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Israels Krieg gegen kritische Berichterstattung
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Dossier
„… Dass mißliebige ausländische Medien, mit dem Fernsehsender“Al-Jazeera“ an der Spitze, in Israel verboten werden sollen, war der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vor einigen Tagen nur eine kurze Meldung im hinteren Teil des Feuilliton wert. (…) Noch weniger Erwähnung findet die Tatsache, dass die Armee von Benjamin Netanjahu, seinem neuen Kompagnon und Ex-General Benny Gantz sowie ihren rechtsextremen Kameraden Ben-Gvir, Smotrich & Co. bei ihren massiven Bombardements bislang 21 Journalisten umgebracht und etliche andere verletzt hat. Weitere Medienschaffende werden im Gazastreifen vermisst oder wurden verhaftet. Außerdem wurden die Büros und Gebäude mehrerer palästinensischer Medien in Gaza durch israelische Bomben dem Erdboden gleichgemacht oder schwer beschädigt…“ Aus dem Überblick des Gewerkschaftsforum Hannover vom 25.10.2023, den wir nachfolgend komplett und dankend dokumentieren und ergänzen:
- Israel: Kritik unerwünscht. Die Regierung will den Machern des Dokumentarfilms »Naza« – in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet – die Staatsbürgerschaft entziehen
- Israel: Kritik unerwünscht. Hetzjagd auf Regisseure geht weiter. Netanjahu kündigt Gesetz an, nach dem »Schmähung« der Armee mit Ausbürgerung geahndet wird
„In Venedig mit dem Spezialpreis der Jury für ihren Dokumentarfilm »Naza« über die mörderische israelische Kriegführung im Gazastreifen ausgezeichnet, in ihrem eigenen Land wegen genau dieses Films Ziel einer hemmungslosen Treibjagd: Juval Abraham und Rachel Szor. Vor dem Haus von Szors Eltern in der nur 4.500 Einwohner zählenden israelischen Gemeinde Savjon randalierten am Mittwoch mehrere Dutzend Ultrarechte, die der berüchtigte Organisator solcher Einschüchterungsversuche, Mordechai David, zusammengetrommelt hatte. Israelische Medien berichteten übereinstimmend von Sprechchören wie »Todesstrafe für die Verräter« und »Verleumdung der gefallenen Soldaten«. Die Lynchstimmung ist auch in mehreren Videos dokumentiert. Szor und Abraham halten sich zur Zeit angeblich im Ausland auf. Es bleibt ihnen kaum etwas anderes übrig. David droht, »sie legal zu jagen«, falls sie nach Israel zurückkehren. »Wohin sie auch gehen, wir blockieren sie überall im Land.« Darüber hinaus hat er Krawalle auch vor dem Haus von Abrahams Eltern angekündigt, die sich irgendwo versteckt halten. Der »Aktivist« David, wie israelische Medien ihn immer noch schonend bezeichnen, hat sich auf die organisierte Bedrohung von Journalisten, Künstlern und Politikern mit »linkem« Profil spezialisiert. Gerichte haben ihm in mehreren Fällen Annäherungsverbote erteilt. Leute wie er genießen im vorherrschenden politischen Klima Israels trotzdem stillschweigende Zustimmung oder gar Ermutigung. Regierungschef Benjamin Netanjahu hat am Mittwoch abend die Vorlage zweier Gesetze angekündigt, die die systematische Ausgrenzung von Kritikern der herrschenden Zustände und Praktiken ausweiten und verschärfen sollen. Zum einen geht es um den Entzug der Staatsbürgerschaft von Menschen, die die israelischen Streitkräfte »schmähen«. Zum anderen will der Premierminister auch die maximale Geldstrafe, zu der jemand unter diesem Vorwurf verurteilt werden kann, um das Zwanzigfache erhöhen. Die weit rechts orientierte, regierungsnahe Tageszeitung Jerusalem Post zitierte Netanjahu am Mittwoch mit den Worten: »Ihr Platz ist nicht bei uns. Wir werden sie sowohl an ihrer Staatsbürgerschaft als auch an ihrem Geldbeutel treffen.«….“ Artikel von Knut Mellenthin in der jungen Welt vom 18. September 2026
- Dokumentarfilm »Naza«: Ins Schwarze getroffen
„Die Regierung will den Machern des Dokumentarfilms »Naza« die Staatsbürgerschaft entziehen. Kritik am Gaza-Krieg ist ein Tabu.
Yuval Abraham und Rachel Szor haben offensichtlich einen Nerv getroffen. Dass die israelische Regierung ihnen die Staatsbürgerschaft entziehen will, zeigt vor allem, dass Zweifel an der israelischen Kriegsführung nicht erlaubt sind. Wer mit einer solch radikalen Strafmaßnahme auf einen Dokumentarfilm reagiert, will offensichtlich jede Kritik zum Verstummen bringen. Daraus kann man eigentlich nur folgern, dass die beiden Filmemacher ins Schwarze getroffen haben – wohlgemerkt, israelische Staatsbürger jüdischen Glaubens und nicht etwa irgendwelche »antisemitischen Israel-Hasser arabischer Provenienz«, die die israelische Regierung gerne diffamierend aufs Korn nimmt.
In der israelischen Politik gibt es beim Thema Gaza schon lange keinen Unterschied mehr zwischen Regierung und Opposition. Der Krieg wird von allen politischen Lagern mitgetragen und gerechtfertigt. Wo ist diese ach so offene Gesellschaft in Momenten, wenn die Kritik aus den eigenen Reihen, von den eigenen Bürgern kommt? Das Land lebt schon lange in einem permanenten Kriegszustand. Da gilt ein Film wie »Naza« schnell als Dolchstoß in den Rücken der eigenen Armee, als bedrohlicher Defätismus, den man sich nicht leisten könne angesichts der angeblich permanenten Bedrohung.
»Naza« enthüllt anhand von Aussagen von Militärangehörigen, die sich anonym äußern, die Brutalität der israelischen Kriegsführung: willkürliche Tötungen von Zivilisten, die Zerstörung von Wohngebäuden, der Einsatz Künstlicher Intelligenz mit dem Ziel effizienteren Auslöschens menschlichen Lebens. Kurzum, er zeigt den menschlichen Abgrund soldatischen Handelns und Gehorsams, dem die meisten israelischen Soldaten zu entrinnen nicht in der Lage sind (…) Israels Regierung scheint auf dem Standpunkt zu stehen, dass eine moralische Position sogar unerwünscht ist. Und die beiden Regisseure sollen das nun zu spüren bekommen.“ Kommentar von Cyrus Salimi-Asl vom 14.09.2026 in ND online
- Israel: Kritik unerwünscht. Hetzjagd auf Regisseure geht weiter. Netanjahu kündigt Gesetz an, nach dem »Schmähung« der Armee mit Ausbürgerung geahndet wird
- Kritik ist unerwünscht. Die israelische Polizei soll die Arbeit von ausländischen Journalist*innen auswerten, die kritisch über Israel berichten – und sie dann an der Einreise hindern
„Als der italienische Reporter und Fotograf Alessandro Stefanelli im Sommer vergangenen Jahres nach Israel reisen will, wie schon so oft in den vergangenen Jahren, ist die Überraschung groß. Einreiseerlaubnis gecancelt, heißt es in einer Mail der Immigrationsbehörde. Stefanelli solle sich bitte bei der israelischen Botschaft in Rom melden. Der Reporter tut dies – vergeblich. Also beschließt er, über die Allenby Bridge zwischen Jordanien und dem Westjordanland sein Glück zu versuchen. Hier benötige er keine Erlaubnis im Voraus, sagt ihm sein Anwalt. Doch am Grenzübergang nehmen ihn die Beamten fest. Etwa fünf Stunden wird er verhört, dann nach Jordanien zurückgebracht. So erzählt er das „Heute“. Dokumente, die der taz vorliegen, zeigen, dass Stefanelli wegen seiner Berichterstattung an der Einreise gehindert wurde. Die Polizei fand seine Artikel „einseitig“ und gegen Israel gerichtet. Daher darf er das Land in Zukunft nicht mehr betreten. (…) Sein Anwalt, Tamir Blank, findet deutliche Worte: „Ich glaube, die Polizei steht kurz davor, zur Gedankenpolizei zu werden. Er wurde verbannt, weil er seinen Job als Journalist gemacht hat.“ Stefanelli ist nicht der einzige ausländische Pressevertreter, dem die Einreise nach Israel seit dem Krieg in Gaza verweigert wurde. Wie die NGO Reporter ohne Grenzen berichtet, teilten die spanische Journalistin Queralt Castillo sowie die Französin Khadija Toufik ein ähnliches Schicksal. Laut der NGO Index of Censorship wertet eine Abteilung der Polizei die Arbeit kritischer ausländischer Pressemitglieder aus. Eine entsprechende Anfrage an die Behörde blieb unbeantwortet. (…)
Schon länger bemängeln Journalistenverbände, die Lage der Pressefreiheit in Israel habe sich seit Beginn des Konflikts verschlimmert. Ausländischen Journalist*innen ist der Zutritt zum Gazastreifen verboten. Nur eingebettete Reporter*innen, die an Pressetouren des israelischen Militärs teilnehmen, erhalten Zugang. Die israelische Regierung verteidigt dies mit Sicherheitsbedenken. Journalistenvertretungen kritisieren die Entscheidung als klare Verletzung der Pressefreiheit. Im Gazakrieg sind außerdem so viele Reporter*innen getötet worden wie noch nie zuvor in einem bewaffneten Konflikt. Knapp 210 bislang, laut dem US-amerikanischen Committee to Protect Journalists. Oft beschuldigt das israelische Militär diese, für die Hamas zu arbeiten. Doch belastbare, unumstrittene Beweise einer aktiven Tätigkeit innerhalb der Terrororganisation, die als politische Partei Gaza seit zwei Jahrzehnten regiert, werden selten vorgelegt. Das Committee will mindestens 75 Fälle verifiziert haben, in denen die Reporter*innen als Vergeltung für ihre Arbeit umgebracht wurden. Israel hat die Anschuldigungen stets abgelehnt. (…)
Am Montag machte zudem eine Mitteilung des israelischen Militärzensors die Runde unter Journalist*innen. Demnach darf die Presse keine genauen Zahlen nennen, wenn es um anfliegende Raketen geht, sondern nur noch von „einzelnen“ oder „Dutzenden“ Marschflugkörpern sprechen. Raketentreffer an strategischen Orten oder auf See dürfen die Medien nicht veröffentlichen, genauso wenig Bilder von Abfangmaßnahmen in der Luft. Formulierungsvorschläge waren auch dabei: So sollen Reporter*innen lieber „Raketen, die ihr Ziel nicht erreicht haben“, schreiben statt „Raketen, die ihr Ziel verfehlt haben oder abgestürzt sind“.Unterdessen wartet der verbannte italienische Reporter Stefanelli immer noch auf die endgültige Entscheidung des israelischen Gerichts. Über seine Erfahrung sagt er: „Ich betrachte dies als eine klare Zensur gegen die Pressefreiheit, die Israel respektieren sollte, da es sich als einzige Demokratie in Nahost bezeichnet.“ Artikel von Serena Bilanceri vom 11. Juni 2026 in der taz online
- Israel tötet Journalistin Amal Khalil in Libanon: Die tödlichen Angriffe auf die Presse haben Kalkül
„Der Tod der Journalistin Amal Khalil war ein gezielter Mord durch Israels Militär. Es braucht internationale Konsequenzen – nicht nur in ihrem Fall.
