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Editorial · Kommando 161 · · 2h

Sachsen-Anhalt wählte die Partei, deren eigener Verfassungsschutz rechtsextremistisch nennt

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Am 6. September bescherte Sachsen-Anhalt der AfD 43,8 Prozent der Stimmen – das beste Ergebnis, das eine Partei im Land seit der Wiedervereinigung erzielt hat, und das beste, das eine AfD-Landesgruppe jemals in Deutschland erzielt hat. Die CDU brach auf 17,2 Prozent ein, ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt. 39 von 83 Sitzen gingen an eine Partei, die der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalts seit November 2023 als „gesicherte rechtsextremistische Bestrebung“ einstuft – eine bestätigte rechtsextremistische Bestrebung, kein Verdacht, sondern eine Feststellung.

Diese Klassifizierung ist keine rhetorische Floskel. Der Inlandsgeheimdienst des Landes hat es jahrelang dokumentiert: Beamte der AfD Sachsen-Anhalt bezeichnen Migranten als „Invasoren“ und „kulturfremde Versorgungsmigranten“, brandmarken deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund als „Passdeutsche“ und propagieren einen ethnopluralistischen Volksbegriff, der den menschlichen Wert nach Abstammung sortiert – ein direkter Angriff auf Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde garantiert. Ein AfD-Kreisverband in Wittenberg hat offen zu einem Militärputsch aufgerufen. Nichts davon hielt 576.000 Menschen davon ab, dafür zu stimmen. Wenn überhaupt, hat es vielleicht geholfen: Die Kernbotschaft der Partei ist, dass die Institutionen Deutschlands bereits illegitim sind, sodass ein staatlicher Aufseher, der sie als extremistisch bezeichnet, nur die Geschichte bestätigt, die sie ihren eigenen Wählern erzählt.

Die Zahlen dahinter tauchten nicht über Nacht auf. Die eigene Bilanz des Verfassungsschutzes zum rechtsextremistischen Personenpotenzial in Sachsen-Anhalt ist im Gleichschritt mit dem Aufstieg der AfD gestiegen: 1.270 Personen im Jahr 2022, 3.350 im Jahr 2023 – dem Jahr der Klassifizierung – und rund 5.100 im Jahr 2025, ein Anstieg um 27,5 Prozent allein im letzten Jahr. Die Agentur beschreibt keine isolierte Randverhärtung. Darin wird beschrieben, dass die Mitgliederzahl und die Infrastruktur der AfD Jahr für Jahr pauschal in der Kategorie „extremistisch“ aufgehen, während die Partei gleichzeitig die stärkste Einzelkraft in einem Landesparlament wird.

Die liberale Antwort darauf war zahnloser Lärm: Warnungen, Pressekonferenzen, Verfassungsschutzberichte, die niemand außerhalb der Kommentarbereiche liest, und eine „Firewall“, die Wagenknechts BSW bereits anbietet, um der AfD beim Überwinden zu helfen – ihr Spitzenkandidat sagte offen, es gebe „Schnittmengen“, Überschneidungen, die es zu erkunden lohne. Unterdessen löste sich der Jugendflügel der AfD im März 2025 auf dem Papier auf, um sich personell und politisch intakt zu rekonstituieren, als „Generation Deutschland“ Monate später mit einer Niederlassung in Sachsen-Anhalt im Januar 2026 in Burg auftrat. Institutionelle Verbote und Einstufungen, die keine materiellen Konsequenzen nach sich ziehen – keine ausreichend tiefgreifenden Mittelkürzungen, kein Organisationsverbot, keine tatsächliche Störung der Infrastruktur – sind Theater. Die Zehntausenden, die nach der Wahl in mehr als 35 Städten gegen die AfD demonstrierten, verstehen, was der Staatsapparat immer noch nicht in die Tat umsetzt: Ein Feuer beim Namen zu nennen bedeutet nicht, es zu löschen.

Was Sachsen-Anhalt deutlich zeigt, ist, dass „extremistisch“ als bürokratische Bezeichnung mit dem Regieren vereinbar geworden ist. Das sollte jeden in Angst und Schrecken versetzen, der meinte, die Einstufung durch den Verfassungsschutz funktioniere als Rückhalt. Das ist nicht der Fall. Es ist eine Papierwand. Der eigentliche Schutzwall wurde immer von Menschen auf der Straße, in Gewerkschaften, in Mieter- und Migranten-Solidaritätsnetzwerken errichtet – und nicht durch den Jahresbericht eines Geheimdienstes. Sachsen-Anhalt hat gerade bewiesen, dass die Papierversion bereits gescheitert ist.

Quellen

Zeit: Sachsen-Anhalts Verfassungsschutz warnt erneut vor Rechtsextremismus

Innenministerium Sachsen-Anhalt: Rechtsextremismus / AfD Landesverband

MDR: So viele Extremisten in Sachsen-Anhalt wie noch nie

Deutschlandfunk: Landtagswahl Sachsen-Anhalt Ergebnis

Wikipedia: Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026

Rechtsextremistisches Personenpotenzial in Parteien, Sachsen-Anhalt 0 2.500 5.100 2022 2023 2024 (geschätzt) 2025 1.270 3.350 5.100
Quelle: Sachsen-Anhalt Verfassungsschutzberichte 2023 & 2025 (über MDR, Zeit) – parteinahes rechtsextremes Personal, überwiegend getrieben durch die Einstufung des AfD-Landesverbandes als bestätigt extremistisch seit November 2023. Die Zahl für 2024 wurde aus dem gemeldeten Anstieg von 27,5 % im Vergleich zum Vorjahr auf 5.100 im Jahr 2025 interpoliert.

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Source: Kommando 161