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Omas gegen Rechts: „Wir machen weiter. Es gibt keine andere Option.“

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Symbolbild · Norbert Nagel / CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat vielen den Atem verschlagen. Die Omas gegen Rechts in Magdeburg erleben schon seit langem, wie sich die Lage vor Ort aber auch online verschärft hat. Wir haben mit zwei von ihnen über gemeinschaftlichen Widerstand und das Wahlergebnis gesprochen – und wie es aus ihrer Sicht nun weitergeht.


https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/cover-ogr1.jpg" class="attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image" alt="Vier Frauen im Vordergrund tragen Westen mit dem Schriftzug „Omas gegen Rechts“. Vor ihnen eine Demonstration." decoding="async" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/cover-ogr1.jpg 1920w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/cover-ogr1-860x484.jpg 860w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/cover-ogr1-1200x675.jpg 1200w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/cover-ogr1-380x214.jpg 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/cover-ogr1-1536x864.jpg 1536w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" />
Die Omas gegen Rechts in Magdeburg haben am Wahlwochenende Unterstützung aus dem ganzen Bund erhalten. – Alle Rechte vorbehalten: Demo: IMAGO / STEINSIEK.CH, Personen: Omas gegen Rechts

Anlässlich der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt strömten am vergangenen Wochenende Tausende Menschen nach Magdeburg. Mit dabei: Hunderte Omas gegen Rechts, viele von ihnen angereist aus anderen Bundesländern. Sie gehören zu einer der unzähligen Initiativen, die seit Monaten online, auf dem Land und in den Städten für Vielfalt in Sachsen-Anhalt einstehen. Beim Demokratiefestival am Samstag setzten sie gemeinsam ein Zeichen.


Am Sonntagabend steht fest: Die AfD gewinnt die Landtagswahl und wird mit Abstand stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Wie geht man mit einer Bevölkerung um, in der https://wahlergebnisse.sachsen-anhalt.de/wahlen/lt26/erg_land.html?v=178... Prozent der Wahlberechtigten für einen als https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/verfassungsschutz-ext... rechtsextremistisch eingestuften Landesverband stimmen?


Ute und Karin gehören zu den Omas gegen Rechts in Magdeburg. Ute ist gebürtig aus dem Osten, Karin ist 1995 aus Hessen nach Magdeburg zugezogen. Sie sind unter anderem verantwortlich für die Online-Kommunikation der Gruppe. Auf Social Media sammeln sie https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCsterwitz">Flüsterwitze, informieren über Petitionen und begleiten Demonstrationen.


Im Interview erzählen sie, wie Falschinformationen und rechtsradikale Ansichten digitale Räume einnehmen und sich in Wahlergebnissen niederschlagen. Gegen Unwissen und Anfeindungen käme man nur mit dem Gegenteil an, sagen die beiden Aktivistinnen: Indem man Fakten aufzeigt und sich für Gemeinschaft einsetzt. Aus Sicherheitsgründen baten sie uns, nur ihre Vornamen zu nennen.


„Im Moment ist irgendwie alles dunkel“


netzpolitik.org: Wie schauen Sie auf die Ergebnisse der Landtagswahl?


Karin: Ich bin einfach nur entsetzt darüber, das so etwas nochmal möglich ist. Wir haben schon die https://www.zeit.de/schwerpunkte/baseballschlaegerjahre">Baseballschlägerjahre erlebt, als hier die Nazis über die Straßen liefen, alle Glatzen hatten und sich Kampfhunde angeschafft haben. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass eine Gesellschaft wieder so kippen kann. Mein Sohn hat gesagt, er habe seine Heimat verloren.


Der Samstag vor der Wahl war zugleich einer der schönsten Tage, die wir hier je erlebt haben. Wir waren überwältigt von dieser Gemeinschaft, den vielen, vielen Menschen, den Rednern und ihren Beiträgen. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass das Ganze am nächsten Tag so ausgeht.


