Profiabteilung auch im Oberhaus nicht kosten. Der 1. FC Union Berlin hingegen rangiert laut Finanzkennzahlen der Bundesliga mit dem rund achtfachen Budget an zehnter Stelle der Liga.
»Unser Klub muss sehr, sehr viel investieren, um seine Wettbewerbsfähigkeit herzustellen.« Fast 300 Millionen Euro wird die infrastrukturelle Entwicklung seit 2008 verschlungen haben, wenn dann mehr als 20 Jahre später in der neuen Alten Försterei gespielt wird. Die Stadionerweiterung ist neben dem Bau von neuen Trainingszentren für Zingler der wichtigste Faktor für künftige Erfolge: Nun steht wohl auch der endgültige Zeitplan dafür. Nach dem Weihnachtssingen 2027 soll im Stadion und drumherum der Abriss beginnen, am ersten Spieltag der Saison 2029/2030 will der Verein dann wieder in der Alten Försterei Fußball spielen. »Der Zeitplan ist mit den Behörden und dem Olympiastadion abgestimmt«, versichert Unions Präsident.
Für die Frauen von Union ist alles etwas anders. Einerseits machen sie fast nur Freude. Gleich im ersten Bundesligajahr waren sie der größte Zuschauermagnet der ganzen Liga – und stellten einen neuen Rekord auf. Nun, im zweiten Jahr, soll mit der neuen Trainerin Marie-Louise Eta und erneut reichlich Verstärkungen auch die sportliche Hierarchie im deutschen Fußball der Frauen aufgebrochen werden. Unions Fußballerinnen werden in der anderthalbjährigen Bauphase aber nicht im Olympiastadion spielen. »Für eine Ausweichspielstätte müssen wir einen siebenstelligen Betrag investieren«, verriet Zingler. Wo sie ist, wollte er noch nicht sagen. In den nächsten sechs bis acht Wochen soll diese Entscheidung fallen.
Mehr Freude erhofft sich Zingler auch von Unions Männern. Während der wirtschaftliche Wandel in der Wuhlheide noch ein paar Jahre auf sich warten lässt, soll der sportliche Turnaround schon jetzt gelingen. Um langfristig erfolgreich zu sein, muss sich die Spielweise weiterentwickeln, lautet die Analyse des Vereins. Aktiver, dynamischer, mehr Fußball spielen als arbeiten. Diesen Wechsel soll Mauro Lustrinelli bewerkstelligen. Dafür habe der neue Trainer alle seine Spieler bekommen, die er haben wollte, verriet Zingler. Und mit dem Start ist der Präsident schon mal zufrieden: »Sieben Tore in den ersten beiden Pflichtspielen – der Unterhaltungswert steigt.«
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Source: nd