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„Krach gegen Nazis“ – Der jüngste Wahlbetrug der Berliner Sozialdemokraten
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20. September 2026Facebook-Symbol [Foto von Philipp Schroeder / CC BY-SA 4.0]Im Vorfeld der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wurden Korruptionsvorwürfe gegen den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten (SPD), Steffen Krach, erhoben. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen den Politiker wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen sowie in einem weiteren Verfahren wegen wettbewerbswidriger Absprachen bei Ausschreibungen, der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen und einer Verletzung der Verschwiegenheitspflicht nach dem GmbHG. Am 9. September fanden Durchsuchungen in Krachs Wohnung im Berliner Bezirk Schöneberg, der SPD-Landeszentrale im Wedding, sowie in Krachs ehemaligem Arbeitsplatz in Hannover statt, wo er als Regierungspräsident tätig war.
Krach bestreitet alle Vorwürfe. In einem TV-Interview kurz nach den Durchsuchungen erklärte er, dass es sich möglicherweise um eine Parteispende an die SPD aus der Region Hannover handeln könnte, die von einem Unternehmen getätigt worden sei, das gleichzeitig an einer öffentlichen Ausschreibung im Gesundheitswesen teilnahm. Laut Krachs Darstellung ordnete er am Tag nach Bekanntwerden dieser Spende im Januar 2026 umgehend die Rückerstattung an. Er sagte, er habe die Landeszentrale gebeten, ihm Einzelheiten zu Spenden aus der Region Hannover persönlich vorzulegen, weil er befürchtete, dass eine gezielte Spende dazu dienen könnte, ihn als korrupt darzustellen.
Ob es sich dabei um ein schmutziges Wahlkampfmanöver rivalisierender Fraktionen innerhalb der herrschenden Klasse handelt, die sich an Krach rächen wollen, oder ob die Vorwürfe substanziell sind und zu Recht erhoben wurden, kann die World Socialist Web Site anhand der bisher bekannten Umstände nicht beurteilen.
Auf jeden Fall sollten sich Arbeitnehmer und Jugendliche von den Ereignissen der vergangenen Woche nicht täuschen lassen. Stattdessen sollten sie Krachs politische Erfolgsbilanz untersuchen, die ihnen ein klares Bild vermittelt.
Im Wahlkampf präsentiert sich Krach als Kandidat für das Bürgermeisteramt und inszeniert sich als jemand, der sich um die oberflächlichsten Belange des Alltags kümmert. Er behauptet, er betreibe „Politik mit gesundem Menschenverstand und nicht mit ideologischen Scheuklappen“, er werde „die Mietpolizei losschicken, um gegen Miettreiberei vorzugehen“ (wobei er verheimlicht, dass SPD und Linkspartei gemeinsam 150.000 landeseigene Wohnungen an Privatinvestoren verkauft haben), und er „wird dafür sorgen, dass Tempo 30 außerhalb von Kindergärten und Schulen zum Standard wird.“
Getreu dem unausgesprochenen Motto „Warum sollte mich meine Politik von gestern interessieren?“ geht er offenbar davon aus, dass die Berliner vergessen haben, welche Partei in den letzten dreißig Jahren auf Bundes-, Landes- und vielen Bezirksebenen die Regierungsverantwortung – und damit die Vorreiterrolle bei Sozialabbau, Arbeitsplatzabbau und Militarisierung – übernommen hat: die SPD.
Und nicht zuletzt inszeniert sich Krach als vermeintlicher Kämpfer gegen die extreme Rechte. Bei mehreren Wahlkampfauftritten trug er ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „Krach gegen Nazis“. Die SPD hat Wahlkampfmaterial mit diesem Slogan erstellen lassen; Aufkleber mit dem Slogan sind hier und da an den Berliner Laternenpfählen zu finden.
Aber „Krach gegen Nazis“? Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Wie wenig dieses Gehabe mit dem Kampf gegen rechte Politik zu tun hat, zeigt sich schon an Krachs Unterstützung der Kampagne gegen das Russische Haus in Berlin. Während er die Enteignung großer Bauträger strikt ablehnt, posierte er vor der russischen Kulturinstitution in der Friedrichstraße mit einem Plakat mit der Aufschrift: „Hier können wir enteignen, liebe Linkspartei! Sind Sie dabei?“ In seinem dazugehörigen Instagram-Post behauptete er, das Russische Haus diene „in erster Linie der Propaganda“, biete keinen Mehrwert für den kulturellen und akademischen Austausch und müsse boykottiert werden.
