Politics Tagesschau
Rot-grün-rote Koalitionsgespräche in Berlin starten
Linke, Grüne und SPD in Berlin beginnen ihre Verhandlungen über eine mögliche gemeinsame Regierung. Bis Dezember könnte ein Koalitionsvertrag stehen - doch sicher ist das nicht.
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Nach Wahl zum Abgeordnetenhaus Rot-grün-rote Koalitionsgespräche in Berlin gestartet Stand: 02.11.2026 • 12:47 Uhr
Linke, Grüne und SPD haben in Berlin ihre Verhandlungen über eine gemeinsame Regierung begonnen. Bis Dezember könnte ein Koalitionsvertrag stehen - doch sicher ist das nicht. Mehrere SPD-Politiker sprechen sich gegen eine Koalition aus.
In Berlin haben Linke, Grüne und SPD Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer gemeinsamen Landesregierung aufgenommen. "Die letzten Wochen haben uns die Berlinerinnen und Berliner immer wieder gefragt: 'Wann geht's denn los?' Und jetzt geht's los", sagte Linken-Fraktionschefin Elif Eralp zum Auftakt der Gespräche im Berliner Abgeordnetenhaus.
"Wir sind uns bei vielen Dingen schon einig geworden und haben auch schon zu Mietenfragen, Vergesellschaftungs-, Wirtschafts- und Klimafragen sehr viel verabredet“, so Eralp weiter. "Aber jetzt gehen wir in die Tiefe bei diesen Themen und bei den vielen, vielen anderen Themen, die die Menschen in unserer Stadt beschäftigen."
Die Regierungsbildung in Berlin wird erneut von einer Debatte über die Linkspartei überschattet. mehr
SPD-Landesvorsitzende Bettina König ergänzte, die drei Parteien hätten in den vergangenen zwei Wochen das Sondierungspapier umfassend von vorn bis hinten diskutiert. Die SPD werde nun intensiv in die Themenverhandlungen gehen.
Grünen-Landeschefin Nina Stahr sagte, schon die Sondierungen seien sehr intensiv und von konstruktivem Austausch geprägt gewesen. "Aber zur Wahrheit gehört auch, einige Themen werden wir jetzt erst in den Koalitionsverhandlungen wirklich vertiefen."
Stahr sprach auch die Skepsis gegenüber Rot-Grün-Rot an, die öffentlich von verschiedenen Seiten immer wieder laut geäußert wurde: "Das ist uns auch bewusst, Menschen schauen auf diese Regierung teilweise noch mit Fragezeichen", sagte sie. "Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir das alles werden ausräumen können, dass wir in den kommenden Wochen werden zeigen können, diese Regierung kann ein Aufbruch sein."
Die Berliner Linke entscheidet heute über den Start von Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen. mehr
Erschwert wurden die bisherigen Gespräche der drei Parteien durch Diskussionen über das richtige Vorgehen gegen Antisemitismus. Anlass waren mehrere Vorfälle in den Reihen der Linken. Nicht zuletzt deswegen hat die Ankündigung der Koalitionsverhandlungen bundesweit Kritik provoziert. Aber auch innerhalb der beteiligten Parteien - vor allem bei SPD und Linken - hat es Diskussionen über Rot-Grün-Rot gegeben.
So haben fast 1.000 Sozialdemokraten einen Offenen Brief unterschrieben, in dem Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Linken in Berlin angemeldet werden. Einer der Unterzeichner ist Verteidigungsminister Boris Pistorius. Er sagte im ZDF: "Eine Koalition mit den Linken in Berlin ist nicht das, was die SPD unterstützen sollte." Dies betreffe vor allem den Landesverband in Berlin. Pistorius attestierte der Linken in der Hauptstadt unter anderem ein "komplett gestörtes Verhältnis zu den Sicherheitsbehörden". Er kündigte Gespräche mit den Genossen in Berlin an.
Auch in der Berliner SPD selbst gibt es Vorbehalte. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, die den Offenen Brief auch unterschrieben hat, begründete im ARD-Morgenmagazin ihre Ablehnung. Giffey nannte vor allem den Umgang der Berliner Linken mit den Themen Antisemitismus und Organisierte Kriminalität.
"Schwarz-Grün-Rot muss zumindest Diskussion finden", Franziska Giffey, SPD, Wirtschaftssenatorin Berlin, zur Berliner Koalition Morgenmagazin, Das Erste, 02.11.2026 • 07:00 Uhr Koalitionsvertrag bis Dezember? Die Dreierverhandlungen dürften einige Wochen dauern, einen genauen Zeitplan gibt es nicht. Grundlage ist ein zwischen den drei Parteien erarbeitetes Sondierungspapier, das unter anderem die Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Immobilienkonzerne in Berlin vorsieht.
Die Gespräche werden von einer Dacharbeitsgruppe aus Spitzenpolitikern der drei Parteien geführt. Hinzu kommen rund ein Dutzend Facharbeitsgruppen.
Ein Koalitionsvertrag könnte bis Dezember stehen, sicher ist das aber nicht. Am Ende entscheiden bei Linkspartei und SPD die Parteimitglieder über das Regierungsprogramm. Die Grünen wollen ein sogenanntes digitales Meinungsbild bei ihren Mitgliedern einholen, das letzte Wort hat ein Parteitag.
Dieses Thema im Programm: Das Erste | ARD-Morgenmagazin | 02.11.2026 | 05:30 UhrNDR Info | Nachrichten | 02.11.2026 | 05:00 UhrBR24 Radio | Nachrichten | 02.11.2026 | 08:34 Uhr