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Im Namen des Vaters

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Die frisch vereidigte peruanische Präsidentin Keiko Fujimori bei der Mitlitärparade zum 250. Unanhängigkeitstag des Landes in Lima, 29. Juli 2026.

Die frisch vereidigte peruanische Präsidentin Keiko Fujimori bei der Mitlitärparade zum 250. Unanhängigkeitstag des Landes in Lima, 29. Juli 2026.

Keiko Fujimori ist hartnäckig. Bei drei aufeinanderfolgenden Präsidentschaftswahlen in Peru schaffte sie es in die Stichwahl, unterlag dann aber dem jeweiligen männlichen Gegenkandidaten. 2011 hieß er Ollanta Humala, ihm folgte 2016 Pedro Pablo Kuczynski und 2021 war es schließlich der Dorflehrer Pedro Castillo, der bei der Präsidentschaftswahl einen knappen Sieg errang. Nun hat Keiko Fujimori es im vierten Anlauf geschafft. Am 28. Juli wurde sie vereidigt und durfte dort einziehen, wo sie mit ihrem Vater Alberto Fujimori in den Neunzigern schon einmal lebte: im Palacio de Pizarro, dem Präsidentenpalast in der Altstadt von Lima.

In den zurückliegenden zehn Jahren war Keiko Fujimori bereits eine der einflussreichsten Abgeordneten im peruanischen Kongress, wo sie als Vorsitzende mit ihrer Partei Fuerza Popular lange die Mehrheit kontrollierte oder eine Mehrheitskoalition anführte. »Daher wird sich gar nicht so viel ändern«, vermutet Carlos Herz, ein Soziologe aus Lima. Er kennt den Süden Perus besonders gut und weiß um die Unzufriedenheit, die Fujimoris Wahlsieg dort ausgelöst hat.

Unter Alberto Fujimori wurden im Zuge eines rassistischen Programms zur Bekämpfung von Armut 325.000 Menschen zwangssterilisiert.

Denn in 16 von 24 Departamentos, den Verwaltungsbezirken des Landes, hatte Fujimoris Kontrahent, der linke Roberto Sánchez, gewonnen. Die meisten dieser 16 Departamentos liegen im ländlich geprägten Süden, darunter Puno, Cusco oder Arequipa. Dort ist die Ablehnung Fujimoris besonders groß. Kein Wunder, denn dem zwanzigjährigen schmutzigen Bürgerkrieg mit zahl­reichen Massakern an der Zivilbevölkerung fielen überproportional viele Landbewohner zum Opfer, und im zweiten Jahrzehnt des Kriegs, von 1990 bis 2000, regierte Alberto Fujimori. Unter Alberto Fujimori wurden außerdem im Zuge eines rassistischen Programms zur Bekämpfung von Armut 325.000 Menschen zwangssterilisiert – die große Mehrheit von ihnen quechuasprachige Frauen, nicht we­nige von ihnen Analphabetinnen.

»Für die Opfer des Bürgerkriegs und für die Zwangssterilisierten ist ihre Wahl eine schlechte Nachricht«, glaubt die Rechtsanwältin Ana María Vidal. Sie vertritt mehrere Mandantinnen und Mandanten in dieser Sache und fürchtet, dass die neue Regierung Druck auf die Justiz ausüben könnte, zu Ungunsten der Klägerinnen zu entscheiden.

María Elena Carbajal ist die Vorsitzende der Sektion Lima und Callao der Vereinigung der von Sterilisation betroffenen peruanischen Frauen. Im Ortsverband sind mehr als 300 zwangssterilisierte Frauen und auch 22 Männer organisiert, die für eine offizielle Entschu­ldigung und Wiedergutmachung streiten – bisher weitgehend erfolglos, trotz der Unterstützung durch internationale Organisationen wie den Vereinten Nationen oder dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte. Mehrfach hat Keiko Fujimori in Erwägung gezogen, aus dem juristischen System der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) auszutreten, berichtet Carbajal. Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (IACHR) hätten dann keine Relevanz mehr für Peru, was die frisch vereidigte Präsidentin begrüßen würde.

