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Berliner Mieter werden von den großen Parteien mit Lügen gefüttert

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2. September 2026Facebook-SymbolAm 20. September wählt Berlin einen neuen Senat. Das prominenteste Thema im Wahlkampf sind die steigenden Mieten in der Hauptstadt. Die Straßen sind mit Plakaten verschiedener offizieller Parteien übersät, die bezahlbaren Wohnraum versprechen.

Auf Plakaten der SPD steht „Mieten deckeln, um Abzocke zu stoppen“ und kündigt 100.000 neue „dauerhaft bezahlbare“ Wohnungen bis 2031 an. Auf Plakaten steht „Schluss mit der Mietabzocke“ und verspricht, Berlin „wieder bezahlbar“ zu machen – durch eine neue Behörde mit der Aufgabe, illegale Mieten zu bekämpfen und die Mieten für staatliche Wohnungen für ein Jahr einzufrieren. Die Grünen versprechen gemeinwohlorientierten Wohnungsbau und die Sanierung des Wohnungsbestandes.

Sogar die Christlich-Demokratische Union (CDU) wirbt mit dem nichtssagenden Slogan „Berlin wird besser“ und verspricht schnelleres Bauen, Möglichkeiten für private Investoren und die Förderung von Wohneigentum.

Dass die Frage der Mieten im Wahlkampf so zentral ist, liegt nicht nur daran, dass die Parteien die Kriegsvorbereitungen und den Sozialabbau aus dem Wahlkampf heraushalten wollen – alle diese Parteien unterstützen die offizielle Aufrüstungs- und Kürzungspolitik. Immer weniger Haushalte können sich die rasant steigenden Mieten in der Stadt leisten und Wohnen wird immer mehr zum Luxus. Während Familien gezwungen sind, auf das Nötigste zu verzichten, um überhöhte Mieten zu zahlen, streichen skrupellose Immobilienkonzerne enorme Gewinne ein.

Auch wenn sich die Parteien im Berlin-Wahlkampf mit Parolen, die ein Ende der Wohnungskrise versprechen, gegenseitig überbieten, sieht die Realität ganz anders aus.

In Berlin stieg die Zahl der Zwangsräumungen von 1.931 im Jahr 2022 und 2.369 im Jahr 2023 auf 2.495 im Jahr 2024. Bundesweit lag die Zahl bei über 32.000, wobei Mietrückstände die häufigste Ursache waren.

Gleichzeitig erzielen die großen Immobilienkonzerne Rekordgewinne. Marktführer Vonovia, der auch die Deutsche Wohnen und damit Berlins größten privaten Wohnungsbestand kontrolliert, steigerte seinen operativen Gewinn im Jahr 2025 auf 2,8 Milliarden Euro und meldete für seine Aktionäre einen bereinigten Gewinn von 1,54 Milliarden Euro, wovon knapp über eine Milliarde Euro als Dividende ausgeschüttet wurde.

Die durchschnittliche Monatsmiete des Konzerns stieg auf 8,38 Euro pro Quadratmeter – 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Eine kleine Gruppe von Aktionären und die Führungsspitze dieser Immobiliengiganten reiben sich vor Freude die Hände – auf Kosten von Millionen Haushalten.

Politische Parteien versprechen seit Jahren eine Verbesserung des Wohnungsmarktes, doch die Zahlen sprechen für sich: Seit 2010 haben sich die Mieten für Neuvermietungen fast verdreifacht und sind von 6,10 Euro auf rund 18 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Während die Mieten für Bestandsmietverhältnisse mit durchschnittlich 7,21 Euro pro Quadratmeter deutlich niedriger sind, macht sich auch hier die Inflation stark bemerkbar. Seit 2010 sind die Mieten von 4,90 Euro um fast 47 Prozent gestiegen – das entspricht einem stetigen jährlichen Anstieg von rund 3,4 Prozent.

Gleichzeitig wird Berlin zunehmend als sozialer Hotspot charakterisiert. Kinderarmut, Altenarmut und Obdachlosigkeit gehören längst zum Stadtbild. Rund 20 Prozent der Berliner gelten als armutsgefährdet – vor allem Kinder, Alleinerziehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund.

Besonders schlimm ist die Lage in den Vororten Neukölln, Lichtenberg und Mitte. Fast jedes vierte Kind in Berlin wächst in Armut auf, während die Altersarmut mit rund 7 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von knapp 4 Prozent liegt. Die Belastung durch die Miete belastet das monatliche Budget stark: Jeder fünfte Haushalt muss mindestens 40 Prozent seines Einkommens allein für die Bruttomiete ausgeben.