Israel hat schon wieder eine Journalistin in Südlibanon gezielt angegriffen und Hilfe durch Beschuss der Helfer verhindert – trotz vereinbarter Waffenruhe. Die Tötung von Amal Khalil ist keine Einzeltat. Es ist die gewollte Fortsetzung eines jahrzehntelangen Musters der israelischen Armee, Medienschaffende sowohl in Palästina als auch in Libanon gezielt einzuschüchtern, anzugreifen und zu töten. Wie lange sollen wir noch über die Morde an unseren Kolleg*innen schreiben? Israels Militär griff Ersthelfer, die nach Khalil suchen wollten, gezielt an. Das Rettungsteam vom Roten Kreuz musste auf eine israelische Genehmigung warten, um zurückzukehren. In dieser Zeit starb Amal Khalil. Auch die libanesische Armee brauchte eine Genehmigung, um einen Bulldozer zu schicken, um die Journalistin unter Trümmern zu bergen. (…)
In welchem Land müssen Rettungshelfer auf die Genehmigung eines anderen Landes warten, um Hilfe im eigenen Gebiet zu leisten? Wenn nicht einmal die UN-Friedensmission unsere Kolleg*innen schützen kann – wer dann? Aufklärung und Strafverfahren wären das Mindeste. Nicht nur im Fall Khalil. Israels Militär hat seit 2023 insgesamt 14 Medienschaffende in Libanon getötet. Sowohl 2025 als auch 2024 war die israelische Armee für zwei Drittel aller Tötungen von Journalist*innen weltweit verantwortlich. Das Töten von Journalist*innen hat Kalkül. Israels Militär räumt so die Zeugen der Verbrechen, die es begeht, aus dem Weg, um sie zum Schweigen zu bringen – und Kolleg*innen einzuschüchtern. Diejenigen, die Kriegsverbrechen dokumentieren, werden selbst zu Opfern dieser Verbrechen. Nur sehr wenige Fälle wurden untersucht, in keinem Fall wurde jemand zur Rechenschaft gezogen. Die Straflosigkeit für wiederholte israelische Kriegsverbrechen gegen Journalist*innen muss endlich aufhören. Sonst wird es wieder passieren, dass wir Kolleg*innen zu Grabe tragen.“ Kommentar von Julia Neumann vom 23. April 2026 in der taz online
- Extreme Erschöpfung, ständige Gefahr: Wie es ist, als Journalist*in in Gaza zu arbeiten
„Trotz der teilweisen Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten am 1. Februar leben Journalist*innen in Gaza weiterhin in permanenter Gefahr. Denn unter der israelischen Blockade werden ihnen Ressourcen, Bewegungsfreiheit und eine funktionierende Infrastruktur vorenthalten. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert die israelische Regierung auf, die Blockade unverzüglich aufzuheben und erklärt am Beispiel von Reporter*innen vor Ort, mit welchen Widrigkeiten ihr Arbeitsalltag verbunden ist. „Seit fast vier Monaten gilt eine brüchige Waffenruhe, doch die Bedingungen für Journalist*innen in Gaza bleiben extrem. Sie sind noch immer akut in Gefahr, kämpfen mit zerstörter Infrastruktur und fehlenden Ressourcen”, sagt RSF-Nahostreferent Christopher Resch. „Dennoch berichten sie weiter. Wir fordern ein Ende der Blockade sowie freien Zugang für internationale Medien, damit die erschöpften Kolleg*innen vor Ort endlich entlastet werden können.“ (…)
Evakuierungen aus Gaza sind selten, Hilfslieferungen begrenzt. Journalist*innen bleiben von der Außenwelt abgeschnitten und verfügen weder über funktionierende Ausrüstung noch über Schutzkleidung oder ausreichenden Zugang zu Strom, Treibstoff und Internet. „Internet ist nicht überall verfügbar und extrem teuer – manchmal zehnmal so teuer wie sonst. Das gilt auch für das Aufladen von Handys, die Suche nach einem Auto oder den Kauf von Treibstoff“, erklärt Nur Swirki.
Viele Journalist*innen haben ihre Wohnungen durch Bombardierungen verloren. Einige konnten provisorische Unterkünfte mieten, andere leben und arbeiten weiterhin in Zelten oder in der Nähe von Krankenhäusern. Unter diesen Bedingungen sei „journalistische Arbeit zu einem Kampf ums Überleben geworden – nicht nur zu einem Beruf“, fasst Anas Baba zusammen.
Auf der anderen Seite der Grenze, in Israel, halten die Behörden weiterhin an ihrem Verbot fest, ausländische Medien nach Gaza einreisen zu lassen. Daran hat bislang weder der internationale Druck noch die jüngste Anhörung vor dem israelischen Obersten Gerichtshof, an der RSF als amicus curiae beteiligt war, etwas geändert.
„Wir brauchen die Unterstützung unserer Kolleg*innen“, sagt Nur Swirki. „Nicht, weil wir unfähig wären – sondern weil wir erschöpft sind und uns bestimmte investigative Fähigkeiten, Werkzeuge und Expertisen fehlen, die sie einbringen könnten.““ Pressemitteilung vom 05.02.2026 der Reporter ohne Grenzen
- Im Süden Gazas sind am 21.01. drei für internationale Nachrichtenagenturen tätige Journalisten durch einen Angriff der israelischen Armee getötet worden
- Drei Journalisten in Gaza bei Angriff der israelischen Armee getötet
„Im Süden Gazas sind am Mittwoch (21.01.) drei Journalisten durch einen Angriff der israelischen Armee getötet worden. Seit Oktober gilt im Gazastreifen eine brüchige Waffenruhe. Reporter ohne Grenzen (RSF) ruft die israelischen Behörden dazu auf, Journalist*innen endlich besser zu schützen, und dringt weiter auf eine transparente Untersuchung dieser und früherer Tötungen.
