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Wer am Samstag auf die Straße geht - und was zu erwarten ist

Am Samstag soll es in zahlreichen Städten Deutschlands zu Protesten kommen. Nach den Ausschreitungen etwa in Frankreich ist die Sorge vor Gewalt groß. Zu recht? Was sagen die Sicherheitsbehörden, was

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FAQ Protesttag "Gen Z regelt" Wer am Samstag auf die Straße geht - und was zu erwarten ist Stand: 29.10.2026 • 13:02 Uhr

Am Samstag soll es in zahlreichen Städten Deutschlands zu Protesten kommen. Nach den Ausschreitungen etwa in Frankreich ist die Sorge vor Gewalt groß. Zu recht? Was sagen die Sicherheitsbehörden, was Experten - und worum geht es eigentlich?

Es war zuletzt eine regelrechte Protestwelle: In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Albanien gingen in den vergangenen Wochen Zehntausende Menschen auf die Straße. Mal ging es um Lebenshaltungskosten, mal um bessere Bildung, mal gegen Korruption. Doch immer wieder endeten die Proteste auch in Gewalt - mit Plünderungen, brennenden Barrikaden und Angriffen auf Sicherheitskräfte.

Nun wird auch in Deutschland mobilisiert. Am Samstag soll es in rund 30 Städten zu Demonstrationen kommen. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich vor. Manche Beobachter befürchten Gewaltaktionen wie etwa in Frankreich. Andere kritisieren, dass hier bereits im Vorfeld junge Menschen kriminalisiert werden, die eigentlich nur für ein berechtigtes Anliegen demonstrieren wollen.

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Das ist gar nicht so eindeutig. Aufgerufen hat die Gruppierung "Gen Z regelt" beziehungsweise "Gen Z steht auf". Aber welche konkreten Personen dahinterstecken, ist nicht immer eindeutig. Das Impressum der Website wurde binnen einer Woche zweimal geändert, am Donnerstag stand dort eine Schweizer Anschrift. Mobilisiert wird auch in Sozialen Medien wie TikTok und Instagram und Nachrichtenkanälen wie Telegram - bundesweit wie auch lokal.

Die Bundesschülerkonferenz hatte sich deshalb auch bereits von den geplanten Protesten distanziert und das mit der "unklaren" Organisationsstruktur der Initiative begründet. Nun soll es einen eigenen Protest am 20. November in Berlin geben. Teilnehmen sollen daran auch Lehrer und andere Jugendbewegungen.

Allerdings: Jannis Julien Grimm vom Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin merkt an: Eine lose Organisationsstruktur sei für eine entstehende Protestbewegung typisch. "Gerade in frühen Mobilisierungsphasen entstehen Proteste häufig aus informellen Netzwerken, persönlichen Kontakten und digitalen Kommunikationsstrukturen", sagt er "Eine verbindliche Organisation mit klaren Zuständigkeiten, festen Sprecherrollen und einem ausgearbeiteten politischen Programm entwickelt sich, wenn überhaupt, häufig erst im weiteren Verlauf." Beispiel: Fridays for Future.

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"Gen Z regelt" versteht sich als solidarisch mit den Schülerprotesten in Frankreich. Auf der Website stehen sechs mehr oder weniger konkrete Forderungen:

Protestforscher Grimm von der Freien Universität Berlin sieht eine gemeinsame Erfahrung von politischer Ohnmacht und Unsicherheit in europäischen Ländern. "Wir sehen seit Jahren eine zunehmende Verschärfung der sozialen Ungleichheit, steigende Lebenshaltungskosten, eine vielerorts chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems und eine Klimakrise, deren langfristige Folgen vor allem die jüngeren Generationen tragen werden", sagt er. "Hinzu kommen die zunehmende Militarisierung der europäischen Sicherheitspolitik, Debatten über Wehrpflicht und Aufrüstung sowie die Frage, wer die Kosten dieser politischen Entscheidungen tragen soll."

Gerade in alternden europäischen Gesellschaften entstehe dadurch ein Generationenkonflikt, sagt der Wissenschaftler: "Junge Menschen werden die langfristigen Konsequenzen heutiger Entscheidungen besonders stark zu spüren bekommen, verfügen aber gleichzeitig über vergleichsweise wenig politisches Gewicht".

Die Initiative "Gen Z regelt" hat für Samstag zu Protesten in ganz Deutschland aufgerufen. Die Polizei warnt vor gewaltsamen Ausschreitungen. ndr

Ausschreitungen in einem Ausmaß wie in Frankreich hält Forscher Grimm für unwahrscheinlich. So gehe die Polizei dort deutlich härter vor. Außerdem sei die gesellschaftliche Akzeptanz konfrontativer Protestformen in Deutschland geringer.

Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak warnt generell davor, die Teilnehmer unter Generalverdacht zu stellen. "Die Rhetorik der Union, diese Proteste präventiv schon mal zu kriminalisieren und in die Ecke von marodierenden Banden zu treiben, treibt die Leute im Zweifel sogar in eine Radikalisierung", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Stattdessen solle man sich "mit ihren berechtigten Anliegen mal politisch vernünftig auseinandersetzen".

Und die Sicherheitsbehörden? Die schließen wie immer in solchen Situationen nichts aus, äußern sich aber dennoch relativ gelassen. Das Bundesinnenministerium sieht keine konkreten Aufrufe zu Gewalt. Allerdings griffen Teile der linksextremistischen Szene und vereinzelt Gruppierungen aus dem Ausland die Demonstrationsaufrufe auf und beteiligten sich an der Mobilisierung, so ein Sprecher.

Vor einer möglichen Unterwanderung der Proteste warnen aber auch andere. "Die Vernetzung der linksextremistischen Szene ist international und koordiniert", sagte der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), dem Handelsblatt. Gewaltbereite Linke überquerten auch Ländergrenzen. Nach den Worten des CDU-Innenexperten Alexander Throm könnten die Demonstrationen von Linksextremisten und Kriminellen mit Migrationshintergrund "gekapert" werden. "Da bildet sich eine unheilvolle Allianz", sagte er der Zeitung.

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Auch die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel beobachtet, dass es Aufrufe gebe, die an das Protestgeschehen in Frankreich anschließen wollen. Allerdings verfingen diese derzeit nicht, sagt sie. Es gebe bislang keine konkreten Hinweise auf Planungen für Plünderungen wie etwa in Frankreich.

Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) verwies auf Aufrufe besonders aus der linksradikalen Szene. Man habe sich dafür bewusst Halloween ausgesucht - einen Tag, an dem sich Menschen maskieren und "im Schutz der Maskerade" bereits in der Vergangenheit Körperverletzungen und Sachbeschädigungen begingen. Er sprach vom gezielten Versuch, französische Verhältnisse nach Deutschland zu holen.

Offenbar gibt es aber auch bei den Veranstaltern selbst Sorgen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass der Bundessprecher der Bewegung "Gen Z regelt" zurückgetreten ist. In einem Statement in den Sozialen Netzwerken erklärte er: Aufgrund der vielen Akteure, die sich in dem Bündnis zusammengeschlossen haben, sehe er "einen gemeinsamen friedlichen Rahmen" der Proteste "nicht mehr ausreichend abgesichert".

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Wirtschaftsverbände haben einen Brief an Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) geschrieben. Sie befürchten negative Auswirkungen auf Innenstädte und den Einzelhandel. Eine aktuelle Lageeinschätzung zu den Protesten in Frankreich komme zu dem Ergebnis, dass auch hierzulande mit Betriebsstörungen durch Blockaden und Versammlungen gerechnet werden müsse, heißt es in dem nicht öffentlichen Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Verfasser des Briefs sind der Handelsverband Deutschland (HDE), der Immobilienwirtschaftsverband ZIA sowie der Handelsimmobilien-Wirtschaftsverband GCSP. "Besonders besorgniserregend ist die Einschätzung, dass Angriffe auf Gewerbebetriebe, insbesondere auf Einzelhandelsgeschäfte und Shopping-Center, durch Sachbeschädigungen, Vandalismus oder Plünderungen nicht ausgeschlossen werden können", heißt es darin. Sie fordern eine starke Polizeipräsenz bei den Protesten. In vielen Bundesländern ist der Reformationstag kein Feiertag, Geschäfte bleiben geöffnet.

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Auf seiner Website stellt "Gen Z regelt" klar: "Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Gewalt gegen Menschen oder Sachen widerspricht allem, wofür wir stehen. Nur friedlich können wir gemeinsam etwas erreichen."In Sozialen Medien gibt es auch andere Stimmen. "Während in anderen Ländern Bomben aus deutscher Produktion auf Schulen geworfen werden, diskutiert man hierzulande, ob und wie schlimm es wäre, wenn ein Gucci-Laden von den Massen enteignet würde", heißt es in einem Post auf einem Instagram-Konto mit dem Namen "genzregelt" mit mehr als 9.000 Followern. "Fördert nicht die Narrative von einer Spaltung in friedliche und gewaltvolle Demonstrierende."

Gen Z ist ein Oberbegriff für eine nicht klar definierte Alterskohorte. Das US-amerikanische Forschungsinstitut Pew Research Center erfasst mit dem Begriff Menschen, die nach 1996 geboren wurden, die Bundeszentrale für politische Bildung erfasst damit die Jahrgänge zwischen 1995 und 2010. Sie haben gemeinsam, dass sie mit digitalen Medien aufgewachsen sind und keine Erinnerung an eine Welt ohne Smartphones haben, schreibt Pew.

Dieses Thema im Programm: RBB24 Inforadio | Nachrichten | 28.10.2026 | 06:24 Uhr NDR Fernsehen | Hallo Niedersachsen | 28.10.2026 | 19:30 Uhr

Originally published byTagesschau
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