Diese Krise ist ein globales Phänomen. Laut dem UN World Cities Report 2026 leben weltweit 3,4 Milliarden Menschen – rund 42 Prozent der Weltbevölkerung – ohne Zugang zu sicherem, angemessenem oder bezahlbarem Wohnraum. Die Ursache ist klar: Wohnen wird nicht als soziales Grundrecht behandelt, sondern als Profit- und Spekulationsgegenstand auf den Finanzmärkten. Aufgrund der Deregulierung und des Ausverkaufs von Sozialwohnungen verschärfen sich Armut und Obdachlosigkeit.

Die Politik der großen deutschen Parteien treibt die Bevölkerung immer tiefer in die Krise. Eine Studie des ifo-Instituts prognostiziert, dass in diesem Jahr 185.000 Wohnungen fertiggestellt werden – der niedrigste Wert seit 2012. Trotz einer leichten Erholung in den Folgejahren – voraussichtlich 195.000 Wohnungen im Jahr 2027 und 210.000 im Jahr 2028 – bleibt der Mangel enorm: Bundesweit fehlen knapp 1,4 Millionen Wohnungen, insbesondere in den Großstädten.

Statt gegenzusteuern, verschärft die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD die Krise. Der Referentenentwurf zur Wohngeldreform sieht Kürzungen in Milliardenhöhe vor: Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro im nächsten Jahr, ab 2028 sogar bis zu 2 Milliarden Euro pro Jahr. Dies soll durch eine Halbierung der Heizkostenpauschale, den Verzicht auf die geplante Erhöhung zum 1. Januar 2027 und eine Anpassung der Berechnungsformel erreicht werden. Rund 2,25 Millionen Menschen, deren Lebensunterhalt bisher durch Wohngeld gesichert war, drohen nun in die Armut abzurutschen.

Während bei Gesundheitsversorgung, Renten und Sozialleistungen Kürzungen vorgenommen werden, steigen die Ausgaben für Aufrüstung und Krieg in die Höhe. Der deutsche Militärhaushalt hat sich seit 2022 von knapp 50,3 Milliarden auf aktuell 108 Milliarden Euro mehr als verdoppelt und soll bis 2030 auf über 180 Milliarden Euro ansteigen.

Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, bringt die Folgen dieser Politik auf den Punkt: „Wer Wohngeld bezieht, lebt finanziell am Rande. Es ist kaum möglich, Ersparnisse aufzubauen, selbst alltägliche Einkäufe oder die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben werden zum Luxus.“

Gleichzeitig sind immer mehr Haushalte von Strom- und Gasausfällen betroffen. Im Jahr 2023 gab es bundesweit 204.000 Strom- und 28.000 Gasabschaltungen. Bis 2024 stiegen diese Zahlen auf 245.000 bzw. 34.000. Für das Jahr 2025 könnten neue Rekordwerte verzeichnet werden.

Auch in Berlin nehmen die Zwangsräumungen weiter zu. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Sozialwohnungen stetig. Ende 2024 gab es noch 85.000 Sozialwohnungen; ein Jahr später war die Zahl auf rund 80.000 gesunken – während der Bedarf allein in Berlin bei fast 1,2 Millionen Menschen liegt.

Vor diesem Hintergrund ist der Wahlkampf der Linkspartei eine Frechheit. Die Linkspartei und ihre Vorgängerin bis 2007, die Demokratische Sozialistische Partei (PDS), tragen die direkte Verantwortung für die desaströsen Zustände in Berlin. Die PDS war von 2002 bis 2011 Teil der Stadtregierung unter Klaus Wowereit in einer Koalition mit der SPD und von 2016 bis 2023 unter Michael Müller und Franziska Giffey in einer Koalition mit SPD und Grünen.

Können Sie mehr darüber erklären, wie sich die Linkspartei (und davor die PDS) von einer stalinistischen Partei zu einer prokapitalistischen Partei entwickelt hat, die in Berlin Sparmaßnahmen durchführt? Wie wurden Volksabstimmungen oder Volksabstimmungen für Enteignungen in anderen Ländern von Regierungen blockiert oder ignoriert, ähnlich wie die Abstimmung in Berlin 2021? Stellen Sie weitere Fragen auf SocialismAI.com. Was genau war der Berliner Bankenskandal, der als Rechtfertigung für den Verkauf staatseigener Wohnungen diente? 2002? Wie hat sich die Finanzialisierung des Wohnungsmarktes seit den 1990er Jahren international entwickelt und warum ist Wohnen zum globalen Spekulationsobjekt geworden? Warum lehnen Parteien wie die Linkspartei mit all ihren radikalen Wahlversprechen die entschädigungslose Enteignung von Immobilienunternehmen ab und was sagt das über ihre Klassenbasis aus?

