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Manche haben’s gut
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Platzhalter für teure Wohnungen. Das 1990 besetzte Kunsthaus »Tacheles« in Berlin-Mitte im Jahr 1995
Platzhalter für teure Wohnungen. Das 1990 besetzte Kunsthaus »Tacheles« in Berlin-Mitte im Jahr 1995
Es dürfte der bekannteste Claim im deutschen Stadtmarketing sein: als »arm aber sexy« beschrieb 2003 der damalige Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), die Hauptstadt. Tatsächlich darbte die Stadt wirtschaftlich. Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik 1990 hatte sich auf Berlin doppelt negativ ausgewirkt: Im Ostteil war die Industrie der DDR zusammengebrochen, da sie nach der Währungsunion und dem Verlust der Märkte in Osteuropa nicht mehr konkurrenzfähig war. Und der Westteil verlor jene Subventionen, die er als Exklave des Westens erhalten hatte.
Die Folge waren hohe Arbeitslosigkeit (2003 lag sie bei 18,7 Prozent ), eine zeitweise schrumpfende Bevölkerung (erst 2011 übertraf die Einwohnerzahl mit 3,5 Millionen den Stand von 1993) und eine steigende Verschuldung. Zudem erschütterte 2001 ein Bankenskandal die Stadt. Hochrangige Politiker der Berliner CDU hatten ein Konglomerat verschiedener Banken unter Einschluss der Landesbank Berlin gebildet, das sich in riskanten Finanz- und Immobiliengeschäften betätigte. Das Ergebnis waren Schulden in Milliardenhöhe, die am Land Berlin hängenblieben.
Der Zusammenbruch der Industrie, der Immobilienleerstand und niedrige Mieten schufen in Berlin Räume für Subkulturen, die sich teilweise für die Kreativwirtschaft kommerzialisieren ließen.
Die Krise eröffnete aber auch Chancen. Der Zusammenbruch der Industrie, der Immobilienleerstand und niedrige Mieten schufen Räume für Subkulturen. Die machten die Stadt für den Tourismus interessant und ließen sich teilweise für die Kreativwirtschaft kommerzialisieren. Auf diese Situation spielte Wowereit mit seiner Bemerkung an. Außerhalb Berlins, insbesondere in Südwestdeutschland, prägte das ein Bild der Stadt, wonach in Berlin eher gefeiert als gearbeitet würde, und zwar auf Kosten südwestdeutscher Steuerzahler.
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Source: jungle.world