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Automatisierung in der Logistikbranche am Beispiel Amazon

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Dossier

"We are no robots" - UNI bei Amazon„Forscher der TU Berlin haben mit ihrem Roboter die „Picking Challenge“ des Onlinehändlers Amazon gewonnen. Was der Wettbewerb für die Zukunft des Online-Riesen und seine Angestellten bedeutet. (…) Mit dem Wettbewerb verfolgt der Online-Händler ein ganz konkretes Ziel: Die möglichst vollständige Automatisierung seiner Logistik. Will Amazon mit der steigenden Zahl der Bestellungen und den wachsenden Anforderungen der Kunden mithalten, muss es die Abläufe in den Logistikzentren effizienter machen. Noch verfeinert der Konzern dazu vor allem das Einlagerungssystem und optimiert den Einsatz der Mitarbeiter – so weit, dass sich manche von ihnen schon als „Roboter“ fühlen…“ Artikel von Andreas Menn und Stephan Happel vom 29. Mai 2015 in der Wirtschaftswoche online externer Link („Amazon: Roboter verändern die Zukunft des Onlinehandels“). Siehe dazu:

  • Nach 21 Jahren: Amazon schließt „Mechanical Turk“ – betroffen wohl weltweit Hunderttausende Clickworker
    „Auf „Mechanical Turk“ kann man Menschen dafür bezahlen, dass sie beispielsweise massenhaft Fotos klassifizieren. Nach mehr als zwei Jahrzehnten ist nun Schluss.
    Nach fast 21 Jahren schließt Amazon die Plattform „Mechanical Turk“, auf der Menschen für Arbeiten bezahlt werden konnten, mit denen Computer lange überfordert waren oder für die Algorithmen zu lange brauchten. Das hat der US-Konzern auf der zugehörigen Internetseite externer Link publik gemacht. Dort heißt es, dass der Dienst am 30. September endgültig geschlossen wird. Als Begründung wird lediglich darauf verwiesen, dass Programme, Werkzeuge und Dienste regelmäßig überprüft würden, um „Anpassungen“ vorzunehmen. CNBC zitiert eine Expertin mit der Einschätzung, dass sich der Dienst schon lange im Niedergang befunden hat, zuletzt vor dem Hintergrund der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI-Modellen. Seit Juli wurden keine Neukunden mehr akzeptiert. (…)
    Zwischenzeitlich haben mehr als 500.000 Menschen auf MTurk ihre Dienste angeboten, schreibt CNBC externer Link. Je mehr Aufgaben dann doch KI-Modelle übernehmen konnten, desto weniger Ressourcen habe Amazon in die Weiterentwicklung gesteckt. In der Folge seien viele zu anderen Plattformen gewechselt, die ähnliche Dienste anbieten. Trotzdem gebe es noch immer Menschen, die in Vollzeit ihr Geld auf „Mechanical Turk“ verdienen, zitiert CNBC die Expertin: „Die machen sich jetzt Sorgen.“ Artikel von Martin Holland vom 26.08.2026 in heise news externer Link („Nach 21 Jahren: Amazon schließt „Mechanical Turk““)