„Die israelische Armee verfügt über die Technik, jedes ihrer angegriffenen Ziele genau zu identifizieren“, sagt RSF-Nahost-Referent Christopher Resch. „Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die Tötung der drei Journalisten zumindest billigend in Kauf genommen wurde. Die israelische Armee hat nach dem Völkerrecht die Pflicht, Journalist*innen zu schützen – andernfalls handelt es sich um Kriegsverbrechen.“
Nach RSF-Informationen arbeiteten die Getöteten regelmäßig als Fotojournalisten und Videoreporter für internationale Nachrichtenagenturen. Abdul Raouf Shaath habe seit 2024 mehrfach als Foto- und Videojournalist für die französische AFP gearbeitet, hieß es seitens der Agentur. Zum Zeitpunkt des Angriffs sei er aber nicht in ihrem Auftrag unterwegs gewesen. Sein letzter Bericht in ihrem Auftrag sei am Montag veröffentlicht worden. Zudem hat er für CBS News aus den USA gearbeitet. Mohammed Kaschta hatte während des Krieges für Al-Dschasira (al-Jazeera) und palästinensische Medien in Gaza gearbeitet und berichtete zuletzt auf seinem Telegram-Kanal für das Egyptian Relief Committee, eine staatliche ägyptische Hilfsorganisation. Anas Ghanem, der dritte Getötete, arbeitete als Freelancer und erstellte unter anderem für das im Gazastreifen tätige Medienhaus Smart Media Drohnenaufnahmen. Die israelische Armee gab an, sie habe Verdächtige angegriffen, die eine „mit der Hamas in Verbindung stehende Drohne“ gesteuert hätten…“ RSF-Pressemitteilung vom 22.01.2026
- Palästina: Mindestens 234 Journalisten und Medienmitarbeiter in Gaza getötet
„Mindestens 234 palästinensische Journalisten und Medienmitarbeiter wurden während des Krieges in Gaza getötet, mehrere wurden verletzt und andere werden vermisst. Die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ) und die Palästinensische Journalistengewerkschaft (PJS) verurteilen die Tötungen und anhaltenden Angriffe auf Journalisten. Die IFJ fordert eine sofortige Untersuchung ihrer Todesfälle. (…) Am 21. Januar 2026 wurden drei freiberufliche Journalisten, Mohammed Salah Qashta, Anas Ghneim und Abdul Raouf Shaat, bei einem israelischen Luftangriff im Gebiet Al-Zahra im Zentrum von Gaza getötet. Nach Angaben der PJS waren die Fotojournalisten in einem Fahrzeug unterwegs, „während sie eine humanitäre, journalistische Mission durchführten, um das Leiden der Zivilbevölkerung zu filmen und zu dokumentieren“. Das Gesundheitsministerium von Gaza teilte Al Jazeera mit, dass die Journalisten für das Egyptian Committee for Gaza Relief arbeiteten, das die Hilfsmaßnahmen Ägyptens in Gaza koordiniert. Einer der Journalisten, Abdul Raouf Shaat, war freiberuflicher Foto- und Videomitarbeiter der Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP), teilte diese mit…“ engl. Meldung vom 22. Januar 2026 von IFJ
(maschinenübersetzt)
- Drei Journalisten in Gaza bei Angriff der israelischen Armee getötet
- Medien in Israel: Mit dem Rücken zur Wand, Journalist*innen unter Druck. Gezielte Kampagnen und neue Gesetze bedrohen die freie Presse
„Journalist*innen in Israel stehen unter Druck: durch Hass, Hetze, Morddrohungen und die Regierung. Gezielte Kampagnen bedrohen die freie Presse.
Als Guy Peleg Mitte November nach einem Vortrag in Tel Aviv auf die Straße tritt, wird der israelische Journalist bereits erwartet. Mehrere Männer bedrängen und bedrohen ihn. Als er wegfahren will, blockieren sie sein Auto. „Guy Peleg, egal wo auf der Welt du hingehst, du wirst eine Polizeieskorte brauchen“, ruft einer von ihnen. Der Vorfall macht Schlagzeilen. Und doch ist er nur das jüngste Beispiel von vielen, der zeigt: Journalist*innen in Israel arbeiten zunehmend unter feindlichen Bedingungen
.
Peleg wird seit Langem angefeindet, nicht zuletzt, weil er über den Korruptionsprozess gegen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu berichtet. (…)
Das israelische Fernsehsender-Forum warnte vor einer „anhaltenden, organisierten und gefährlichen Hetze gegen Journalisten und freie Medien in Israel“. Deren Ziel sei es, „die Unabhängigkeit der Medien zu untergraben, Rundfunkanstalten zu schließen und letztlich die Presse- und Meinungsfreiheit einzuschränken“, so die Dachorganisation der drei größten israelischen Nachrichtensender Channel 12, Channel 13 und dem öffentlich-rechtlichen Sender Kan. (…)
Die Drohungen seien nur ein Instrument, mit dem Druck auf israelische Medien aufgebaut wird, sagt Anat Saragusti, die bei der israelischen Journalistengewerkschaft für Pressefreiheit zuständig ist. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Saragusti spricht von einem „Masterplan der israelischen Regierung, um die freie Presse im Land zu schwächen“ und dieser stamme „direkt aus dem Playbook autoritärer Regimes“. Je näher die Wahlen im kommenden Jahr rückten, umso mehr werde der Druck zunehmen, fürchtet sie. Vor wenigen Tagen hat die Gewerkschaft deswegen in Tel Aviv Journalist*innen zu einer „Notfallkonferenz zur Rettung der Presse“ zusammengerufen.
Gefahr durch neue Gesetze
Es sind gleich mehrere Gesetzgebungsverfahren im Gange, die etwa auf eine Privatisierung des öffentlichen Rundfunks zielen, oder auf das Messen der Einschaltquoten. Das hätte direkte Auswirkungen auf Anzeigen und somit auf die Finanzen privater Sender. Außerdem soll das Gesetz ausgeweitet werden, mit dem Israel während des Gaza-Kriegs den katarischen Sender al-Jazeera aus dem Land verbannt hat. Das sei eine Gefahr für sämtliche ausländische Medien, warnt Saragusti: Wer eine Gefahr für die Sicherheit des Landes darstelle, sei weit interpretierbar…“ Artikel von Dinah Riese vom 15.12.2025 in der taz online
(„Medien in Israel: Mit dem Rücken zur Wand“) - Reporter ohne Grenzen kritisieren Einschüchterungsversuche in Isreal gegen ARD-Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann und weitere Journalist*innen
„Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich solidarisch mit der ARD-Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann. Sie sieht sich derzeit einem Shitstorm gegenüber, der sich nicht auf Social Media beschränkt. Vor diesem Hintergrund kritisiert RSF die Rolle von Vertretern des israelischen Staates: Der Reserve-Armeesprecher Arye Shalicar schrieb, von der Tann sei “das Gesicht vom neu-deutschen Juden- und Israelhass”. Shalicar, aber auch Ron Prosor, der israelische Botschafter in Deutschland, nutzen Social Media immer wieder dazu, um einzelne Journalist*innen persönlich anzugreifen. Die ARD-Korrespondentin von der Tann ist dabei immer wieder das Ziel. „Wir stehen an der Seite von Sophie von der Tann. Selbstverständlich soll und darf journalistische Arbeit sachlich kritisiert werden. Wenn jedoch offizielle Vertreter*innen eines Staates ihre Rolle, ihre Reichweite und ihren Einfluss dazu nutzen, einzelne Medienschaffende namentlich zu diffamieren, überschreiten sie eine Grenze“, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus. „Solche Einschüchterungsversuche und Beleidigungen können schwerwiegende Folgen für das Ansehen bis hin zur Sicherheit der Betroffenen haben. Ziel scheint es zu sein, Medienschaffende von bestimmter Berichterstattung abzuhalten. Das ist inakzeptabel.“ (…) Auch vor den aktuellen Angriffen gegen Sophie von der Tann wurden Journalist*innen und Medien regelmäßig angegangen, teils diffamiert. (…)
Auch andere Korrespondent*innen in Israel berichten von Behinderungen und Einschüchterungsversuche durch offizielle Stellen. So berichtete eine deutsche Journalistin gegenüber RSF von offenen Warnungen: Sie dürfe bestimmte Informationen nicht veröffentlichen, da diese „ihr später auf die Füße fallen“ könnten. Ein langjähriger deutscher Korrespondent berichtete, es sei üblich, dass junge Kolleg*innen kurz nach ihrem Antritt auf ihrer Position von offiziellen israelischen Stellen kontaktiert würden und „Schüsse vor den Bug” bekämen. Besonders erschreckend war die Behandlung der taz-Korrespondentin Serena Bilanceri am 7. Juli auf dem Flughafen Tel Aviv. (…)
Die Arbeit ausländischer Journalist*innen in Israel und den Palästinensischen Gebieten ist seit mehr als zwei Jahren insbesondere dadurch eingeschränkt, dass die Netanjahu-Regierung freie Berichterstattung im Gazastreifen verhindert. Es finden lediglich seltene, streng geführte Militärtouren statt, um die eigene Sicht auf den Krieg zu vermitteln. Ausländische Medien sind bei ihrer Berichterstattung über den Gaza-Krieg somit vollständig auf palästinensische Kolleg*innen angewiesen. Die israelische Armee hat seit dem 7. Oktober mehr als 210 Journalist*innen getötet, einige von ihnen gezielt, und nur in Einzelfällen mutmaßliche Beweise für eine Mitgliedschaft in Terrororganisationen vorgelegt. Der Gaza-Krieg ist somit der tödlichste Konflikt für Medienschaffende in unserer Zeit. Auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt Israel mittlerweile Rang 112 von 180.“ RSF-Pressemitteilung vom 1. Dezember 2025
(„RSF kritisiert Einschüchterungsversuche gegen Sophie von der Tann und weitere Journalist*innen“) - Mitten in der vereinbarten Waffenruhe: Mitarbeiter von ZDF-Partnerfirma im Gazastreifen durch Raketenangriff Israels getötet
- Bei Raketenangriff Israels: Mitarbeiter von ZDF-Partnerfirma im Gazastreifen getötet
„Eine ZDF-Partnerfirma ist im Gazastreifen von einer Rakete getroffen worden, zwei Menschen starben. Chefredakteurin Schausten verurteilt den Angriff, Israel will den Vorfall prüfen. „Der Vorfall reiht sich ein in ein Muster von Angriffen gegen Journalisten“, sagt ZDF-Reporter Reichart zum israelischen Angriff auf eine für das ZDF arbeitende Partnerfirma in Gaza. (…) Gegen 16:30 Ortszeit (15:30 deutscher Zeit) wurden „unsere palästinensischen Kollegen von der Palestine Media Production (PMP) an ihrem Standort in Deir al-Balah im Süden Gazas von einer Rakete getroffen“, sagt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart im Studio Tel Aviv. Dabei starben ein Ingenieur der Firma und der achtjährige Sohn eines weiteren Mitarbeiters. Ein weiterer PMP-Journalist wurde verletzt…“ Meldung vom 20.10.2025 in zdfheute
- Angriff auf ZDF-Team: Aufklärung gefordert
„Der Deutsche Journalisten-Verband reagiert mit Bestürzung und Trauer auf den mörderischen Angriff auf eine Medienproduktionsfirma im Gazastreifen, die unter anderem im Auftrag des ZDF arbeitet.
