Faultline Faultline Kommando 161

Germany · jungle.world · · 4h

Chronik des Versagens

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»Eine Lösung der größten Flüchtlingskrise seit 1945 hatte der Westen nicht ansatzweise zu bieten« – Karikatur über die Kleinlichkeit der Weltgemeinschaft bei den Hilfen.

»Eine Lösung der größten Flüchtlingskrise seit 1945 hatte der Westen nicht ansatzweise zu bieten« – Karikatur über die Kleinlichkeit der Weltgemeinschaft bei den Hilfen.

Es war an einem frühen Morgen im Februar 2016. Nacht für Nacht setzten syrische Flüchtlinge in völlig überfüllten Schlauchbooten aus der Türkei auf die ostägäischen Inseln über, als mir eine Frau, die ursprünglich aus Aleppo stammte, kurz nach ihrer Ankunft an der Küste von Lesbos sagte: »Ich danke Gott für diese Rettung, aber ich wollte nie aus Syrien weg.« Damit stand sie keineswegs alleine da, ganz im Gegenteil erklärten damals fast alle Flüchtlinge aus Syrien das Gleiche. Und obwohl sie ihre Heimat eigentlich nie verlassen wollten, sondern auf eine bessere, freiere Zukunft in ihrem Land gehofft hatten, waren die Menschen von dort (zusammen mit Flüchtlingen etwa aus Afghanistan, dem Jemen oder dem Kongo) maßgeblich die Ursache dafür, dass die UN 2014 erstmals davon sprachen, man habe es nun mit der größten Flüchtlingskatastrophe seit Ende des Zweiten Weltkrieges zu tun.

Seitdem wiederholt sie diese Feststellung jedes Jahr erneut: In der Tat nämlich übertrifft die Zahl nicht nur syrischer, sondern aller Flüchtlinge weltweit seit diesem Zeitpunkt mit trauriger Monotonie die des jeweiligen Vorjahres und betrug nach Angaben der UN 2026 rund 120 Millionen (2014 waren es noch 60 Millionen). Als die Diktatur Bashar al-Assads gestürzt wurde, waren über dreizehn Millionen Syrerinnen und Syrer entweder Flüchtlinge oder Binnenvertriebene, also in etwa die Hälfe der Bevölkerung Syriens, die vor 2011 in dem Land lebte.

Im April 2012 hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk NHCR gerade einmal 55.000 Syrerinnen und Syrer in den Nachbarländern registriert, eine sehr überschaubare und vergleichsweise leicht zu versorgende Anzahl an Menschen.

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Source: jungle.world