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Zugunglück in Spanien: Der Schock sitzt tief
In Spanien sitzt der Schock tief über das zweite schwere Zugunglück auf der Hochgeschwindigkeitszugstrecke zwischen Madrid und Andalusien. Mindestens 68 Menschen verloren bei dem Unglück in der Region
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Reportage Zugunglück in Spanien Der Schock sitzt tief Stand: 29.10.2026 • 12:24 Uhr
In Spanien sitzt der Schock tief über das zweite schwere Zugunglück auf der Hochgeschwindigkeitszugstrecke zwischen Madrid und Andalusien. Mindestens 69 Menschen verloren bei dem Unglück in der Region Toledo ihr Leben.
Mittwochabend 20 Uhr - Spanien schweigt. Eine Schweigeminute in Madrid, in Barcelona im Nordosten des Landes, wie auch in Sevilla im Südwesten und in Adamuz - erst vor zehn Monaten starben hier 46 Menschen bei einem Hochgeschwindigkeitszugunglück.
In Urda bei Toledo, dem aktuellen Unglücksort: Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit, Trauer.
Zur Katastrophe führte ein technischer Defekt. Und offenbar auch eine Fehleinschätzung. mehr
Urda ist ein kleiner Ort mit knapp zweieinhalbtausend Einwohnern in der Region Toledo. Hier versucht am Nachmittag der Priester José Manuel Pastrana, den Schrecken in Worte zu fassen. Der Seelsorger war seit 10 Uhr morgens an der Unglücksstelle. Er beschreibt die Situation als unfassbar: "Mit Schwerverletzten, mit Verletzten, die Trost suchten. Menschen, die aus nicht betroffenen Waggons ausstiegen. Die hatten zwar keinen körperlichen, aber einen enormen seelischen Schmerz angesichts des Ausmaßes einer Tragödie, die einfach erschütternd ist."
Erschüttert ist auch Tangui Binier. Er sagt, er sei Stammgast auf der Strecke, saß im Zug des privaten Unternehmens Iryo, der nach einem Ausfall des Sicherheitssystems auf freier Strecke stand, auf den dann ein zweiter Zug mit hoher Geschwindigkeit auffuhr. "Da waren Menschen, die eingeklemmt waren, Menschen mit schrecklichen und allen denkbaren Verletzungen. Es war furchtbar, ehrlich gesagt eine sehr harte Erfahrung. Aber ich danke all denen, die uns geholfen haben." So etwas dürfe in Spanien nicht passieren, fügt er hinzu.
Weiter oben im Ort ist die Umgebung einer Schule abgesperrt, drinnen wandern Menschen umher, die nach Angehörigen suchen. Betreut unter anderem von Mitarbeitern des Roten Kreuzes wie Daniel Losada: "Letztlich ist das als zentrale Anlaufstelle für Angehörige gedacht, eine Informationsstelle, wo die Dienste zusammengefasst sind, die sie unterstützen und ihnen hoffentlich auch ein wenig emotionale Sicherheit geben können."
Etwa Menschen, denen es bisher nicht gelungen sei, Kontakt zu vermissten Angehörigen aufzunehmen. Viele Personen seien direkt evakuiert und in Krankenhäuser oder Gesundheitszentren gebracht worden. Es sei derzeit kompliziert und manchmal sehr schwierig, Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die sich in einem Krankenhaus befänden.
Auf das Leid der Angehörigen geht auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bei seinem Besuch an der Unglücksstelle ein. Die spanische Gesellschaft teile ihren Schmerz, erklärt Sánchez, und steht dabei nur gut 250 Kilometer nördlich der Stelle auf derselben Strecke, wo bei einem ähnlichen Unglück im Januar 46 Menschen ihr Leben verloren hatten. "Wir haben auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken zwei schreckliche Tragödien in einem Jahr erlebt. Vieles deutet bisher darauf hin, dass die Ursachen der beiden Unfälle in keinem Zusammenhang stehen."
Laut ersten Ermittlungen hat vermutlich menschliches Versagen zu dem Unglück geführt. mehr
Die Ursachenforschung läuft, Sánchez verspricht gründliche Aufklärung. Derzeit deutet vieles auf menschliches Versagen hin, aber für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh.
Vorerst gilt: suchen, bergen, versorgen - Rettungskräfte arbeiten die Nacht durch. Darunter Angehörige der Katastrophenschutzeinheit des spanischen Militärs, Hunderte Polizisten, mehrere große Kräne sind im Einsatz. Außerdem auch Drohnen mit Wärmebildsensoren und eine Hundestaffel, um Menschen in den Trümmern aufzuspüren.
Die Arbeiten dürften nicht innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein. Das staatliche Bahnunternehmen Renfe hat den Fahrkartenverkauf für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Madrid und Andalusien zunächst bis Dezember ausgesetzt.
In Spanien gilt nun drei Tage Staatstrauer, doch bis der Schmerz auch nur ansatzweise verflogen ist, dürfte deutlich mehr Zeit vergehen. Wenn er überhaupt jemals verfliegt.
Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Spanien nach Zugunglück unter Schock | 29.10.2026 | 00:48 Uhr