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„Zu schnell, zu groß“: Protestierende in ganz Europa kämpfen gegen den Rechenzentrums-Boom

In London, Amsterdam, Wien und anderen europäischen Städten gingen Aktivist*innen auf die Straße, um gegen Rechenzentren zu protestieren. Die erste europaweite Aktion dieser Art zog auch in Berlin Dem

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In London, Amsterdam, Wien und anderen europäischen Städten gingen Aktivist*innen auf die Straße, um gegen Rechenzentren zu protestieren. Die erste europaweite Aktion dieser Art zog auch in Berlin Demonstrierende an. Rechenzentren prägen weltweit zunehmend die politischen Debatten.


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Protest gegen Rechenzentren in Berlin. – : Press release of the protest

Bei der – so die Veranstalter – ersten Protestaktion gegen Rechenzentren und KI in Berlin versammelten sich 15 bis 20 Aktivist*innen am Freitagnachmittag vor zwei Rechenzentrums-Standorten in Mariendorf. Das Gelände, das sich auf dem Areal eines ehemaligen Gaskraftwerks erstreckt, ist eingezäunt; außer Sicherheitspersonal und Bauarbeitern ist dort kein Leben zu sehen. Auf dem Transparent, das die Protestierenden vor einem fensterlosen Gebäude halten, steht: „Rechenzentren? Nein, danke!“


„Wir fangen hier in Berlin gerade erst an. Das ist der Beginn einer breiteren Bewegung, wie wir sie in den USA gesehen haben“, sagt Caro Weber von der Interventionistischen Linken, Sprecherin der Protestaktion.


An diesem kalten Novembernachmittag tragen die Aktivist*innen handbeschriftete Schilder und Stoffbahnen. Direkt neben ihnen steht ein Polizeifahrzeug. Die kleine Gruppe legt sich mit einer mächtigen Branche an. Die Aktivist*innen, die gegen die KI-Industrie protestieren, nutzen als Symbol ihres Kampfes die greifbare Infrastruktur, die Rechenzentren.


Heute war ursprünglich ein Tag der offenen Tür geplant, an dem die Öffentlichkeit das Rechenzentrum besuchen sollte. Doch der Betreiber sagte die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen ab, so Weber gegenüber netzpolitik.org. „Wir wollen diesen Konzernen, die über enorme Macht verfügen, ein wenig Angst einjagen“, sagt sie.


„Wie eine Blackbox“


„Ich wusste gar nicht, dass es hier ein Rechenzentrum gibt!“, kommentierte ein Passant die Protestaktion. Der eingezäunte Komplex weist keine auffälligen Schilder auf.


Teile der beiden Standorte sind bereits in Betrieb, während andere noch im Bau sind. Nach Fertigstellung soll das Areal mehr als 100 Megawatt (MW) an IT-Kapazität beherbergen, wofür schätzungsweise so viel Strom benötigt wird wie von Zehntausenden Haushalten.

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Die Standorte werden von NTT Data und Virtus betrieben, zwei im Ausland ansässigen multinationalen Konzernen. Beide sind Colocation-Anbieter: Sie vermieten Fläche, Strom und Kühlung an Kunden, die dort ihre eigenen Server unterbringen.

„Diese Rechenzentren sind wie eine Blackbox. Wir wissen nicht, wofür sie genutzt werden. Werden sie zur Erstellung von Deepfakes genutzt? Werden sie zur Verbreitung von Desinformation genutzt? Werden sie für automatisierte Waffensysteme genutzt? Es gibt keinerlei demokratische Kontrolle darüber, wofür Rechenzentren und KI genutzt werden können, und genau das ist unsere Sorge“, sagt Weber gegenüber Netzpolitik.org.


„Solche Proteste sind definitiv notwendig, um mehr demokratische Stimmen zur Kontrolle und Gestaltung der Recheninfrastruktur zu gewinnen“, sagt Fabian Halfer, ein an dem Protest teilnehmender Stadtforscher, gegenüber Netzpolitik.org. „Während meiner Forschung war es schwierig, Informationen über diese energieintensive Infrastruktur zu finden. Man gelangt nur durch umfangreiche forensische Recherchen an Informationen. Es ist ziemlich undurchsichtig, welche tatsächlichen Auswirkungen das hat“, erklärt Halfer.