    • Griff nach mehr Kontrolle: Amazon schaltet Mechanical Turk ab New
      „Datenarbeit: Nach 21 Jahren wird die Plattform Amazon Mechanical Turk eingestellt. Das heißt nicht, dass die menschliche Arbeit hinter der KI überflüssig wird (…)
      Auf einen kurzen Dank für die »Mitgestaltung der Crowdsourcing-Welt« folgte die Aufforderung, die eigenen Zahlungsdaten bis zum Stichtag zu aktualisieren, da Auszahlungen nur noch bis Ende Oktober abgewickelt würden. Ein Statement von Amazon-Chef Jeff Bezos gibt es bislang nicht.
      Die Abwicklung der größten Plattform für Datenarbeit und für menschliche Evaluierung von KI-Systemen trifft Hunderttausende Datenarbeiter in aller Welt, die trotz der schlechten Arbeitsbedingungen beinahe vollständig von Amazon Mechanical Turk abhängig sind. Der Missstand der Scheinselbständigkeit war wohlbekannt, wurde aber aufgrund der globalen Struktur der Plattform zugunsten der Auftraggeber toleriert, denen dadurch weitreichende Kontrolle über die Höhe und Auszahlung der Vergütung zukam. Camilla Salim Wagner, Forscherin beim Distributed AI Research Institute, berichtete vergangene Woche auf Nachfrage von junge Welt, dass sich die Datenarbeiter nicht nur Erfahrung, sondern auch Nutzerprofile erarbeitet haben, wobei »gute Quoten oft Zugang zu besser bezahlten Tasks ermöglichten«. »Wenn hier jetzt die Accounts geschlossen werden, müssen das viele der Arbeiterinnen und Arbeiter von null neu aufbauen«, sagte sie. Das zerschlage außerdem die Netzwerke und gegenseitigen Hilfsangebote der Beschäftigten. Da viele von ihnen auf andere Crowdsourcing-Plattformen umsiedeln werden, drohe sich die »Überausbeutung von Amazon Mechanical Turk zu wiederholen oder gar zu verschärfen«. (…)
      Angesichts dieses Wettlaufs ist die Schließung von Amazon Mechanical Turk keine rein betriebliche Anpassung an das von Amazon verheißene Wunschdenken, dass KI-Modelle menschliche Datenarbeit bereits überflüssig gemacht hätten. Vielmehr ist es ein Versuch, partielle Kontrolle über den Datenmarkt zu erlangen. »Als Amazon Mechanical Turk eingeführt wurde, wurde es zwar als Produkt angeboten, war jedoch in erster Linie für Amazon konzipiert«, sagte Krystal Kaufmann, eine ehemalige Aktivistin bei Turkopticon, gegenüber jW. »So haben die Datenarbeiterinnen und -arbeiter neben den anonymen Anfragen besonders doppelte Einträge auf amazon.com bereinigt und Bilder beschriftet, die für die Entwicklung von ›intelligenten Produkten‹ wie Alexa verwendet wurden«.
      Nach Kaufmanns Einschätzung ist der ausschlaggebende Grund für die Schließung, dass Amazon »den Dienstleister einfach nicht mehr benötigt« und der Konkurrenz, die ihrerseits auf der Plattform Aufträge vergeben hat, den Zugang zu qualitativ hochwertigen erschweren will. Und: Amazon hat Alternativen. Amazon Mechanical Turk werde zwar eingestellt, aber der Konzern bleibe über Dienste wie AWS Data Exchange, ein Marktplatz für Datensätze von Drittanbietern, und die Amazon Marketing Cloud in zentrale Infrastrukturen des Datenökosystems eingebunden. Hinzu komme, so Kaufmann, dass sich die Anforderungen an die Datenarbeit in den letzten Jahren »über die einfache Kennzeichnung hinaus« zu einer »immer weitreichenderen Spezialisierung« der Arbeiter entwickelt habe, was die Kosten für die Arbeitskraft erhöht hat. Wegen der nun noch umfassenderen Kontrolle könnte Amazon seine Dienste dabei überproportional verteuert anbieten
      …“ Artikel von Laurenz Sachenbacher in der jungen Welt vom 29.09.2026 externer Link
  • Ausbeutung bei Amazon: Flexibel in die Armut
    „Neue Formen der Tagelöhnerei: Unter dem Vorwand der Modernisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt treibt Amazon den Abbau der Rechte von Beschäftigten voran
    Seit den 1990er Jahren lagern viele große Unternehmen wachsende Teile ihrer Arbeit an Fremdunternehmen mit geringeren Lohnkosten aus, was als »Outsourcing« bekannt ist. Amazon spitzte diese verstärkte Form der Ausbeutung weiter zu und verlagerte Teile seiner Entwicklungskosten online an einen Schwarm (»Crowdsourcing«) von Subunternehmen in Niedriglohnländern, selbstausbeuterische Startup-Unternehmen und selbst an freiwillige, völlig unbezahlte private Internetnutzer. Das gelang Amazon mit einer Plattform namens »Mechanical Turk« (M-Turk). Diese wurde als Entwicklungsplattform zur Abarbeitung von »Human Intelligence Tasks« (HITs, Programmieraufgaben) Ende 2005 ins Leben gerufen und erfreute sich innerhalb kürzester Zeit einer rasch ansteigenden Beachtung in der Entwicklerszene.¹ Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erledigen nicht etwa Maschinen die Aufgaben von Menschen, sondern Menschen arbeiten ihnen von Computern gestellte Aufgaben ab.² Amazon führte so eine digitale Tagelöhnerei ein und kombinierte finsterste Arbeitsbedingungen mit elektronischer Komplettüberwachung. Amazon verkauft online Mikrojobs für Cent-Beträge. Das bedeutet Arbeit auf Zuruf, für Hungerlohn, auf eigenes Risiko und ohne jegliche soziale Absicherung. Einen großen Teil seiner digitalen Tagelöhner, die sich selbst als »Turker« bezeichnen, setzt Amazon in der Eigenwerbung und Marktmanipulation ein (…) Neben der digitalen kehrte mit Amazon »Flex« auch die altbekannte Tagelöhnerei im Bereich der Paketdienste zurück. Die miesen Arbeitsverhältnisse werden von der Unternehmerseite als »Gig-Economy« beschönigt (…) Die Vermarktung dieser Scheinselbständigkeit als Flexibilität⁵ verschleiert, dass ihre Freiheit vor allem eine Freiheit von Absicherungen ist, die in regulären Beschäftigungsverhältnissen erkämpft und gesetzlich verankert worden sind: Kündigungsschutz, gesetzlicher Urlaub, Beiträge der Unternehmerseite zu Sozial- und Krankenversicherungen usw. Auch fallen den Lieferpartnerinnen und Lieferpartnern jede Menge Kosten an. (…) Anders verläuft die Prekarisierung der Arbeit über die Amazon-Lagerhäuser. Die überwältigende Mehrheit der rund 840.000 direkt bei Amazon beschäftigten Arbeiterinnen und Arbeiter übt eine schablonenhafte, monotone Tätigkeit aus und erhält die niedrigsten gesetzlich zulässigen sozialen Sicherheiten. Sie haben oftmals keinen Kündigungsschutz, entgrenzte Arbeitszeiten, extrem prekäre Bedingungen am Arbeitsplatz und keinerlei Betriebsräte oder gewerkschaftliche Mitbestimmung. (…) Bei den extrem prekären Stundenlöhnen und den immer wieder geschilderten verheerenden Arbeitsbedingungen sollen freie Getränke (Wasser, Kaffee, Tee) und erfolgsabhängige Prämien locken. Die Prämien im Falle »entsprechender Zielerreichung« bedeuten nichts anderes als Akkordarbeit. (…)Angriffe auf die psychische Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter und die Untergrabung ihrer gewerkschaftlichen Betätigung gehören zu den Grundlagen des Erfolgs und zum Kern der Strategie von Amazon. Seine Logistikzentren baut Amazon gezielt an Orten mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit, um so den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen. Kolleginnen und Kollegen berichten außerdem von einem Klima der Denunziation und der totalen Überwachung…“ Ausschnitt des Dossiers von Niklas Hoves als Vorabdruck in der jungen Welt vom 21.12.2020 externer Link