Unter dem von SPD-Finanzminister Thilo Sarrazin geprägten Slogan „Sparen bis es quietscht“ leitete die Koalitionsregierung ab 2002 den Verkauf von Landeseigentum ein, um der drohenden Pleite der Berliner Bankgesellschaft zu entgehen. Allein im Jahr 2004 wurden 65.000 GSW-Wohnungen für magere 405 Millionen Euro an Finanzinvestoren wie Cerberus und Goldman Sachs verkauft.

Auch landeseigene Unternehmen wie Degewo und Gewobag verkauften in den 1990er und frühen 2000er Jahren große Wohnungsbestände. Einige dieser Immobilien gelangten später über mehrere Zwischenhändler an Konzerne wie Deutsche Wohnen oder Vonovia. Ab 2016 begann das Land Berlin mit dem Rückkauf von Immobilien – teilweise zu Preisen, die um ein Vielfaches höher waren als die ursprünglichen Verkaufserlöse.

Gleichzeitig beendete die Koalition aus SPD und PDS die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, brachte den Neubau fast zum Erliegen und trieb dadurch die Mieten noch weiter in die Höhe. Spätere Versuche, den Mietanstieg einzudämmen – etwa der Berliner Mietendeckel 2020 – wurden 2021 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen. Und als sich im September 2021 eine Mehrheit von 59,1 Prozent für eine Vergesellschaftung im Rahmen der „Enteignung Deutsche Wohnen & Co.“ Nach der Volksabstimmung wurde dieses Votum von der rot-rot-grünen Landesregierung systematisch ignoriert. Stattdessen haben die Regierungsparteien einen „Runden Tisch“ mit der Immobilienlobby gegründet, um noch enger mit ihr zusammenzuarbeiten.

Dass die Linkspartei im aktuellen Wahlkampf erneut zur Enteignung aufruft, ist der Gipfel der Unverschämtheit. Nach dem erfolgreichen Volksentscheid 2021 einigte sie sich mit SPD und Grünen auf die Einsetzung einer Expertenkommission, was eine Entscheidung bis zur nächsten Wahl verzögerte. Im Jahr 2023 bildeten dann CDU und SPD den Senat, die beide gegen eine Enteignung sind.

Nun erklärt sie erneut die Umsetzung des Referendums zur „höchsten Priorität“ und verspricht, im Falle eines Regierungseintritts noch in der ersten Hälfte der Legislaturperiode ein sogenanntes Sozialisierungsgesetz einzuführen.

Das von der „Enteignung Deutsche Wohnen & Co.“ vorgeschlagene Modell Die Initiative sieht zudem milliardenschwere Entschädigungen für die „Miethaie“ vor. Geplant ist, rund 220.000 Wohnungen großer Immobilienkonzerne, die über mehr als 3.000 Wohnungen verfügen, an eine gemeinnützige Organisation zu übertragen.

Die geschätzten Entschädigungskosten von 10 bis 20 Milliarden Euro sollen über 100-jährige Anleihen mit 3,5 Prozent Zinsen an die Konzerne gezahlt werden. Die Kosten für diese Schulden müssten letztlich die Mieter tragen: Mit ihren Mieten müssten sie nicht nur die Zinsen und Kapitalrückzahlungen finanzieren, sondern auch die Kosten für Neubau, Modernisierung und Sanierung tragen. Darüber hinaus bleibt völlig unklar, ob ein solches Modell einer Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhalten würde.

Die Enteignung großer Immobilienkonzerne kann nicht durch Appelle an die Linkspartei oder andere Parteien erreicht werden. Trotz ihrer Krokodilstränen wegen der hohen Mieten stehen sie fest auf der Seite der Konzerne und Banken.

Mit einem grundlegend anderen Programm geht die Sozialistische Gleichheitspartei zur Berlin-Wahl. Ohne die entschädigungslose Enteignung der Großkonzerne und Banken sowie der wohlhabenden Elite lässt sich kein einziges gesellschaftliches Problem lösen. Der Kampf gegen den Mietwahnsinn muss mit dem Kampf gegen Sozialkürzungen, gegen staatliche Aufrüstung und Militarismus sowie gegen den Aufstieg der faschistischen Alternative für Deutschland als Ausgangspunkt für eine breite politische Mobilisierung gegen den Kapitalismus und für ein internationales sozialistisches Programm verbunden werden.

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Source: World Socialist Web Site