Beim Einschlag einer Rakete kamen ein Mitarbeiter und ein achtjähriger Junge ums Leben, ein weiterer Mitarbeiter wurde verletzt. Zudem wurde die technische Ausrüstung des Teams, darunter der SNG-Übertragungswagen, zerstört. „Der Standort der Produktionsfirma dürfte sowohl dem israelischen Militär als auch der Hamas bekannt gewesen sein“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. „Wieso also dieser Angriff mitten in der vereinbarten Waffenruhe? Und warum wurden offenbar erneut Journalisten ins Visier genommen?“ Die Antwort des israelischen Militärs auf die Nachfrage des ZDF, der Vorfall werde geprüft, reiche nicht aus. „Wir verlangen eine lückenlose Aufklärung des Überfalls und die in einer Demokratie übliche juristische Strafverfolgung“, so Beuster. Die Verantwortlichen dürften nicht ungestraft davonkommen. Der DJV-Vorsitzende erwartet in dem Zusammenhang diplomatische Unterstützung von Bundesaußenminister Johann Wadephul: „Wenn freie Mitarbeiter des größten deutschen Fernsehsenders ermordet werden, darf die Bundesregierung nicht tatenlos zusehen.“ Der aktuelle Anschlag reihe sich ein in eine Kette von Tötungen von Medienschaffenden im Gazastreifen in den letzten zwei Jahren. Beuster: „Kein Konflikt hat mehr Journalistenleben gefordert als der Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas.““ djv-Pressemitteilung vom 20.10.2025
- Bei Raketenangriff Israels: Mitarbeiter von ZDF-Partnerfirma im Gazastreifen getötet
- Israels Militär tötet fünf Journalisten in Gaza
„Sie sterben bei einem Luftangriff des israelischen Militärs auf das Nasser-Spital in Südgaza. Die Zahl der im Gazakrieg getöteten Medienschaffenden steigt damit auf 192
„Bei mehreren israelischen Luftangriffen in kurzer Abfolge auf das Al-Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen wurden am Montagvormittag mindestens 20 Menschen getötet, darunter 5 Journalisten. Ein Kamerateam des TV-Senders Al-Ghad übertrug die Rettungsarbeiten in Chan Yunis im Süden des Küstenstreifens live: Die Aufnahme zeigt mindestens zwei mit orangen Rettungswesten gekennzeichnete Sanitäter auf einer Außentreppe, die von den Reportern häufig für Filmaufnahmen genutzt wurde. Dann schlägt unvermittelt ein zweites Projektil ein. Getötet wurden neben anderen die 33-jährige Journalistin Mariam Abu Dagga und der Journalist Hussam al-Masri, die beide als freie Mitarbeiter für die Nachrichtenagenturen Associated Press und Reuters arbeiteten. Außerdem sind unter den Toten der Al-Jazeera-Mitarbeiter Mohammed Salam und der Fotograf Moaz Abu Taha sowie ein weiterer Journalist, der wohl für das immer wieder mit der Hamas in Verbindung gebrachte Quds News Network arbeitete. Der für Reuters tätige Journalist Hatem Khaled wurde laut seinem Arbeitgeber bei dem Angriff verletzt. (…) Obwohl Krankenhäuser nach dem humanitären Völkerrecht besonderen Schutz genießen, sind israelische Angriffe auf Kliniken im Gazastreifen an der Tagesordnung. Israel beschuldigt die radikalislamische Hamas, diese militärisch zu nutzen, legt dafür aber nur selten Belege vor. Die Zahl der im Gazakrieg seit dem 7. Oktober 2023 von Israel getöteten Journalisten steigt mit diesem Angriff laut einer Zählung des internationalen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) auf 192. Im August hatte die Organisation Israel nach der Tötung des Al-Jazeera-Korrespondenten Anas Al-Scharif zusammen mit vier Kollegen beschuldigt, Journalisten in Gaza „vorsätzlich und systematisch“ zu töten, um Berichterstattung über sein Vorgehen im Gazastreifen zu unterbinden.“ Artikel von Felix Wellisch vom 25. August 2025 in der taz online
- Palästina: Mindestens 219 Journalisten und Medienschaffende in Gaza getötet
„Mindestens 219 palästinensische Journalisten und Medienschaffende wurden während des Krieges in Gaza getötet, mehrere verletzt und weitere vermisst. Die Internationale Journalistenföderation (IFJ) und die Palästinensische Journalistenvereinigung (PJS) verurteilen die Morde und die anhaltenden Angriffe auf Journalisten. Die IFJ fordert eine sofortige Untersuchung der Todesopfer. (…)
Am 25. August tötete ein israelischer Luftangriff auf das Nasser-Krankenhaus in Khan Yunis im Süden des Gazastreifens vier Journalisten, darunter Hossam Al-Masri, ein für die Nachrichtenagentur Reuters tätiger Fotograf; Mohammed Salama, ein für Al Jazeera tätiger Fotojournalist; Maryam Abu Deqa, eine für verschiedene Medien wie Associated Press und Independent Arabia tätige Journalistin; und Moaz Abu Taha, ein für NBC News tätiger Journalist. Das PJS verurteilte den gezielten Angriff.
Am selben Tag erlag der freiberufliche Journalist Ahmad Abu Aziz, der für Medien wie Middle East Eye arbeitete und in Khan Yunis lebte, seinen Verletzungen, die er bei dem israelischen Angriff auf das Nasser-Krankenhaus erlitten hatte. Er war der fünfte Journalist, der bei dem genannten Angriff getötet wurde.
Stunden später bestätigte das PJS die Tötung des Journalisten und Leiters der investigativen Reportageabteilung der Zeitung Al-Hayat Al-Jadida, Hassan Douhan. Laut PJS wurde Douhan am 25. August von israelischen Streitkräften in seinem Zelt in Mawasi, Khan Yunis, erschossen…“ engl. Statement vom 26. August 2025 von IFJ
(maschinenübersetzt) - Tödliche Berichterstattung: Erneut Journalisten in Gaza getötet
„Bei einem Doppelangriff auf das Nasser-Krankenhaus in Gaza sterben mindestens 20 Menschen, darunter fünf Medienschaffende. Die UN fordert Aufklärung. Israelische Streitkräfte haben am Montag das Nasser-Krankenhaus in Khan Junis im südlichen Gazastreifen angegriffen und dabei mindestens 20 Menschen getötet, darunter fünf Journalisten verschiedener internationaler Medienorganisationen. Der Kameramann Hussam al-Masri, der als Auftragnehmer für Reuters arbeitete, wurde bei dem ersten Angriff nahe einer Live-Übertragungsposition im oberen Stockwerk des Krankenhauses getötet, wie palästinensische Gesundheitsbehörden mitteilten. Krankenhauspersonal und Augenzeugen berichteten, dass Israel anschließend ein zweites Mal angriff und dabei weitere Journalisten sowie Rettungskräfte und Mediziner tötete, die zur Hilfe geeilt waren…“ Beitrag von Marcel Kunzmann vom 26. August 2025 auf Telepolis
- Kriegsverbrechen Israels: Blutiger Montag für Gaza-Journalisten
„Am Montag sind bei Angriffen des israelischen Militärs sechs palästinensische Journalisten ermordet worden. Es handele sich um ein „trauriges Missgeschick“, erklärte Netanyahu. Dabei wurde das Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis zuerst beschossen und dann erneut, nachdem Journalisten und Rettungskräfte herbeigeeilt waren. Die haben den Vorgang sogar live gesendet. Es handelt sich um ein Kriegsverbrechen, dass man „double tap“ nennt. Mehr als 200 Kolleginnen und Kollegen sind bereits ermordet worden…“ Kommentar von Ralf Streck vom 26. August 2025 im overton-magazin
- Siehe auch:
- #SupportPalestinianJournalists
- „#Palästina: [UPDATE 25.08.2025] Bei einem israelischen Luftangriff auf das Nasser-Krankenhaus in Khan Yunis wurden 4 Journalisten getötet: Hossam Al-Masri von Reuters, Mohammed Salama von Al Jazeera, Moaz Abu Taha von NBC News und Maryam Abu Deqa von AP und Independent Arab.“ engl. Post von IFJ- International Federation of Journalists vom 25. August 2025 auf bsky
mit 4 Fotos
- Palästina: Mindestens 219 Journalisten und Medienschaffende in Gaza getötet
- Israel, stop killing journalists! Internationale JournalistInnen-Verbände rufen auf zur öffentlichen Verlesung der über 200 Namen am Dienstag, 26.08. in Brüssel
„Kommen Sie morgen, am 26.08., um 11:30 Uhr zum Mont des Arts in Brüssel, um der über 200 in Gaza getöteten Journalisten zu gedenken und zu fordern: Israel, hör auf, Journalisten zu töten!
