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Keine klare Mehrheit bei Parlamentswahl in Israel

Die Parlamentswahl in Israel hat laut ersten Prognosen keinen klaren Sieger hervorgebracht. Weder für Premierminister Netanjahu noch für seinen wichtigsten Herausforderer Eisenkot zeichnet sich eine M

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Laut Prognosen Keine klare Mehrheit bei Parlamentswahl in Israel Stand: 28.10.2026 • 00:55 Uhr

Bei der Parlamentswahl in Israel erreichen Prognosen zufolge weder Premierminister Netanjahu noch sein wichtigster Gegner Eisenkot eine Mehrheit. Eisenkot kündigte dennoch an, eine Regierung bilden zu wollen.

Ersten Prognosen zufolge gibt es bei der Parlamentswahl in Israel keinen klaren Sieger. Laut dem TV-Sender Channel 11 kommt die Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu auf 25 von insgesamt 120 Mandaten im Parlament. Weitere TV-Sender veröffentlichten ähnliche Prognosen und sehen die Likud-Partei bei 24 Sitzen. Auf Platz zwei landet in der Prognose von Channel 11 die Mitte-Partei Jaschar des Ex-Militärchefs Gadi Eisenkot mit 21 Mandaten.

Weder das Lager Netanjahus noch das Lager seiner politischen Rivalen - jeweils mehrere Parteien, die sich in einem Bündnis zusammengeschlossen hatten - erreicht demnach jedoch die absolute Mehrheit. Den Prognosen zufolge liegt das Lager von Eisenkot etwa drei Mandate vor dem Lager Netanjahus, das nur auf 50 von insgesamt 120 Sitzen im Parlament kommt. Die Regierungsbildung und wer den künftigen Premierminister stellen wird, ist damit völlig ungewiss.

Deutliche Zugewinne verzeichnen offenbar die arabischen Parteien. Die islamisch-konservative Raam-Partei käme laut Channel-11-Prognose auf sieben Sitze, die linksgerichtete Vereinigte Liste auf zehn Sitze. Arabische Parteien könnten einer Regierungskoalition im Parlament zu einer Mehrheit verhelfen.

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Die israelische Opposition wertet das Wahlergebnis als Niederlage Netanjahus. Oppositionsführer Jair Lapid sagte nach Angaben seines Büros: "Lasst euch von niemandem verwirren: Der Netanjahu-Block hat eine vernichtende Niederlage erlitten." Er sprach von einem "totalen Kollaps", die Öffentlichkeit habe Netanjahus Lager "nach Hause geschickt".

Der Vorsitzende der linksliberalen Demokraten, Jair Golan, sagte ebenfalls, die Öffentlichkeit habe "die Netanjahu-Regierung gefeuert". Es gebe nun eine "historische Gelegenheit, eine Regierung des echten Wandels in Israel" zu bilden.

Netanjahus Herausforderer Eisenkot sagte nach Angaben seines Büros, die Prognosen deuteten darauf hin, "dass die Mehrheit der israelischen Bürger Netanjahu und der für den 7. Oktober verantwortlichen Regierung jegliches Vertrauen entzogen hat". Der Ex-Militärchef kündigte an, er werde nun "unverzüglich daran arbeiten, den Wählerwillen umzusetzen, die Regierung Netanjahu abzulösen und so schnell wie möglich eine zionistische Regierung zu bilden, die sich der Wehrpflicht für alle verpflichtet fühlt".

Außenminister Gideon Saar hat den Jubel der Opposition als verfrüht zurückgewiesen. "Der Jubel der Linken ist verfrüht. Die Selbstgefälligkeit der voreingenommenen Kommentatoren – lächerlich", schrieb Saar im Onlinedienst X. "Eines scheint ziemlich klar: Der Likud ist die größte Partei in Israel", fügte der Politiker der Partei Netanjahu hinzu. Der Premierminister äußerte sich bisher nicht zu den Ergebnissen.

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"Wenn es jetzt schnell geht, hat Israel bis Weihnachten einen neuen Premierminister", berichtet ARD-Korrespondent Björn Dake aus Tel Aviv. "Aber es sieht überhaupt nicht danach aus." Sowohl Netanjahu als auch Eisenkot würden jetzt versuchen, Gegner aus dem anderen Lager für sich zu gewinnen.

"Die große Frage ist: Geht Eisenkot auf die arabischen Parteien zu?" Sie hätten den Prognosen zufolge deutlich mehr Sitze bekommen, als in den Umfragen angedeutet war. "Sollte Eisenkot bereit sein, mit den arabischen Parteien zusammenzuarbeiten, hätte er eine deutliche Mehrheit. Dann wäre er der neue israelische Premierminister."

Das würde an den großen außenpolitischen Positionen Israels etwa im Bezug auf den Umgang mit den Palästinensern, erst mal nicht sehr viel verändern, so Dake. Auch Eisenkot stehe nicht für eine grundsätzliche Abkehr von der Siedlungspolitik im Westjordanland und sei gegen eine Zwei-Staaten-Lösung. "Allerdings steht er dafür, härter gegen Siedlergewalt vorzugehen und Vertrauen in demokratische Institutionen wieder herzustellen." Angriffe auf Justiz und die Presse wolle er einstellen, so Dake.

Netanjahu oder Eisenkot - Wer setzt sich durch bei der Parlamentswahl in Israel? Pia Steckelbach, ARD Tel Aviv, tagesthemen, Das Erste, 27.10.2026 • 21:45 Uhr Hohe Wahlbeteiligung verzeichnet Um 21:00 Uhr schlossen die Wahllokale. Eine von Netanjahus Likud-Partei beantragte Verlängerung der Stimmabgabe wurde von der Wahlkommission abgelehnt. Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, die 120 Abgeordneten der Knesset zu bestimmen.

Die Zentrale Wahlkommission verzeichnete nach eigenen Angaben bis 19:00 Uhr MEZ die höchste Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt seit Jahrzehnten. Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten demnach 74,3 Prozent der etwa 7,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der vergangenen Wahl vor vier Jahren waren es zum selben Zeitpunkt 66,3 Prozent gewesen. Insgesamt hatten damals 70,6 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt.

Mit Schließung der Wahllokale um 21:00 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei 77,7 Prozent und damit dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten. Das entspricht 5.695.682 Wählerinnen und Wählern.

Vorläufige Ergebnisse werden in den kommenden Stunden erwartet, die endgültigen Ergebnisse erst in den kommenden Tagen.

Dieses Thema im Programm: tagesschau.de | Prognosen deuten auf politisches Patt in Israel hin | 27.10.2026 | 21:51 Uhr

Originally published byTagesschau
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