Damit stellte sich Krach in besonders abstoßender Weise an die Spitze der Kampagne gegen das Russische Haus und unterstützte die ideologische Mobilisierung für die deutsche Militäroffensive gegen Russland. Die zynische Wendung seines Wahlkampfgags bestand darin, dass er die Enteignung großer Immobilienentwickler ablehnte und gleichzeitig die Beschlagnahme einer russischen Kulturinstitution zum Thema eines leichtfertigen antirussischen Wahlkampfgags machte.
Nicht weniger aufschlussreich war die Reaktion der Linkspartei. Dessen Bundestagsabgeordnete Caren Lay antwortete Krach in den Kommentaren auf Instagram mit „Na dann machen wir weiter!“ und forderte lediglich die SPD auf, einem Antrag der Linkspartei zur Einrichtung eines Grundbuchs zuzustimmen. Kein Wort gegen die Kampagne gegen das Russische Haus oder gegen die antirussische Kriegshetze. Stattdessen betrachtete Lay Krachs zynische Provokation als einen gewöhnlichen Wahlkampftrick und konterte mit einem eigenen parlamentarischen Vorschlag. Untereinander rechte Zyniker, die gemeinsam ihre unsoziale und rechte Agenda verfolgen werden, sollten sie nach der Wahl in der Lage sein, eine Regierung zu bilden.
Auch ein Blick auf Krachs Erfolgsbilanz als Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung von 2016 bis 2021 zeichnet ein ganz anderes Bild als das eines bodenständigen Kämpfers gegen die extreme Rechte. Krach scheiterte damals nicht nur daran, den Nazis die Stirn zu bieten, er machte sich auch zum willigen Komplizen der Berliner Neofaschisten. Auf Betreiben der AfD erhob Krach Klage gegen gewählte Studierendenvertreter der Humboldt-Universität, nachdem diese öffentlich gegen rechte Professoren Stellung bezogen hatten. Ziel der Klage war es, die Studierendenvertreter dazu zu zwingen, der AfD Listen mit den echten Namen des aktuellen Studierendenrates und aller Vertreter der letzten zehn Jahre (!) auszuhändigen.
Was ist passiert? Im Januar 2018 reichte der AfD-Abgeordnete Martin Trefzer im Berliner Abgeordnetenhaus eine „Parlamentarische Anfrage“ zu den Studierendenvertretungen an den großen Berliner Universitäten ein. Er forderte unter anderem die Offenlegung der Studierendenstrukturen und die Nennung sowohl der aktuellen Studierendenvertreter als auch aller in den vergangenen zehn Jahren im Amt befindlichen Studierendenvertreter.
Während sich die Universitätsleitungen an der Freien Universität (FU) und der Technischen Universität (TU) weigerten, diese Forderung gegenüber ihren Studierendenvertretungen durchzusetzen, verlangte die HU-Leitung unter Präsidentin Sabine Kunst vom RefRat der HU, der offiziellen Studierendenvertretung, die Offenlegung der echten Namen der Vertreter.
Verständlicherweise weigerte sich der RefRat, die Identität seiner Vertreter offenzulegen, um sie nicht persönlich und politisch der extremen Rechten zu entlarven. Daraufhin reichte die HU-Leitung im August 2018 beim Verwaltungsgericht Berlin eine Offenlegungsklage gegen die Studierendenvertreter ein. Die Universitätsleitung ging daher gerichtlich gegen die gewählten politischen Vertreter der eigenen Studierendenschaft vor.
Angesichts der Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland ist bekannt, welchen Nutzen solche Namenslisten antifaschistischer Aktivisten regelmäßig haben, wenn sie in die Hände von Rechtsextremisten gelangen: Sie werden zum Ausgangspunkt für Verfolgung, Hetze, politische und physische Angriffe und sogar mörderische Taten, wie der NSU-Terror verheerend gezeigt hat.
Allerdings stellte sich erst ein Jahr nach der Offenlegungsklage – im Juli 2019 – heraus, dass die Initiative zu dieser Klage nicht einfach direkt von der HU-Leitung ausging, sondern von oben angeordnet worden war: von Steffen Krach in seiner Eigenschaft als Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung. Mit Schreiben vom 13. Juli 2018 wies er das Präsidium der HU an, die rechtliche Aufsicht über die Studierendenvertretung auszuüben.
Es war also Steffen Krach, der Spitzenkandidat der Berliner SPD, der nicht „gegen Nazis“ vorgehen wollte, sondern in Absprache mit den Nazis der AfD antifaschistische Studierende der Humboldt-Universität verklagen wollte.