Eine öffentliche Verlesung der Namen der in Gaza getöteten Journalisten wird ihren Mut würdigen, ihre Ermordung verurteilen und Gerechtigkeit fordern.“ engl. Aufruf der European Federation of Journalists EFJ auf Bluesky
, ebenso IFJ
ebd. - Das israelische Militär tötet den bekannten Gaza-Reporter Anas Al-Sharif und 5 weitere Journalisten/Kameraleute bei einem gezielten Angriff, denunziert als Terroristen
- RSF verurteilt gezielte Tötung in Gaza
„Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die gezielte Tötung des bekannten Al-Dschasira-Reporters Anas al-Sharif sowie fünf seiner Kollegen durch die israelische Armee in Gaza auf das Schärfste. Bei dem Angriff am 10. August auf ein Zelt in der Nähe des Al-Schifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt, in dem sich Medienschaffende aufhielten, wurden insgesamt sechs Journalisten getötet und drei weitere verletzt. Unter den Getöteten waren neben al-Sharif seine Al-Dschasira-Kollegen Mohammed Qraiqea, Ibrahim al-Thaher, Mohamed Nofal und Mahmoud Aliwa sowie der freie Journalist Mohammed al-Khaldi.
„Die internationale Gemeinschaft und auch wir als RSF haben mehrfach vor der akuten Gefahr gewarnt, wenn Medienschaffende öffentlich und ohne überzeugende Belege beschuldigt werden, enge Verbindungen zur Hamas zu haben. Insbesondere gegen Anas al-Sharif wurde in letzter Zeit eine regelrechte Kampagne geführt. Diese Tötung ist nicht nur ein Kriegsverbrechen, sie markiert auch einen weiteren Höhepunkt in der systematischen Einschüchterung und Gewalt gegen palästinensische Medienschaffende“, erklärt Anja Osterhaus, Geschäftsführerin von Reporter ohne Grenzen Deutschland.
Bereits im Vorfeld hatten Irene Khan, die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, der Sender Al-Dschasira sowie weitere Pressefreiheitsorganisationen die Vorwürfe gegen al-Sharif als unbegründet zurückgewiesen und gewarnt, seine Arbeit solle mit einer gezielten Kampagne delegitimiert werden. Solche öffentlichen Anschuldigungen erhöhen nachweislich das Risiko für Journalistinnen und Reporter in Kriegsgebieten und können – wie im Fall al-Sharif – tödliche Konsequenzen haben. In der vergangenen Woche haben Medien auch in Deutschland palästinensische Medienschaffende wieder pauschal in die Nähe der Hamas gerückt, ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen und ihre Schutzkleidung als „Kampfmontur“ bezeichnet. So zu berichten, markiert und gefährdet Reporterinnen und Reporter vor Ort ganz konkret…“ RSF-Mitteilung vom 11.08.2025
- Siehe auch bei PJS: The Palestinian Journalists Syndicate strongly condemns the heinous crime that targeted six martyred journalists

- DJV verurteilt Tötung von Journalisten
„Der Deutsche Journalisten-Verband verurteilt die Tötung von palästinensischen Journalisten und Kameraleuten durch das israelische Militär.
Die israelische Armee hatte zuvor bekannt gegeben, den palästinensischen Journalisten Anas al-Sharif wegen angeblicher Verbindungen zur Terrororganisation Hamas getötet zu haben. Dabei sollen vier weitere Medienschaffende ums Leben gekommen sein. Al-Sharif arbeitete für den Sender Al Jazeera. Der Sender sowie die UNO wiesen die Vorwürfe gegen den Journalisten zurück, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, weil internationalen Journalisten der Zugang zum Gazastreifen verwehrt wird. Israel beruft sich auf Geheimdienstinformationen. „Wir verlangen Aufklärung über die Hintergründe der Tötungen“, sagt DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster. Selbst wenn Anas al-Sharif ein Terrorist gewesen sein sollte, rechtfertige das nicht den Luftangriff auf ein Journalistenzelt in Gaza-Stadt, in dem sich das Al Jazeera-Team aufgehalten habe.
Der DJV-Vorsitzende weist in dem Zusammenhang auf die „unerträglich hohe Zahl getöteter Journalistinnen und Journalisten“ seit Beginn des Gaza-Kriegs hin: „Dass Medienschaffende in dem bewaffneten Konflikt umkommen, ist schon furchtbar genug. Dass auf Grundlage von nicht überprüfbaren Vorwürfen gezielt Jagd auf sie gemacht wird, ist nicht hinnehmbar“, so Beuster.“ djv-Pressemitteilung vom 11.08.2025
- Mitgeschossen: Deutsche Medien gefährden ihre Kollegen
„… Viele deutsche Redaktionen spielen schon länger eine aktive Rolle bei der Gefährdung ihrer Kollegen in Gaza: Wir erinnern uns an Titel wie »Können Journalisten Terroristen sein?« oder »Al-Jazeera: Schützenhilfe für die Hamas«, an unzählige weitere Berichte, in denen die bis heute meist unbelegten oder falschen Vorwürfe israelischer Sprecher und Militärs unwidersprochen aufgegriffen und weiter verbreitet wurden. Völlig scham- und anstandslos titelte die »Bild« am Montag: »Als Journalist getarnter Terrorist in Gaza getötet«. Und das, nachdem »Bild« und die »Süddeutsche Zeitung« erst vor einigen Wochen den Journalisten Anas Zayed Fteiha mit ebenfalls unbelegten Behauptungen in Verbindung mit der Hamas gebracht und dabei sogar von einem »Auftrag« gesprochen hatte. Das wurde dankbar vom israelischen Außenministerium aufgegriffen, um Bilder des Hungers aus Gaza als inszeniert zu delegitimieren. Tatsache bleibt: Die Aushungerung Gazas ist Realität, die Ermordung von Journalisten in Gaza ist Realität…“ Kommentar von Julian Daum vom 11.08.2025 in ND online
- Israel tötet den bekannten Gaza-Reporter Anas Al-Sharif bei einem gezielten Angriff
„Al-Sharif wurde als „Stimme“ der Palästinenser in Gaza gefeiert und von den israelischen Behörden offen ins Visier genommen.
Das israelische Militär hat am Sonntag bei einem gezielten Angriff im Gazastreifen fünf Journalisten getötet, darunter den bekannten Reporter Anas al-Sharif, der als „Stimme“ der Palästinenser im Gazastreifen gefeiert wurde.
Israel hat am Sonntagabend das Zelt der Journalisten vor dem al-Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt angegriffen. Die Journalisten arbeiteten für Al Jazeera.
Al-Sharif, einer der bekanntesten Journalisten im Gazastreifen, hatte seit Monaten öffentliche Morddrohungen von israelischen Beamten erhalten. Im Oktober veröffentlichte Israel eine Liste von sechs Al Jazeera-Journalisten im nördlichen Gazastreifen, die es beschuldigte, „terroristischen“ Gruppen anzugehören, ohne dafür Beweise vorzulegen. Auf dieser Liste befanden sich auch al-Sharif und der Journalist Hossam Shabat aus dem nördlichen Gazastreifen, den die israelischen Streitkräfte im März dieses Jahres bei einem gezielten Angriff getötet hatten.
Letzten Monat, als sich die Hungerkrise in Israel rapide verschlimmerte, wurde al-Sharif in einem Bericht über die Katastrophe emotional. Während seiner Reportage brach eine Frau auf der Straße zusammen, weil sie vor Hunger geschwächt war, und der 28-jährige Reporter vergoss Tränen über seinen Kummer. Jemand aus dem Off forderte ihn auf: „Mach weiter, Anas. Du bist unsere Stimme.“
Nach diesem Bericht griff der oberste Sprecher des israelischen Militärs, Avichay Adraee, al-Sharif in den sozialen Medien mehrfach offen an, nannte ihn einen Terroristen und lieferte keine Beweise. Al-Sharif bezeichnete diese Äußerungen als „öffentliche Aufwiegelung“.