  • Kiva, Fetch und Freight. Die Automatisierung in der Logistikbranche schreitet voran. Es geht um Lagerkapazitäten, Kosteneffizienz – und die Zukunft von Beschäftigten
    „Amazon ist immer wieder wegen des Arbeitskampfes der Gewerkschaft ver.di um einen besseren Tarifvertrag in den Schlagzeilen. Auch die Arbeitsbedingungen beim Versandhändler sind oft ein Thema. Der Konzern ist allerdings auch, das hängt durchaus damit zusammen, wegen seiner Politik der Kostensenkung durch Automatisierung bekannt. Das klappt nicht immer und überall so, wie Amazon sich das wünscht. Aber die Entwicklung ist unaufhaltsam, welche Folgen das für die Beschäftigten hat, wird man sehen müssen…“ Artikel von Vincent Körner vom 30.05.2015 in Neues Deutschalnd online externer Link. Aus dem Text: „… Der Konzern sagt, es sei bisher kein Mitarbeiter wegen des Einsatzes von Robotern entlassen worden – die komplizierten Aufgaben könnten die maschinellen Kollegen nicht. Noch nicht, wie man mit Blick auf die »Picking Challenge« und Neuentwicklungen wie Fetch und Freight sagen könnte. In der Branche werde geschätzt, dass Roboter potenziell 25.000 menschliche Beschäftigte ersetzen könnten…“
  • Sie nennen es Freizeit
    „Vor zehn Jahren hat Amazon mit seiner Plattform Mechanical Turk eine neue Dynamik der Ausbeutung eingeleitet. Organisierter Widerstand kommt erst allmählich ins Rollen…“ Artikel von Thomas Wagner in junge Welt vom 26.05.2015 externer Link. Aus dem Text: „… Der weltweit agierende Versandhandelskonzern stellte 2005 eine ganz besondere Website ins Netz. Sie heißt Mechanical Turk und sollte Amazon beim Handel mit CDs unterstützen. Da die damaligen Computer noch nicht in der Lage waren, die Produktangaben hinreichend effizient zu überprüfen, wurde menschliche Arbeitskraft als »Artificial Artificial Intelligence« (künstliche künstliche Intelligenz) eingesetzt. Daraus entwickelte sich eine Arbeitsplattform für solche Kleinjobs, sogenannte Human Intelligence Tasks (HIT), die nicht von Rechnern übernommen werden können. Die auf der mittlerweile etablierten Plattformen wie Mechanical Turk oder Clickworker vollzogene Art von Arbeitsvermittlung wird als Crowdsourcing bezeichnet. Arbeiter, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt bestreiten, nennen sich selbst Turker. Allein bei Amazon sollen es heute 500.000 Menschen aus 190 Ländern sein. Wer die angebotenen Microtasks übernimmt, löscht Pornofotos aus Bilddatenbanken, tippt Visitenkarten ab, testet Internetseiten oder übernimmt überschaubare Programmieraufgaben…“
  • Crowdwork: Wie sich Klickarbeiter organisieren
    „Die Amazon-Plattform „Mechanical Turk“ ist das prominenteste Beispiel für Crowdwork. Das einzige ist es nicht. Auch in Deutschland verdienen Hunderttausende ihr Geld auf Plattformen im Netz. Ein Buch bringt jetzt die Debatte voran…“ Artikel von Jeannette Goddar im Magazin Mitbestimmung Ausgabe 12/2014 der HBS externer Link

Siehe auch:

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Source: labournet.de