Können Sie die Geschichte des NSU-Terrornetzwerks erklären und warum Listen mit Namen antifaschistischer Aktivisten in Deutschland als so gefährlich gelten? Wie hängt die bisherige Zusammenarbeit der Linkspartei mit Sparmaßnahmen und Militarismus der SPD mit breiteren Mustern pseudolinker Parteien weltweit zusammen? Stellen Sie weitere Fragen unter SocialismAI.com. Der Klage ging ein gescheitertes ideologisches Projekt des rechtsextremen Professors Jörg Baberowski an der HU voraus. Unter dem Titel „Diktaturen als alternative Regierungsformen“ hatte der Professor für osteuropäische Geschichte an der HU versucht, ein Forschungszentrum zu gründen, das sich explizit mit der Hervorhebung der Vorzüge diktatorischer Herrschaft befassen sollte. Die Klage gegen die Studierendenvertretung der HU kam zu einem Zeitpunkt, als der Akademische Senat der HU die Finanzierung des Projekts aufgrund des Widerstands der Studierendenschaft abgelehnt hatte.
Aus verständlichen Gründen schweigt der Spitzenkandidat der SPD zu all diesen Ereignissen im aktuellen Wahlkampf. Denn „Krach im Dienst der Nazis“ wäre für die SPD kein Wahlkampfslogan.
Realistisch gesehen hat Krach derzeit keine Chance, nach dem 20. September tatsächlich neuer Regierender Bürgermeister Berlins zu werden. Den jüngsten Umfragen zufolge erreicht die SPD kaum zweistellige Prozentzahlen. Doch sein hartes Vorgehen gegen Studentenproteste und seine Unterstützung der antirussischen Kriegskampagne stehen einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei offensichtlich nicht im Wege. Denn auch die Linkspartei-Kandidatin Elif Eralp hat deutlich gemacht, dass sie im Hinblick auf den Völkermord in Gaza auf der Seite Israels und deutscher nationaler Interessen steht.
Man kann die aktuellen Ermittlungen gegen Steffen Krach nicht umfassend schildern, ohne auf einen letzten Punkt einzugehen: sein geradezu jammervolles TV-Interview über die Durchsuchung seiner Wohnung. Sichtlich verstört sprach er vor einer Menge Mikrofone und Kameras darüber. Sein Mobiltelefon sei beschlagnahmt worden, erklärte er. Er wurde offenbar nicht in Untersuchungshaft genommen.
Angesichts all der kriminalisierten, zu Unrecht verdächtigten und ausgegrenzten Menschen in Berlin muss man sich ernsthaft fragen: Was zum Teufel jammert dieser Mann?
Die Berliner Landesregierung hat in den letzten drei Jahren unzählige Hausdurchsuchungen bei unschuldigen Menschen durchgeführt, deren angebliches Vergehen darin bestand, gegen den Völkermord an den Palästinensern in Gaza demonstriert zu haben – und das ausgerechnet in Berlin, der Stadt, von der aus der Holocaust, der größte Völkermord der Geschichte, geplant und angeordnet wurde.
Ebenso regelmäßig, vorzugsweise im Schutz der Dunkelheit, werden unzählige Flüchtlinge und ihre Familien aus heiterem Himmel von der Polizei überfallen, sodass sie ihre Häuser kurzfristig verlassen, zum Flughafen gebracht und von dort abgeschoben werden müssen. Zwischen 2016 und 2021, als Krach Mitglied der Berliner Landesregierung war, wurden nach offiziellen Angaben insgesamt 7.420 Menschen aus dem Land Berlin abgeschoben. Das sind durchschnittlich drei bis vier Personen pro Nacht – ungefähr die Größe einer kleinen Familie.
Keinem dieser Menschen wurde die Gelegenheit gegeben, vor laufenden Fernsehkameras und auf mitfühlende Fragen von Journalisten seine nun wirklich verzweifelte Situation zu schildern, geschweige denn, sich nur wenige Stunden später wieder frei durch die Hauptstadt bewegen zu können. Und ein ähnliches Schicksal droht bald den ukrainischen Flüchtlingen, die als Kanonenfutter im Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland eingesetzt werden sollen. Außenminister Wadephul, dessen Christdemokraten Koalitionspartner der SPD auf Bundesebene sind, drohte erst vergangene Woche öffentlich damit, dass die Behörden über Daten über wehrpflichtige Ukrainer in Deutschland zu Sozialversicherungsleistungen, Meldestatus und Aufenthaltstiteln verfügen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Korruptionsvorwürfe gegen Krach in naher Zukunft entwickeln werden. Aber darauf muss man nicht warten. Arbeiter und Jugendliche sollten ihre Haltung gegenüber Krach und der Berliner SPD auf der politischen Erfolgsbilanz der Partei basieren und Krach – und die SPD – mit all der Verachtung ablehnen, die sich diese Partei in den letzten drei Jahrzehnten so fleißig erworben hat.
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Source: World Socialist Web Site