Das israelische Militär prahlte offen mit der Tötung von al-Sharif und seinen Kollegen kurz nach dem Angriff am Sonntag und schrieb in einem Social-Media-Post: „STRUCK“, zusammen mit einem Bullseye-Emoji. Wie bei vielen der über 270 Journalisten, die im Rahmen des Völkermordes getötet wurden, beschuldigte Israel al-Sharif erneut, ein Terrorist zu sein.
Die Palästinenser warnen seit langem davor, dass Israel Beweise fabriziert hat, um al-Sharif zu verleumden.
Al-Sharifs Angehörige veröffentlichten kurz nach seiner Ermordung in den sozialen Medien eine Nachricht, die er für den Fall seines Todes geschrieben hatte. Der Al Jazeera Reporter schrieb, dass er immer nur gehofft hatte, lange genug zu leben, um mit seiner Familie in seiner angestammten Heimat Al-Majdal, dem heute besetzten Asqalan, das von israelischen Streitkräften während der Nakba 1948 ethnisch gesäubert wurde, wieder zusammenzukommen.
Sowohl Al-Sharif als auch Qreiqeh hatten Kinder, von denen sie getrennt wurden, als sie sich im nördlichen Gazastreifen aufhielten, der seit über einem Jahr von Israel belagert wird, um über die dortigen Gräueltaten zu berichten. (…)
Al-Sharif postete Videoaufnahmen von israelischen Angriffen auf Gaza-Stadt, nur wenige Minuten bevor Israel ihn tötete. Zuvor hatte er die Welt aufgefordert, Israels Plan zur Übernahme von Gaza-Stadt zu stoppen.
„Wenn dieser Wahnsinn nicht aufhört, wird der Gazastreifen in Trümmer gelegt, die Stimmen der Menschen zum Schweigen gebracht, ihre Gesichter ausgelöscht – und die Geschichte wird sich an Sie als stumme Zeugen eines Völkermordes erinnern, den Sie nicht stoppen wollten“, schrieb er . „Bitte teilen Sie diese Nachricht und markieren Sie jeden, der die Macht hat, dabei zu helfen, dieses Massaker zu beenden. Schweigen ist Mittäterschaft.“…“ engl. Artikel von Sharon Zhang vom 11. August 2025 in Truthout
(maschinenübersetzt) mit vielen Verlinkungen v.a. zu Videos von Al-Sharif - Hier sind die Namen der Journalisten, die Israel in Gaza getötet hat
„Israel hat seit Beginn seines Krieges gegen Gaza fast 270 Journalisten und Medienschaffende getötet…“ engl. Artikel und Liste von Marium Ali und Hanna Duggal vom 11. August 2025 Al Jazeera
- RSF verurteilt gezielte Tötung in Gaza
- Mehr als 200 Medienschaffende bei Angriffen des israelischen Militärs getötet: RSF fordern mehr Einsatz zum Schutz palästinensischer Journalist*innen in Gaza
- RSF: Bundesregierung muss dringend handeln
„Vor der geplanten Israel-Reise von Außenminister Johann Wadephul fordert Reporter ohne Grenzen (RSF) die Bundesregierung auf, sich endlich für Journalistinnen und Journalisten im Gazastreifen einzusetzen. Nach mehr als 660 Tagen Krieg berichten die palästinensischen Medienschaffenden von unerträglichen Bedingungen: Sie wurden mehrfach vertrieben, ihre Wohnungen zerstört, sie sind den israelischen Bombardierungen schutzlos ausgeliefert und zunehmend ausgehungert. Seit Kriegsbeginn wurden bei Angriffen des israelischen Militärs mehr als 200 Medienschaffende getötet. „Hunger, Ohnmacht, Angst um sich und ihre Familien – das sind die Arbeitsbedingungen der Medienschaffenden in Gaza. (…) Die ohnehin katastrophale humanitäre Lage in Gaza hat sich zuletzt noch einmal deutlich verschärft. Am 21. Juli hatte die Journalistengewerkschaft der Nachrichtenagentur AFP einen Hilferuf veröffentlicht. Darin beschreibt sie, dass ihre zehn lokalen Mitarbeitenden vom Hungertod bedroht seien. (…) RSF erwartet von der Bundesregierung, dass sie verletzte und gefährdete Medienschaffende bei der Ausreise unterstützt. Bislang reagieren die deutschen Behörden auf konkrete Hilfeanfragen von RSF viel zu passiv. RSF fordert außerdem, das Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und Israel auszusetzen. Ein „wesentliches Element“ der bilateralen Beziehungen ist laut Artikel 2 des Abkommens die Einhaltung der Menschenrechte. Dieser Grundsatz werde aktuell in eklatanter Weise verletzt, heißt es in einem Appell, den RSF gemeinsam mit über 180 weiteren Organisationen unterzeichnet hat. RSF fordert die Bundesregierung auf, sich gemeinsam mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs dafür einzusetzen, dass die EU dieses Instrument nutzt. Aus Sicht von RSF ist es ein wirksames Mittel, um den Druck auf die israelische Regierung zu erhöhen, Journalistinnen und Journalisten besser zu schützen. RSF fordert weiterhin, dass internationale Journalistinnen und Journalisten nach Gaza reisen dürfen, um von dort zu berichten. Die Last der Berichterstattung darf nicht alleine auf den Schultern der palästinensischen Medienschaffenden liegen. Sie leiden bereits unter den enormen Herausforderungen des Krieges und des Überlebens. Mehr als 200 von ihnen sind seit dem 7. Oktober 2023 getötet worden, mindestens 46 im Zusammenhang mit der Arbeit. Mehrere von ihnen hat die israelische Armee gezielt getötet und die Getöteten in die Nähe der Hamas gerückt. Glaubwürdige Belege dafür fehlen jedoch in den meisten Fällen. RSF schaut zudem in großer Sorge ins Westjordanland, wo gewaltbereite Siedler die Arbeit lokaler und internationaler Medien immer wieder behindern. Die israelischen Sicherheitskräfte lassen sie häufig gewähren. Diese Übergriffe müssen enden. RSF appelliert seit vielen Monaten auch an die Regierung in Israel, sich in Bezug auf den Schutz von Medienschaffenden an die völkerrechtlichen Verpflichtungen zu halten. Mittlerweile liegt jedoch der begründete Verdacht nahe, dass unabhängige Berichterstattung in und aus Gaza systematisch unterbunden und gezielt bekämpft werden soll. Medienschaffende sind Teil der Zivilbevölkerung, gezielte Angriffe auf sie sind Kriegsverbrechen. In mehreren Strafanzeigen vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) hat RSF solche Kriegsverbrechen, auch seitens der Hamas, detailliert dokumentiert.“ RSF-Pressemitteilung vom 30. Juli 2025
- Journalisten aus Gaza sollen rotieren dürfen. Internationale Medienhäuser warnen vor Verstummen von Berichterstattung
„Vor der diese Woche geplanten Israelreise des deutschen Außenministers Johann Wadephul (CDU) fordert Reporter ohne Grenzen (RSF) von der Bundesregierung mehr Einsatz zum Schutz palästinensischer Journalist*innen in Gaza. (…) Die Journalistengewerkschaft der AFP verschickte kürzlich einen ähnlichen Hilferuf, wonach lokale Mitarbeitende vom Hungertod bedroht seien. Einen kurzen gemeinsamen Appell hatten dazu auch BBC News, Reuters, Associated Press und AFP veröffentlicht. RSF berichtet zudem von gleichlautenden »verzweifelten Hilfsanfragen« von vertrauenswürdigen Quellen aus Gaza. Auch das International News Safety Institute (INSI), das sich weltweit dem Schutz von Journalist*innen in Konfliktgebieten widmet, schlug am Wochenende Alarm. In einem gemeinsamen Appell fordern 38 Medienorganisationen – darunter »Guardian«, »Financial Times«, »Washington Post« – Israel auf, lokale Journalist*innen samt Familien ausreisen zu lassen und internationalen Medien Zugang zu gewähren. INSI bezeichnet den Schutz von Berichterstattenden in Kriegsgebieten als humanitäre Pflicht. In Gaza, so der Appell, drohe die Weltöffentlichkeit systematisch von den Ereignissen abgeschnitten zu werden. (…)Von den beiden großen deutschen Journalistengewerkschaften ist zum Gaza-Krieg auch nach 22 Monaten verheerender Zerstörungen und 60 000 Toten wenig Kritik zu hören – im Gegenteil: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sorgte am Mittwoch mit einer Warnung vor Manipulationsversuchen mit »Fotos von stark abgemagerten Kindern, deren Zustand jedoch offenbar nicht auf die Hungersnot in Gaza zurückzuführen ist« für Empörung in sozialen Medien. Anlass war eine Debatte über Bilder von Kindern aus Gaza, deren »Vorerkrankungen« angeblich von internationalen Medien verschwiegen worden seien – obwohl die Abgebildeten nachweislich auch Hunger litten. Dass Israel die Menschen in Gaza systematisch verhungern lässt, haben am Dienstag auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bekräftigt. Am selben Tag veröffentlichten 31 namhafte israelische Persönlichkeiten einen offenen Brief im »Guardian«. Darin heißt es: »Unser Land hungert die Menschen in Gaza zu Tode.«“ Artikel von Matthias Monroy vom 30. Juli 2025 in Neues Deutschland online
- RSF: Bundesregierung muss dringend handeln