Ein erster europaweiter Protest


„„Deine Cloud lässt meinen Fluss austrocknen“, „Nicht hier, nirgendwo“ und „Überall Rechenzentren, nirgendwo Demokratie!“ gehören zu den Slogans von Oppositionsgruppen in Spanien, Irland und Frankreich, die an diesem Wochenende an den Aktionstagen teilnehmen. Die Kampagne wird organisiert von https://stopdirtydatacentres.eu/">„Stop Dirty Data Centres“, einer paneuropäischen Koalition aus rund 100 Gruppen aus 15 Ländern.


Große Rechenzentren laufen rund um die Uhr. Sie verbrauchen https://netzpolitik.org/2026/greenpeace-studie-bau-von-riesen-rechenzent... Mengen an Strom und Wasser und belasten damit die natürlichen Ressourcen und die öffentliche Infrastruktur zunehmend. Aktivist*innen sagen, dass lokale Gemeinschaften dabei oft von Entscheidungen ausgeschlossen werden, die ihre Umwelt und ihre Zukunft prägen.


„Heute treten Gemeinschaften in ganz Europa, die sich gegen die Ansiedlung energie‑, wasser- und flächenintensiver Rechenzentren in ihrer Nähe wehren, auf die politische Bühne“, sagte Owen Espley, Koordinator der Koalition „Stop Dirty Data Centres“.


Die Koalition fordert ein sofortiges Moratorium für neue Großprojekte im Bereich Rechenzentren, das heißt eine Pause, bis soziale und ökologische Bedenken ausgeräumt sind. Außerdem fordert sie klare Regeln darüber, ob und unter welchen Bedingungen neue Anlagen gebaut werden dürfen, verbunden mit einer angemessenen Prüfung und einer sinnvollen Beteiligung der Öffentlichkeit.

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Die Aktionstage finden statt, während die EU über einen Vorschlag der Europäischen Kommission zur beschleunigten Genehmigung von Rechenzentren berät.


Gegen die beschleunigte Genehmigung von Hyperscalern


Das vorgeschlagene EU-Gesetz zur Entwicklung von Cloud- und KI-Technologien zielt darauf ab, den Ausbau von Rechenzentren in der gesamten Union zu beschleunigen. Der Plan sieht die Ausweisung von Zonen vor, in denen die Genehmigungsverfahren nicht länger als 12 Monate dauern dürfen. Innerhalb dieser Zonen möchte die Kommission, dass Rechenzentren als „strategische Projekte“ im Sinne einer separaten EU-Verordnung behandelt werden, die Umweltprüfungen beschleunigt.

Die NGO https://corporateeurope.org/en/2026/11/fast-tracking-big-tech-power">„Corporate Europe Observatory“ zählte 367 dokumentierte Lobbytreffen zur Rechenzentrumspolitik, bevor der Vorschlag veröffentlicht wurde.


„Ich habe große Bedenken diesbezüglich. Der derzeitige Engpass bei Rechenzentren ist der Planungsprozess, in dessen Verlauf die Anwohner*innen mitwirken und Einfluss nehmen können. Solche Projekte als strategisch einzustufen und ihre Genehmigungen im Eilverfahren zu erteilen, behindert diesen demokratischen Prozess und macht ihn noch schwerer, als er ohnehin schon ist“, sagte Halfer.


In den USA trug der starke Widerstand gegen den Ausbau von Rechenzentren zu schweren Verlusten für die Republikanische Partei bei den Zwischenwahlen bei, obwohl die Tech-Branche Hunderte Millionen Dollar zur Unterstützung republikanischer Wahlkampagnen ausgegeben hatte. Allein im Juli organisierte die US-Bewegung gegen Rechenzentren rund 140 Proteste in 42 Bundesstaaten. In den vergangenen zwei Jahren hat sie in großem Umfang Moratorien eingesetzt, um Rechenzentrumsprojekte im Wert von Hunderten von Milliarden Dollar zu blockieren.


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webadresse: https://netzpolitik.org/2026/zu-schnell-zu-gross-protestierende-in-ganz-europa-kaempfen-gegen-den-rechenzentrums-boom/Autor/Gruppe: Martin SchwarzbeckThemen: Netactivismfeed-date: Freitag, November 6, 2026 - 19:39
Originally published byde.indymedia
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