Ute: So viele Menschen in Magdeburg hatten wir noch nie. Dass 15.000 Menschen auf der Straße waren und für unsere Sache mitgekämpft haben. Im Moment ist irgendwie alles dunkel. Die Erinnerung an diesen Tag ist aber das Licht am Ende des Tunnels. Ich hoffe, dass wir dieses Gemeinschaftsgefühl, das es hier am vergangenen Wochenende gab, retten und irgendwie weitermachen können.


„Diese Menschen leben in einer Parallelwelt“


netzpolitik.org: Was waren Ihre Gedanken nach der ersten Hochrechnung?


Karin: Ich war ungläubig, dass so viele Menschen rechtsextrem wählen. Trotz aller Aufklärungsmöglichkeiten gibt es diese bösartige Grundstimmung anderen Menschen gegenüber. Würde es um einen ökonomischen Bedarf gehen, würden mehr Menschen auf die Straße gehen. Aber wann waren etwa die großen Demonstrationen für Lohnangleichung im Osten? Es geht überhaupt nicht um ihre Bedürfnisse, sondern um Zerstörung, Hass, Vertreibung, Gewaltgedanken.













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Diese Menschen leben in einer Parallelwelt. Es mag natürlich immer ein paar Ausnahmen geben, aber die meisten von ihnen sitzen zu Hause und nähren ihren Hass.


netzpolitik.org: Wie hängt das mit den digitalen Räumen zusammen, wo Menschen sich inzwischen hauptsächlich informieren?


Ute: Das spielt eine ganz große Rolle, weil da die Leute echt für dumm verkauft werden. Da kommt jemand, lallt etwas und darunter steht Professor für sowieso. Das kann der größte Müll sein, aber es muss ja stimmen, wenn darunter Professor steht. Viele nehmen das für bare Münze.


„Was zählt, ist die gefühlte Lebensrealität“


Karin: Das geht so weit, dass sie Falschinformationen ins Netz stellen, etwa https://hateaid.org/rechtsextremismus-und-klima/">zum Klimawandel. Oder dass uns Jugendliche erklären, dass auf Wikipedia nur Lügen stünden. Alles, was zählt, ist die gefühlte Lebensrealität.


Es ist auch unglaublich, mit welcher Inbrunst öffentlich-rechtliche Medien als Lügenvereine abgetan werden. Dass wir seit Jahrzehnten zwar mehr Migration, aber weniger Kriminalität haben, interessiert da nicht. Die bearbeiteten Straftaten haben sich seit 1995 von https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/PolizeilicheKri...über 300.000 Fällen https://polizei.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwa... halbiert.


netzpolitik.org: Warum sind Sie als https://www.instagram.com/omas_gegen_rechts_md/">Omas gegen Rechts Magdeburg auf Social Media aktiv?


Ute: Ich habe diese Accounts eröffnet, als ich zu den Omas gekommen bin. Soziale Medien haben uns sehr geholfen. Wir teilen Beiträge, andere teilen unsere Beiträge. So kommt und bleibt man in Verbindung.


Auf diese Weise erhalten wir auch mal Hilferufe von außerhalb von Magdeburg, etwa aus der Gemeinde Zerbst, die rund 40 Kilometer südöstlich von Magdeburg liegt. Sie wollten dort ein Demokratiefest machen und fragten uns, ob wir nicht dazukommen könnten. Das wäre ohne diese Vernetzung nicht passiert, da wir keine Telefonnummer haben. Wir waren dann da unten und haben sie unterstützt.


„Manchmal gehen auch Freundschaften zu Bruch“


Karin: Natürlich ist es auch unser Ziel, noch den einen oder anderen zu erreichen. Aber man kommt nicht dagegen an, wenn mit KI-generiertem Mist das Internet geflutet wird, auch https://correctiv.org/aktuelles/kuenstliche-intelligenz/2026/07/17/afd-f... AfD macht das. Es gibt eine Flut an Desinformation.


Kaum räumen Menschen diesen Mist beiseite, kommen schon wieder andere mit dem nächsten Quatsch um die Ecke. Das macht man ein paar Mal, aber irgendwann wird das zu anstrengend. Selbst wenn wir mit Menschen sprechen und auf ein Parteiprogramm verweisen, bezeichnen sie es als Lüge oder beschimpfen es einfach als linksgrün versifft. Da bleibt man nur hilflos zurück. Und manchmal gehen auch Freundschaften dabei zu Bruch.