- Völkermord in Gaza: Fehlende Solidarität mit Kollegen. Weder deutsche Medien noch hiesige Gewerkschaften haben in den letzten 22 Monaten Kontakt zur palästinensischen Journalistengewerkschaft aufgenommen
„Bereits am 12. Februar 2024 teilte die palästinensische Journalistengewerkschaft Palestinian Journalists Syndicate (PJS) mit, dass 120 – und damit fast zehn Prozent – ihrer etwa 1.300 Mitglieder getötet wurden. Schon in den ersten zehn Wochen nach dem 7. Oktober wurden mehr Journalisten getötet, als jemals zuvor in einem einzigen Land im Laufe eines ganzen Jahres, so das Committee to Protect Journalists (CPJ). „Gaza ist ein Friedhof für Journalisten“, hieß es Anfang des Jahres in der taz. Und im April veröffentlichte die zur renommierten Brown University gehörende Watson School for International and Public Affairs dann einen Bericht, wonach in Gaza mehr Journalisten getötet wurden, „als im US-Bürgerkrieg, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, dem Koreakrieg, dem Vietnamkrieg (einschließlich der Konflikte in Kambodscha und Laos), den Kriegen in Jugoslawien in den 1990er und 2000er Jahren und dem Krieg in Afghanistan nach dem 11. September zusammen“. Gaza sei mit weit über 200 getöteten Journalisten „schlicht und ergreifend der schlimmste Konflikt aller Zeiten für Reporter“. Hinzu kommen laut PJS hunderte Verletzte sowie mindestens 125 willkürlich von Israel in Administrativhaft genommene Journalisten, von denen viele nachweislich gefoltert wurden. Im Angesicht dieses noch nie dagewesenen Ausmaßes an tödlicher Gewalt gegen Presse- und Medienarbeiter würde man eigentlich Empathie und eine Welle an Solidarität mit den betroffenen Kollegen vor Ort erwarten. Umso mehr, da internationalen Journalisten von Israel der Zugang zum Gazastreifen weitestgehend verwehrt wird und lokale palästinensische Journalisten mit die einzigen vertrauenswürdigen Quellen sind, welche herangezogen werden können, um den Aussagen der israelischen Streitkräfte (IDF) sowie der in weiten Teilen faschistischen israelischen Regierung etwas gegenüberzustellen. Allein, während quasi noch immer täglich unkritisch aus Presseerklärungen der IDF zitiert wird, kommen die Stimmen palästinensischer Kollegen in der deutschen Medienlandschaft nach wie vor kaum bis gar nicht vor. Und wenn, dann werden sie nicht selten von vornherein delegitimiert, angezweifelt oder gar unter Generalverdacht gestellt. (…) Die Gewerkschaft PJS gehört wie die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) zur International Federation of Journalists (IFJ). Laut PJS-Vizepräsident Tahseen al-Astal nahm die DJU am letzten IFJ Global Congress in Oman im Juni 2022 teil. Darüber hinaus habe es seither keinen bilateralen Kontakt gegeben. Weder die DJU noch irgendeine andere deutsche Gewerkschaft habe seit dem 7. Oktober den Kontakt mit der PJS gesucht, so der in Gaza ansässige Gewerkschafter. Allerdings pflege man „enge Beziehungen zu Gewerkschaften auf der ganzen Welt“. Darüber hinaus sei PJS-Präsident Nasser Abu Bakr derzeit Vizepräsident der IFJ. al-Astal, der seit dem 7. Oktober mit seiner Familie bereits mehr als zehn Mal fliehen musste, brachte mir gegenüber mehrfach seine Bereitschaft und seinen Wunsch zum Ausdruck, sich mit Gewerkschaften, Medien und der Zivilgesellschaft in Deutschland auszutauschen. (…) Besser zu spät als gar nicht mehr handeln. Es ist ok, seine Meinung zu ändern, wenn grausamste Wahrheiten und schlimmste Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch in Deutschland nicht länger ignoriert oder gar gerechtfertigt werden können. Als nächstes braucht es jetzt aber Haltung und dementsprechendes Handeln. Liebe Kolleg*innen in den Gewerkschaften, liebe Menschen in den Medien und in der Zivilgesellschaft, liebe Freunde, liebe Alle, lasst uns endlich dafür sorgen, Deutschlands Unterstützung für diesen Wahnsinn und dystopischen Horror ein Ende zu setzen. Schaut nicht länger weg, stumpft nicht ab, schweigt nicht, solidarisiert euch! Nehmt Kontakt mit der PJS auf, geht auf Proteste, oder organisiert selbst Proteste. Schließt euch zusammen und erhebt eure Stimme, denn alle Menschen haben ein Recht, zu existieren und in Frieden zu leben. Ein Recht auf Unterdrückung, Vertreibung und Völkermord gibt es nicht.“ Gastbeitrag von ver.di-Mitglied Anton Wundrak Mantovanini vom 1. August 2025 bei etos.media
- Weitere Information zur palästinensische Journalistengewerkschaft Palestinian Journalists Syndicate (PJS) ist auf der PJS-Homepage
in Englisch zu finden
- Weitere Information zur palästinensische Journalistengewerkschaft Palestinian Journalists Syndicate (PJS) ist auf der PJS-Homepage
- „Wir weigern uns, sie sterben zu sehen“: Die letzten Reporter:innen in Gaza drohen zu verhungern, warnt die Journalist:innenvereinigung SDJ der AFP
- Journalistenvereinigung warnt: Die letzten Reporter in Gaza drohen zu verhungern
„Die Journalistenvereinigung der Nachrichtenagentur AFP schlägt Alarm: Die letzten noch aus Gaza berichtenden Reporter und Fotografen könnten an dem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sterben. Sie leben unter den gleichen Bedingungen wie die Bevölkerung von Gaza.
Die Journalistenvereinigung SDJ der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) hat am Montag davor gewarnt , dass die letzten aus Gaza berichtenden Journalist:innen sterben werden. Die AFP arbeitet laut der SDJ seit dem Abzug ihrer festangestellten Journalist:innen heute mit einer freiberuflichen Textjournalistin, drei Fotografen und sechs freiberuflichen Videoreportern im Gazastreifen zusammen. Die Nachrichtenagentur ist eine der wenigen, die noch direkt aus Gaza berichtet, weil Israel der internationalen Presse die Einreise in das Kriegsgebiet untersagt.
Die Mitarbeiter:innen der AFP sind laut der Journalistenorganisation denselben Bedingungen ausgesetzt wie die 2,3 Millionen Menschen, die in Gaza leben. In der Pressemitteilung heißt es über einen der Fotografen: Der 30-jährige Bashar lebt und arbeitet unter den gleichen Bedingungen wie alle anderen Bewohner Gazas und zieht je nach den israelischen Bombardements von einem Flüchtlingslager zum nächsten. Seit über einem Jahr lebt er in völliger Armut und riskiert bei seiner Arbeit sein Leben. Hygiene ist für ihn ein großes Problem, er leidet unter schweren Darmerkrankungen.
Am vergangenen Samstag postete Bashar, der in den Trümmern des Hauses seiner Familie lebt, auf Facebook: „Ich habe keine Kraft mehr, für die Medien zu arbeiten. Mein Körper ist abgemagert und ich kann nicht mehr arbeiten.“
Zwar erhalten die Journalist:innen ein monatliches Gehalt der AFP, es gäbe aber nichts zu kaufen oder nur zu völlig überhöhten Preisen. Zudem ist das Bankensystem zusammengebrochen, und diejenigen, die Geld zwischen Online-Bankkonten und Bargeld umtauschen, verlangen eine Provision von fast 40 Prozent für diese Dienstleistung.
Zu Fuß und mit Eselskarren unterwegs
Die AFP habe keine Möglichkeit mehr, ein Fahrzeug zu beschaffen, geschweige denn Benzin, damit ihre Journalist:innen für ihre Reportagen mobil sind, heißt es weiter. Mit dem Auto zu fahren bedeute ohnehin, das Risiko einzugehen, zur Zielscheibe der israelischen Luftwaffe zu werden. Die AFP-Reporter seien daher zu Fuß oder mit Eselskarren unterwegs.
Andere Mitarbeiter:innen der AFP leben in Zelten, auch sie klagen laut SDJ über den Mangel an Nahrung und Wasser. „Jedes Mal, wenn ich das Zelt verlasse, um über ein Ereignis zu berichten, ein Interview zu führen oder etwas zu dokumentieren, weiß ich nicht, ob ich lebend zurückkomme“, sagt die Mitarbeiterin Ahlam laut SDJ. (…)
Die Leitung der AFP schreibt auf X, dass sie die Sorge der Journalistenvereinigung teilt. Laut der Zeitung Libération hat der französische Außenminister Jean-Noël Barrot im Radiosender France Inter erklärt, er habe sich „dieser Frage“ angenommen, und zeigt sich zuversichtlich, dass es möglich sei, in den kommenden Wochen einige Mitarbeiter von Journalisten aus dem Gazastreifen zu bringen. Er fordert laut Libération außerdem, „dass die freie und unabhängige Presse Zugang zu Gaza erhält, um zu zeigen, was dort geschieht, und darüber zu berichten“….“ Beitrag von Markus Reuter vom 22.07.2025 in Netzpolitik
- „Seit die AFP im August 1944 gegründet wurde, haben wir Journalisten in Konflikten verloren, wir hatten Verwundete und Gefangene in unseren Reihen, aber keiner von uns kann sich daran erinnern, einen Kollaborateur verhungern gesehen zu haben.
