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Beruf | Zu wenig Ausbildungsplätze

In Berlin gibt es sehr viel mehr Bewerber als Lehrstellen. Der Blick nach Brandenburg hilft ihnen auch nicht mehr.

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In Schwedt können junge Leute eine Ausbildung absolvieren. Doch die PCK Raffinerie GmbH muss dazu weiter durchhalten. Foto: dpa/Patrick Pleul Jugendlichen, die in Berlin keinen Ausbildungsplatz fanden, riet die Arbeitsagentur viele Jahre lang, es doch im Umland zu versuchen. Denn in Brandenburg überschritt die Zahl der freien Lehrstellen deutlich die Zahl der an einer Ausbildung interessierten Schulabgänger. Doch das sieht nun anders aus und ist ein Problem.

In Berlin hatten vor drei Jahren den damals 21.176 Bewerbern immerhin noch 16.813 Ausbildungsplätze gegenübergestanden. Diese Schere ist inzwischen noch weiter auseinandergegangen. Auf 24.716 Bewerber kommen nur noch 14.490 Ausbildungsplätze. In Brandenburg hatten vor drei Jahren 12.370 Bewerber 15.319 Ausbildungsplätze zur Auswahl. Diese Lücke hat sich vergrößert. Es gibt im Bundesland 13.299 Bewerber und 13.706 Ausbildungsplätze. Das bedeutet: Es gibt nicht mehr viel Platz für Bewerber aus Berlin. Es reicht gerade noch für die eigene Jugend.

»Derzeit ist es insbesondere in Berlin für Jugendliche so schwer wie lange Zeit nicht, eine Ausbildung zu finden.«

»Derzeit ist es insbesondere in Berlin für Jugendliche so schwer wie lange Zeit nicht, eine Ausbildung zu finden«, bedauert Carina Knie-Nürnberg. Sie leitet die Regionaldirektion der Arbeitsagentur.

»Die angespannte wirtschaftliche Situation darf nicht zu Lasten der jungen Menschen gehen, die in den letzten Jahren schon sehr viel zu tragen hatten«, findet Nele Techen, Vizelandesvorsitzende des Gewerkschaftsdachverbands DGB. Sie sagt: »Wir müssen alles tun, die duale Ausbildung zu sichern und für mehr betriebliche Ausbildungsplätze zu sorgen.«

Brandenburgs Sozialstaatssekretärin Friederike Haase meint zwar, es gehe in die richtige Richtung, da sich die Zahl der Stellen gegenüber dem vergangenen Jahr wieder erhöht habe. Doch für die BSW-Landesvorsitzende Friederike Benda ist dies Augenwischerei. Das Mini-Plus von 1,3 Prozent bei den gemeldeten Stellen könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Brandenburg gegenüber 2021 »über 1600 Ausbildungsplätze weggebrochen sind, Betriebe mehr als 4000 gemeldete Stellen wieder storniert haben und unterm Strich erneut deutlich weniger Jugendliche eine Lehre beginnen konnten«. Gleichzeitig sei die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren auf fast 8500 geklettert.

Benda spricht von dreifachem Versagen: Erstens erdrücke eine verfehlte Wirtschafts- und Energiepolitik mitsamt selbstmörderischer Sanktionen gegen Russland die Betriebe so sehr, dass die Ausbildungsquote nur noch deshalb steige, weil tausende nicht ausbildende Betriebe komplett vom Markt verschwänden. Zweitens räche sich die jahrelange Bildungsmisere, wenn über 2300 arbeitslose Jugendliche in Brandenburg nicht einmal einen Hauptschulabschluss vorweisen könnten und Betrieben die ausbildungsfähigen Bewerber fehlten. Drittens scheitere die Ausbildung am fehlenden bezahlbaren Wohnraum für Azubis. »Statt sich die Krise mit Durchhalteparolen schönzureden, muss die Landesregierung endlich unsere Schulen sanieren, sich für Reformen in der Bildung einsetzen, den Mittelstand durch bezahlbare Energie entlasten und für bezahlbare Azubi-Wohnungen sorgen!«

Immerhin: In Schwedt entsteht ein Lehrlingswohnheim mit 60 Plätzen in Einzel- und Doppelzimmern. Dafür gibt es 14 Millionen Euro Fördermittel von der EU. »Junge Menschen können in Schwedt künftig nicht nur eine gute Ausbildung absolvieren, sondern auch preisgünstig wohnen«, freut sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Die vom Importverbot für russisches Erdöl betroffene PCK-Raffinerie in Schwedt ist aktuell zu etwas mehr als 86 Prozent ausgelastet. Woidke ist dankbar, dass dies »in diesem Jahr trotz aller Schwierigkeiten stabil gehalten« werden konnte.

Der Bundestagsabgeordnete Christian Görke (Linke) fühlt sich an einen »Schlafwagenzug« erinnert, in dem »haufenweise Beruhigungspillen verteilt werden«. Immer wieder höre er Ankündigungen. »Wenn aber nicht bald echte Maßnahmen ergriffen werden, wird die PCK noch totverwaltet.« Dies sei schlecht für die 3000 Menschen, deren Lebensunterhalt direkt oder indirekt von der Raffinerie abhänge, und für Millionen Menschen, die Benzin benötigten.

85.029 Brandenburger waren im Oktober arbeitslos gemeldet und 223.254 Berliner. In der Hauptstadt stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Oktober vergangenen Jahres von 10,3 auf 10,4 Prozent, im Umland von 6,2 auf 6,3 Prozent.

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