Ute: Je mehr die Leute sich in diesen Blasen bewegen, desto schlimmer wird es. Sie schauen andere Inhalte gar nicht mehr an und setzen lieber Hasskommentare ab.




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Ich habe wirklich Sorge, dass aus diesen Beschimpfungen nun erst recht Taten folgen, weil sich viele nach der Wahl bestätigt fühlen. In Halle wurde vor wenigen Tagen https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-09/halle-demonstration-schu... einen Demonstrationszug geschossen. Es gab nur einen Verletzten, was schlimm genug ist. Es hätte auch anders ausgehen können.


„Man kriegt ungefragt direkt das Mikrofon oder die Kamera ins Gesicht gedrückt“


netzpolitik.org: In der rechten Szene gibt es inzwischen recht viele Influencer. Haben Sie damit schon Erfahrungen gemacht?


Karin: Auf jeden Fall. Einige geben sich nicht zu erkennen, andere kennen wir und riechen wir schon von Weitem. Manche von ihnen legen der Polizei auch Presseausweise vor, https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-02/gefaelschte-presseausweise-ingo... allerdings gefälscht sind. Besonders schlimm ist es, dass sie keinen körperlichen Abstand halten. Man kriegt ungefragt direkt das Mikrofon oder die Kamera ins Gesicht gedrückt. Die verbreiten dann auch so Geschichten, etwa dass wir als Omas gegen Rechts für unser Engagement Geld erhalten.


Ute: Sie fühlen sich in der Gruppe stark, im Pulk. Das macht sie natürlich auch gefährlicher. Wir hatten noch ein Oma-Treffen am Abend vor dem Demokratiefestival, wo mehr als 100 Omas aus ganz Deutschland waren. Auch die haben hier dann negative Erfahrungen gemacht mit Gruppierungen rechter Männer. Die haben Gesten gemacht, so als ob sie den Omas den Hals umdrehen wollten.


„Unser Land ist noch nicht ganz verloren“


netzpolitik.org: Wie schauen Sie als Omas gegen Rechts in Magdeburg jetzt nach vorne?


Karin: Magdeburg war in den vergangen Wochen eine sehr lebendige und aktive Stadt. Am Montag war die Stadt aber erst mal wie tot, wie in einem Schockzustand. Jetzt kommen die Leute langsam wieder raus. Man überlegt sich bei jedem, den man sieht, zu welcher Hälfte er gehört. Das ist schrecklich.


Wir machen weiter. Es gibt keine andere Option für die Menschen, die hier sind. Wir müssen weiter für die da sein, die nicht die AfD gewählt haben. Und darüber aufklären, was jetzt alles passieren wird.


Nach der Wahl ist der Image-Schaden für Sachsen-Anhalt groß. Und die Wahl wird auch wirtschaftliche Folgen haben. Der eine oder andere wird bald merken, dass es weniger Altenzentren und andere soziale Einrichtungen gibt. Und weniger Tourismus. Um das aufzuzeigen, werden wir weiter mit Zahlen und Fakten arbeiten.


Ute: Gleichzeitig ist die Solidarität, die wir nach der Wahl auch online erfahren, fantastisch. Wir erhalten Nachrichten von Menschen, die wir nicht kennen. Sie stehen hinter uns und finden es toll, dass wir weitermachen. Ich denke, unser Land ist noch nicht ganz verloren. An diesem Samstag gibt es https://zeitzumhandeln.org/aktionen/1g06qmgkgux340z">wieder eine Demo in Magdeburg. Wir werden dort sein und zeigen, dass wir weiterhin viele sind.



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webadresse: https://netzpolitik.org/2026/omas-gegen-rechts-wir-machen-weiter-es-gibt-keine-andere-option/Autor/Gruppe: Rika BaackThemen: Netactivismfeed-date: Freitag, September 11, 2026 - 18:42

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