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Airbus und Leonardo | Defekte und Abstürze: Frontex kämpft mit teuren Drohnen-Flops

Airbus in Bremen preist Drohnenflüge für Frontex als Erfolg. Dokumente belegen aber Streit wegen kaputter Geräte. Auch die Konkurrenz scheiterte.

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Der kürzlich getestete US-Senkrechtstarter »V-Bat« könnte mehrere Drohnenprobleme von Frontex lösen – einschließlich der störenden Nachverfolgung von Flügen durch NGOs. Foto: Frontex Im März 2026 vermeldete Airbus Defence and Space einen Meilenstein: Die Drohne »Heron 1« habe im Rahmen einer Frontex-Mission auf Malta 10.000 Flugstunden erreicht. Die vereinbarten Dienste seien fünf Jahre lang erfüllt und die Flüge trotz begrenzter Ressourcen durchgehend aufrechterhalten worden, so der Rüstungskonzern mit Sitz in Bremen. Selbst lange Seeeinsätze und widrige Wetterphasen hätten dem Erfolg nichts anhaben können.

Interne Dokumente, die nach einer Informationsfreiheitsanfrage auf der Webseite der EU-Grenzagentur veröffentlicht wurden, belegen jedoch eine lange Kette monatelanger technischer Ausfälle zweier Drohnen, ungeplanter Wartungen und ein tiefes Zerwürfnis zwischen der Agentur und ihrem Hauptauftragnehmer Airbus. Allerdings konnte auch der italienische Rüstungsgigant Leonardo, der wegen Airbus' Nichterfüllung zum Zuge kam, die Drohnendienste nicht wie bestellt liefern. Frontex reagierte mit Kündigungen.

Nach dem Zuschlag für den Frontex-Drohnendienst im Mittelmeer hatte Airbus zunächst eine »Heron 1« auf Malta stationiert, ein Jahr später folgte eine weitere auf Kreta. Die Langstreckendrohnen mit 16 Metern Spannweite wird von Israel Aerospace Industries (IAI) hergestellt. Im EU-Einsatz sollen sie das zentrale und östliche Mittelmeer überwachen. Entdecken die Pilot*innen Boote mit Migrant*innen auf dem Weg nach Europa, werden die Küstenwachen der Anrainer informiert, damit die Menschen vor allem nach Libyen zurückgeholt werden.

Schon 2022 beanstandete Frontex die schlechte Qualität der Infrarotkameras an Bord der Drohnen, der israelische Subunternehmer IAI sollte diese reparieren. Im März 2023 stand die Drohne auf Malta über einen Monat lang außerplanmäßig in der Wartung. Anfang Oktober desselben Jahres wurde eine Mission wegen eines Fehlers im Kollisionswarnsystem abgesagt, vier Tage später folgte der Abbruch wegen Triebwerksproblemen und hoher Öltemperatur. In der Folgewoche musste die Drohne erneut wegen Motorproblemen zur Basis am internationalen Flughafen in Valletta zurückkehren. Dieser Vorfall sorgte für »negative Presseberichterstattung«, wie Frontex verärgert an Airbus schrieb: Weil die »Heron 1« die Landebahn lange blockierte, mussten kommerzielle Flüge umgeleitet werden.

Auf Kreta setzte sich die Pannenserie fort: Im August 2023 stürzte die dortige »Heron 1« ins Meer. Frontex kündigte den Einzelvertrag für den Griechenland-Einsatz schließlich zum 23. Oktober 2023, da Airbus innerhalb der Vertragslaufzeit keinen Ersatz stellte und eine Lücke in den Überwachungsflügen von mindestens 3,5 Monaten drohte. Nach einem weiteren Absturz vor Malta im April 2026 wuchs Airbus' Rückstand bei den abzuleistenden Flugstunden weiter. Auch das eingeflogene Ersatzgerät war erst Wochen später einsatzbereit. Frontex verlangte daraufhin 6.929 Euro Rückerstattung für jeden Tag Flugausfall.

Ein wiederkehrendes Problem waren verzögerte Reparaturen. Ersatzteile, etwa für den Triebwerkstausch, trafen oft zu spät ein, offenbar weil die Regierung des Herstellerlandes Ausfuhrgenehmigungen für die Militärtechnik verspätet oder gar nicht erteilte. In den Frontex-Dokumenten ist das Land geschwärzt, es kann sich aber nur um Israel handeln.

In den ersten Jahren kam Frontex Airbus den Dokumenten zufolge noch entgegen und drückte sogar ein Auge zu, als die Drohnen nach einer im Juni 2023 unterzeichneten Vertragsverlängerung nicht sofort, sondern erst zwei Monate später wieder abhoben. Dieser Verzögerung habe man als »Zeichen guten Willens« zugestimmt, heißt es in einem Schreiben.

Was die Drohnenflüge Frontex gekostet haben, lässt sich kaum ermitteln. Die ersten Rahmenverträge hatten 2021 ein Volumen von 50 Millionen Euro, wurden dann um Flugstunden ergänzt und – im Fall von Malta – zwei Mal um 75 Millionen Euro verlängert. 2024 wurde der Rahmenvertrag für beide Drohnen mit einem Budget von 184,2 Millionen Euro neu abgeschlossen. Zu den tatsächlich abgerufenen Mitteln äußert sich Frontex aber nicht und verweist auf »geschäftlich sensible Daten«.

