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Berliner Regierungsbildung | Die Union hätte gern ein anderes Wahlvolk
Rot-grün-rot sei »nicht zulässig«, meint Merz. Offenbar hat Berlin gewählt, ohne vorher beim Kanzler um Erlaubnis zu fragen, bemerkt unser Kolumnist.
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Gewählt wird frei. Das scheint dem Kanzler nicht zu gefallen. Foto: dpa/Britta Pedersen Da kann man mal wieder sehen, wie naiv diese Berlinerinnen und Berliner sind. Dachten, sie könnten einfach mal so die Parteien wählen, von denen sie glauben, dass sie ihre Interessen am besten vertreten. Dabei hätten sie doch wissen müssen, dass die staatlich geprüften Mitte-Demokraten es nicht hinnehmen würden, wenn Menschen sich einfach mal so verwählen. Zumal die gewählten Taugenichtse um Elif Eralp sich jetzt auch noch anschicken, nach der Wahl das so zu machen, wie sie es vor der Wahl versprochen haben, indem sie die Gewinne der Wohnungskonzerne abschöpfen und so versuchen, das Mietniveau zumindest mal nicht weiter eskalieren zu lassen. Das ist seit Menschengedenken der erste ernsthafte Versuch, an der Explosion der Mieten wirklich etwas zu ändern. Und vielleicht ist das ja auch der Grund, warum das deutsche Provinz-Politikertum gerade Zeter und Mordio schreit.
Und da die Kommunisten-Keule (Verstaatlichung, was sich der olle Stalin da mal wieder ausgedacht hat) allein anno 2026 nicht mehr ausreicht, um eine brav koalitionswillige linkssozialdemokratische Partei zu diskreditieren, muss der Antisemitismus-Vorwurf so lange ausgewalzt werden, bis wirklich niemand mehr weiß, was der vermeintliche Anlass war: Ein Bundestagsabgeordneter aus Neukölln, der nicht in der Lage war, die nötige Distanz zu Mitgliedern einer in Teilen kriminellen Großfamilie zu halten, und eine ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählte Akteurin, der akademische Diskussionen über eine Einstaatenlösung für Israel und Palästina wichtiger zu sein scheinen als die Themen, wegen derer ihre Partei eigentlich gewählt wurde.
u003cstrongu003eChristoph Rufu003c/strongu003e ist freier Autor und beobachtet hier politische und sportliche Begebenheiten.
Alles in allem ein ziemlich geringer Anlass für den Vorschlaghammer, den das westdeutsche Establishment seit Wochen lustvoll schwingt, ohne zu merken, dass das, was es vertritt, dem Demokratieverständnis von Donald Trump sehr nahekommt. Also fordert Boris Rhein aus Hessen, den Länderfinanzausgleich künftig an eine Extremismusklausel zu koppeln. Das ist nicht so weit weg von Trump, der den Menschen in Texas bei einem Wahlsieg 300 Dollar verspricht.
Doch auch die Rheins und Söders lassen sich an Perfidie noch locker vom Kanzler überbieten, der beim Junge-Union-Deutschlandtag allen Ernstes behauptete, es sei »nicht zulässig«, wenn sich jetzt in Berlin eine rot-grüne-rote Regierung formiert. Nicht zulässig? Kann der Mann, dessen Partei in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – auch dort sind die Leute offenbar zu blöd zum Wählen – angemessen abgestraft wurde, nicht rechnen? Oder hält er die Leute nur einfach für so doof, wie viele leider tatsächlich sind?
Letzteres würde auch erklären, warum Merz mit seiner Union von der Berliner Linken ein »klares Bekenntnis zum Existenzrecht Israels« gefordert hat. Nur um dann, als genau das erfolgte, den Spieß umzudrehen. Denn mit dem Bekenntnis sei ja erst der Beweis des Antisemitismus erbracht: »Dass man das (Existenzrecht) noch betonen muss«, sage ja nun wirklich alles über die antisemitische Bande aus, rief Merz beim Deutschlandtag. Das ist zwar so verquer, dass es kracht. Vom Parteinachwuchs gab’s dennoch donnernden Applaus für den logischen Auffahrunfall.
Und während bei der Jungen Union die Perlenketten und Einstecktücher in Schwingung gerieten, dürften sich die 26 Prozent Linke-Wähler längst fragen, ob »Bild« und CDU/CSU nicht demnächst konsequenterweise in jeder Wahlkabine einen Aufseher platzieren, der überprüft, ob die Leute auch richtig wählen. Security mit Einstecktuch und Perlenkette. Hätte doch was.
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