Fujimori wollte ihren Vater – bis zu seinem Tod im September 2024 – vor weiteren Verfahren bewahren, aber auch etliche Militärs, die für Menschenrechtsverletzungen im Bürgerkrieg verantwortlich waren. Das sorgt für gute Beziehungen zum Militär und zur Polizei, die in Peru unter Keiko Fujimori so unantastbar werden könnten, wie es bereits ihre Vorgängerin Dina Boluarte (2022–2025) angestrebt hatte. Diese hatte am 13. August 2025 ein Amnestiegesetz unterzeichnet, das umfassende Straffreiheit für staatliche Ordnungskräfte garantiert, die wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt waren.

Zudem ist bereits absehbar, dass der Umweltschutz unter Fujimori weiter geschwächt werden wird. So kündigte die Regierung an, dieses Jahr 240 Projekte zu genehmigen, die der Förderung von Rohstoffen oder der Erkundung von Abbaumöglichkeiten dienen. Auch deshalb blickt María Elena Foronda Farro mit Sorge auf Fujimoris Präsidentschaft. Sie war von 2016 bis 2021 für den linken Frente Amplio Abgeordnete im Kongress und leitet die Umweltorganisation Natura; für ihr ökologisches Engagement hat sie den Goldman-Umweltpreis erhalten.

Foronda berichtet, dass Umweltgutachten unter der neuen Regierung kaum noch nötig sein werden, um Rohstoffe in großem Stil abzubauen und dafür weiter in die Amazonasregion einzudringen. Sie fürchtet, dass Fujimori eine ganze Reihe neuer Gesetze vorantreiben könnte, die Militär und Polizei bei der Durchsetzung der Interessen von Bergbauunternehmen gegen Kleinbauern und die Landbevölkerung zusätzliche Handhaben liefern und in Fällen von Menschenrechtsverletzungen der Militärjustiz zu unterstellen.

Gleichwohl verspricht Fujimori, für mehr sozialen Ausgleich einzutreten und den Mindestlohn anzuheben. Die soziale Ungleichheit ist in keinem lateinamerikanischen Land ausgeprägter als in Peru. 

So war es unter Alberto Fujimori. Das macht Foronda Farro große Sorgen, schließlich ist Peru »ein Land, in dem jedes Jahr Menschen bei Umweltkonflikten sterben«, warnt Foronda Farro.

Gleichwohl verspricht Fujimori, für mehr sozialen Ausgleich einzutreten und den Mindestlohn anzuheben. Die soziale Ungleichheit ist in keinem lateinamerikanischen Land ausgeprägter als in Peru. Das sind neue Töne für die Politikerin, die mehrere Verfahren wegen Korruption hinter sich hat und nicht dafür bekannt ist, etwas für die Armen übrig zu haben.

Die sind in vielen Regionen des Landes vom Klimaphänomen El Niño gebeutelt, dessen Auswirkungen die Landwirtschaft beeinträchtigen. Das Problem wird sich nach Ansicht von Klimawissenschaftlern verstärken. Bei Kaffee macht sich das bereits bemerkbar. »40 bis 50 Prozent weniger haben wir in diesem Jahr geerntet«, sagt Pedro Rodríguez Pariona, der Vorsitzende der Kaffeekooperative ACPC aus der Stadt Pichanaqui im zentralperuanischen tropischen Bergregenwald. Die Region drumherum gehört zu den wichtigen Kaffeeanbauregionen und die Bauern hoffen auf Unterstützung der neuen Regierung. »Es wird sich schnell zeigen, ob Keiko Fujimori auch an Kleinbauern denkt oder nur an große Agrarunternehmen«, meint Rodríguez. Letzteres wäre typisch für die neue Präsidentin, die gute Kontakte zu Großunternehmern im ganzen Land pflegt.

Doch auch das kann sich ändern. Schlagzeilen macht die Regierung in Lima derzeit vor allem durch Uneinigkeit zwischen verschiedenen Ministerien. So will das Justizministerium die Kontrolle über das »Museum der Erinnerung« übernehmen, das die Zeit des Bürgerkriegs dokumentiert und für das bisher das Kulturministeriums zuständig ist. Das ist nur ein Indiz für die Widersprüche innerhalb der neuen Regierung, die viel Personal von den Vorgängerregierungen übernommen hat. Carlos Herz zufolge ist das ein Zeichen dafür, dass in Peru keine tiefgreifenden politischen Neuerungen zu erwarten sind.

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Source: jungle.world