Unklar bleibt auch, was die Vertragspartner für die ausgefallenen Flugstunden vereinbart haben. Vor sechs Wochen sollte dazu im Frontex-Hauptquartier in Warschau ein Treffen mit Airbus stattfinden. Der Bremer Konzern hatte wiederholt versucht, die vertraglich vereinbarten Strafzahlungen für verspätete oder ausgefallene Einsätze durch zusätzliche, später zu fliegende Stunden zu ersetzen. Frontex lehnte den Deal ab: dieser untergrabe den Zweck von Vertragsstrafen untergraben und benachteilige die Konkurrenz.

Im Fall von Airbus und IAI ist der direkte Wettbewerber Leonardo, der bei der Neuvergabe des Rahmenvertrags 2024 zwar unterlag, aber als zweiter Begünstigter benannt ist, falls Airbus die Leistungen nicht wie gefordert erbringt. Nachdem Frontex Airbus tatsächlich gekündigt hatte, erhielt Leonardo am 12. Januar 2026 den Auftrag für Flüge im zentralen Mittelmeer.

Pikant ist diese Vergabe, weil Leonardo 2022 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit einer Klage gegen Frontex gescheitert war. Der Konzern hatte die Nichtigerklärung der Vergabe des ersten Rahmenvertrags an Airbus verlangt, weil er sein eigenes Angebot für das bessere hielt.

Doch auch Leonardos »Falco« erfüllte die vertraglich zugesicherten Anforderungen nicht. Der Einsatz war räumlich eingeschränkt, offenbar wegen Problemen mit den Luftfahrtbehörden eines in den Dokumenten geschwärzten Anrainerstaats – Malta oder Italien. Das sei besonders misslich, so Frontex, da im zentralen Mittelmeer im Sommer 2026 »ein erhöhter operativer Bedarf« an Drohnenflügen bestanden habe und die italienischen Behörden deshalb eine Ausweitung des Einsatzgebiets gefordert hätten.

Weil Leonardo dieser Aufforderung nicht nachkam und laut Frontex auch keine Nachweise über die nötigen Überfluggenehmigungen oder Lizenzen vorlegte, kündigte die Agentur auch diesen Einzelvertrag innerhalb des Rahmenvertrags.

Unklar ist, mit welchen Fluggeräten Frontex die Drohnenüberwachung künftig betreibt. Denkbar ist eine Ausweitung des bemannten Flugdienstes, für den Frontex seit 2017 mindestens einen hohen dreistelligen Millionenbetrag an private Dienstleister gezahlt hat, darunter eine US-Militärfirma.

Ebenso möglich ist der Umstieg von den großen israelischen Starrflügler-Drohnen auf ein neues Modell einer US-Firma, das Frontex jüngst erfolgreich auf einem Schiff der italienischen Küstenwache getestet hat. Es startet und landet wie eine Rakete senkrecht und wechselt dann vom Schub- in den Horizontalflug. Mit bis zu 12 Stunden soll die Flugdauer dieser »V-BAT« ähnlich hoch sein wie die der »Heron 1«.

Für Frontex hätte ein Betrieb der »V-BaT« mehrere Vorteile: der Einsatz von Schiffen auf dem Mittelmeer erfordert keine komplizierten Erlaubnisse für Flüge von zivilen Flughäfen oder in zivilen Lufträumen von EU-Staaten. Die Senkrechtstarterdrohne wiegt weniger als 150 Kilogramm und muss deshalb nicht bei der internationalen Luftfahrtorganisation registriert werden.

Damit entfällt auch die Pflicht, einen Transponder zur Ortung einschalten zu müssen. Die Flugbahn der »V-BAT«-Drohnen wäre also nicht über Flugtracking-Webseiten verfolgbar. Das wiederum bedeutet, dass Frontex bei seiner umstrittenen Kungelei mit der libyschen Küstenwache noch schlechter kontrolliert werden kann.

Auch die Welt würde davon profitieren, wenn Frontex die Flüge mit den israelischen Langstreckendrohnen von Malta und Kreta beendet: die extrem fehleranfälligen Geräte könnten niemand auf den Kopf fallen.

Airbus war bis 2021 auch Hauptauftragnehmer im Vertrag der Bundeswehr für israelische »Heron 1«. Die Luftwaffe setze diese seit 2010 in Afganistan und später auch in Mali ein. Vier der fünf in Masar-i-Scharif stationierten Drohnen erlitten dabei nach Unfällen Totalschaden. Inzwischen stieg die Bundeswehr auf das Nachfolgemodell um und gab alle »Heron 1« an Airbus und IAI zurück. Es ist deshalb gut möglich, dass exakt diese Exemplare nun für Frontex fliegen.

Frontex wurde für diesen Artikel mehrfach um Stellungnahme gebeten und erklärte zunächst lapidar, man gebe »keine Details bekannt, die die Sicherheit ihrer Mitarbeiter oder die Wirksamkeit ihrer Einsätze gefährden könnten«. Dazu gehörten konkrete Angaben zu Anzahl, Standort und Bewegungen eingesetzter Ausrüstung. Allerdings wurde nicht nach den Drohnen selbst gefragt, sondern dem millionenschweren Ärger mit Airbus und Leonardo und mit welchen Auftragnehmern Frontex die luftgestützte Drohnenüberwachung im Mittelmeer künftig fortführen will. Die ansonsten auskunftsbereite Pressestelle ging dazu auf Tauchstation.

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Originally published bynd
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