Wir weigern uns, sie sterben zu sehen.“ franz. Post von La SDJ de l’AFP vom 21. Juli 2925 auf exTwitter
- „Die Direktion von AFP teilt die von der SDJ zum Ausdruck gebrachte Angst über die entsetzliche Situation ihrer Mitarbeiter im Gazastreifen. Seit Monaten müssen wir ohnmächtig mit ansehen, wie sich ihre Lebensbedingungen dramatisch verschlechtern. Ihre Situation ist heute unhaltbar, trotz ihres Mutes, ihres beruflichen Engagements und ihrer beispielhaften Resilienz. Aus diesem Grund unternimmt die AFP, der es nach monatelangen Bemühungen gelungen war, ihre acht Angestellten und deren Familien zwischen Januar und April 2024 aus Gaza zu evakuieren, die gleichen Schritte für ihre freien Mitarbeiter, trotz der extremen Schwierigkeiten, ein Gebiet zu verlassen, das einer strengen Blockade unterliegt…“ franz. Post von Agence France-Presse vom 21. Juli 2025 auf bsky

- Stimmen aus Gaza: Palästinensische Journalisten berichten aus Gaza inmitten einer Hungersnot
„Während Gaza vor einer humanitären Katastrophe steht, gehören palästinensische Journalisten zu denen, die hungern müssen. Abgeschnitten von Lebensmitteln, Hilfsgütern und der Unterstützung durch die internationale Presse berichten sie weiterhin nicht nur über den Krieg, sondern auch über ihre eigene Unterernährung.
„Palästinensische Journalisten sind die letzten Zeugen vor Ort“, sagte CPJ-Regionaldirektorin Sara Qudah. „Ihre Berichterstattung ist lebenswichtig, und ihr Leiden ist kein Kollateralschaden, sondern Teil einer gezielten Taktik: die Presse auszuhungern, die Wahrheit zum Schweigen zu bringen.“ Obwohl sie ihre Häuser, Familienangehörigen, Freunde, Büros und Kollegen verloren haben, berichten die Journalisten aus Gaza mutig weiter über einen Krieg, der ihnen alles nimmt, einschließlich ihrer Fähigkeit zu essen, zu schlafen und Zeugnis abzulegen.
In der Videoserie des CPJ beschreiben Journalisten aus Gaza den enormen Druck, dem sie bei ihrer Berichterstattung aus Gaza ausgesetzt sind, wo die Pressevertreter unter Beschuss stehen und Hunger leiden. Das CPJ fordert die Staats- und Regierungschefs weltweit auf, unverzüglich zu handeln: Sie müssen die palästinensische Presse schützen, Rechenschaftspflicht gewährleisten, internationalen Medien Zugang gewähren und den Journalisten endlich Essen und Ruhe ermöglichen…“ engl. Meldung vom 22.7.2025 bei CPJ
mit Video (maschinenübersetzt) - Israel: Stop starving Gazan journalists to silence the truth
engl. Protest vom 22.7.2025 von EFJ
- Journalistenvereinigung warnt: Die letzten Reporter in Gaza drohen zu verhungern
- Im Westjordanland greifen radikale israelische Siedler zwei Journalist*innen der Deutschen Welle an – DW: „Israel muss Sicherheit von Journalisten gewährleisten“
- Attacke auf Deutsche Welle bei Ramallah: Sender im Steinhagel
„Im Westjordanland greifen radikale israelische Siedler zwei Journalist*innen der Deutschen Welle an – kein Einzelfall in den besetzten Gebieten.
Die beiden Journalist*innen der Deutschen Welle waren laut dem Sender nach Sindschil gefahren, nördlich von Ramallah, um über einen geplanten Protest gegen israelische Siedlergewalt zu berichten. Am Ende soll ebendiese Gewalt sie persönlich getroffen haben – der jüngste Vorfall einer langen Chronik der Gewalt im palästinensischen Westjordanland, die seit dem 7. Oktober 2023 zunimmt.
Am Freitag sollen eine Korrespondentin aus dem Jerusalemer Büro des Senders und ein Kameramann dort mit großen Steinen beworfen und verfolgt worden sein. Beide seien mit Pressewesten klar als Journalist*innen zu erkennen gewesen sein, so die Deutsche Welle in einem Statement. Sie hätten sich unverletzt in Sicherheit bringen können, doch das Auto des Kameramanns sei stark beschädigt worden, ein Fenster sei zersplittert, das Blech verbeult worden. Auch weitere Journalist*innen internationaler Medien wie AFP, New York Times oder Washington Post seien anwesend gewesen und hätten unter einem Steinhagel fliehen müssen…“ Artikel von Nicholas Potter vom 6.7.2025 in der taz online
- DW: „Israel muss Sicherheit von Journalisten gewährleisten“
„Am 4. Juli wurden eine DW-Korrespondentin sowie ein Kameramann der DW nördlich von Ramallah, im Rahmen eines Angriffs auf das Dorf Sinjil, von israelischen Siedlern mit großen Steinen beworfen und verfolgt.
Sie konnten sich körperlich unverletzt in Sicherheit bringen, das Auto des Kameramanns wurde stark beschädigt: eine Scheibe zersplitterte und das Blech wurde beschädigt.
DW-Intendant Peter Limbourg: „Die DW verurteilt diesen Angriff auf unsere Kollegen, die für die Berichterstattung über einen geplanten Protest gegen Siedlergewalt nach Sinjil gefahren sind. Wir sind erleichtert, dass sie bei dem Angriff nicht körperlich verletzt wurden und sich in Sicherheit bringen konnten. Dieser Angriff ist durch nichts zu rechtfertigen, und wir fordern ganz klar: Die israelische Regierung muss die Sicherheit aller Journalistinnen und Journalisten im Westjordanland gewährleisten. Die Pressefreiheit – und damit die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten – ist die unverzichtbare Säule jeder Demokratie.“…“ Pressemitteilung vom 5. Juli 2025
- Attacke auf Deutsche Welle bei Ramallah: Sender im Steinhagel
- Ich war einst Journalistin in Gaza – jetzt bin ich Flüchtling in Ägypten.
„Da mir das Recht auf meine Arbeit verweigert wurde, bin ich von der Berichterstattung an der Front des israelischen Militäreinsatzes zum Kampf ums Überleben im Exil übergegangen.
In einer ruhigen Ecke einer Wohnung in Kairo sitzen palästinensische Journalisten vor einem leeren Bildschirm. Noch vor wenigen Monaten berichteten sie aus dem Herzen Gazas – sie dokumentierten Luftangriffe, interviewten Überlebende und veröffentlichten Artikel, die weltweit Schlagzeilen machten.
Heute sind sie arbeitslos, ungehört und im Exil.
Mehr als 250 Journalisten aus Gaza leben nach ihrer Flucht vor der israelischen Militärkampagne, die im Oktober 2023 begann, in Ägypten, so die Zahlen des Palästinensischen Journalistenverbands, der mittlerweile in Kairo vertreten ist. Andere haben den Gazastreifen seit Beginn des sogenannten Völkermords verlassen und sind in Länder wie Oman, Katar, die Türkei und Kanada ausgewandert. Einst an vorderster Front der Kriegsberichterstattung, befinden sich diese Journalisten nun in einer Krise anderer Art – einer Krise, die geprägt ist von Schweigen, rechtlicher Ungewissheit und beruflicher Ausblendung…“ engl. Artikel von Youmna El Sayed vom 18.6.2025 in Index on Censorship
(maschinenübersetzt) - Frankreich: Hunderte von Journalist:innen und Medienorganisationen fordern die Freilassung des Journalisten Yanis Mhamdi, willkürlich in Israel inhaftiert
„Yanis Mhamdi, der am 8. Juni von israelischen Streitkräften in internationalen Gewässern vor Gaza gestoppt wurde, ist immer noch im Gefängnis. Der Journalist von Blast war an Bord des Schiffes Madleen, um zu berichten, mit seinem Kollegen aus Al Jazeera Omar Faiad, der am 11. Juni aus Israel ausgewiesen wurde, die Reise der Freedom Flotilla-Militanten, um die von Israel verhängte humanitäre Blockade im Gazastreifen zu brechen. Reporter ohne Grenzen (RSF) prangern zusammen mit Blast diese willkürliche, ungerechtfertigte und illegale Verhaftung durch Israel an. Wir prangern auch den bisherigen Konkurs der französischen Behörden an, den französischen Journalisten freizulassen und sie aufzufordern, alles zu tun, um so schnell wie möglich nach Frankreich zurückzukehren. Wir fordern die sofortige Freilassung von Yanis Mhamdi…“ franz. Meldung und offener Brief bei Reporters sans frontières
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Source: labournet.de