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Jugendproteste in mehr als 30 Städten geplant

Wachsende Unzufriedenheit und Zukunftsängste: Die GenZ protestiert bundesweit für bessere Bildung, Klimaschutz und mehr politische Teilhabe. In mehr als 30 Städten sind Demonstrationen angekündigt. Vo

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Jugendproteste "Wir haben die Nase voll" Stand: 31.10.2026 • 05:52 Uhr

Wachsende Unzufriedenheit und Zukunftsängste: Die GenZ protestiert bundesweit für bessere Bildung, Klimaschutz und mehr politische Teilhabe. In mehr als 30 Städten sind Demonstrationen angekündigt.

Sie wollen endlich gehört werden, denn sie fühlen sich von der Politik seit Jahren übersehen. Für viele von ihnen ist es das erste Mal überhaupt, dass sie auf die Straße gehen. Selbst in Wuppertal basteln Jugendliche bis zuletzt an Plakaten mit ihren zentralen Forderungen: Bessere Schulen, keine Wehrpflicht und konsequenterer Klimaschutz.

Auch für die Initiative selbst ist es Neuland - der erste direkte Kontakt mit der Presse. Die Vertreter von "GenZ regelt" sind aus Köln, München, Frankfurt und Berlin zusammengekommen, um ihrer Wut und Enttäuschung eine Stimme zu geben.

Am Samstag soll es in zahlreichen Städten Deutschlands zu Protesten kommen. Wer protestiert - und warum? mehr

Ihre Motivation ist eindeutig. Steve, einer der Vertreter der Initiative, bringt es auf den Punkt: "Wir haben die Nase voll und wir haben uns kollektiv entschieden, am 31.10. zu demonstrieren. Wir werden unser Grundrecht zur Versammlung so lange wahrnehmen, bis sie aufhören, uns zu ignorieren. Wir sehen die Jugend und wir sind die Zukunft."

Verantwortlich ist die Gruppe für die Proteste in den Städten, die sie direkt vertreten. In gut 30 weiteren Städten finden zwar assoziierte Demonstrationen statt, doch für diese wolle man nicht stellvertretend sprechen.

Jan Koch, WDR, zu den erwarteten GenZ-Demonstrationen tagesschau24, 30.10.2026 • 14:00 Uhr Dennoch zeichnet sich eine bundesweite Bewegung ab: Es gibt über 160.000 Anmeldungen auf der Homepage der Initiative. Eine von ihnen ist die 17-jährige Marie Hacker. In Köln war sie bereits für Fridays for Future aktiv.

Dieses Mal geht es der Schülerin, die sich auch in der Landesschülervertretung engagiert, vor allem um den katastrophalen Zustand des Bildungssystems. "Wie wir in überfüllten Klassenräumen sitzen, es gibt Lehrermangel, die Gebäude werden nicht renoviert, wir sitzen in Containern - da merkt man akut gerade, dass nicht auf uns gehört wurde", schildert sie die alltägliche Realität an vielen Schulen. "Uns ist lange klar, dass die Strukturen junge Menschen mental kaputt machen und die Politik nicht darauf reagiert."

Das Gefühl der Verfehlungen zieht sich für viele Jugendliche durch den gesamten Schulalltag. "Wir werden in unseren Anliegen nicht gehört. Das merken wir, wenn wir in der Schule sitzen und wenn wir nicht einbezogen werden. Das macht uns wütend", so Marie Hacker.

Blicke ins Ausland schärfen dabei den Protestgeist: "Ein Thema, was ja auch viele politisiert hat in Frankreich, ist das Thema Bildung." Selbst Zukunftsängste bezüglich des Einstiegs ins Erwerbsleben schwingen mit: "Mir ist nicht klar, wie das funktionieren soll, eine Arbeit zu finden."

Laut einer IW-Studie aus dem vergangenen Jahr fallen gut 9,2 Prozent der Gesamtausgaben in Deutschland auf den Bildungssektor. Die Nordischen Länder geben 12,4 Prozent aus. Der EU-Schnitt liegt bei 9,6 Prozent.

Doch die Sorgen hören nach der Schule nicht auf. Der 25-jährige Maximilian Kisters studiert in Düsseldorf Philosophie und engagiert sich bei den Linken. Auch er möchte morgen bei den GenZ-Protesten dabei sein, denn die Unzufriedenheit sitzt tief. Für ihn geht es auch um das Thema Lebensunterhalt und Wohnkosten.

Im Interview erklärt Protestforscher Staudt, warum junge Menschen in Europa protestieren - und was die Politik tun sollte. mehr

In Düsseldorf kostet ein WG-Zimmer mittlerweile im Schnitt 563 Euro im Monat. Kisters hatte bei seiner Suche zwar Glück und fand zügig etwas halbwegs Bezahlbares, doch das Grundproblem bleibt: Gestiegene Lebenshaltungskosten und der spürbare Stellenabbau in der Wirtschaft belasten viele junge Erwachsene schwer. Bildungsforscher sehen genau darin einen zusätzlichen Druck und eine Frustration, die es in diesem Umfang bei früheren Generationen so nicht gegeben habe.

Die Bildungs- und Jugendforscherin Nina Kolleck hält die Forderungen der Demonstrierenden für legitim: "Da hat sich ein Frust aufgebaut. Denn das Bildungssystem ist ja nicht erst seit kurzem in dem Zustand, in dem es ist, sondern seit Jahrzehnten - und es verschlechtert sich auch schon lange."

Der Druck auf das System sei enorm und für die Lernenden direkt spürbar: "Jetzt gerade wissen wir, dass die PISA-Ergebnisse einen großen Schock ausgelöst haben. Die Lehrkräfte sind überlastet und Kinder und Jugendliche bekommen den Eindruck: Wo gespart wird, das ist bei ihnen."

Die Ergebnisse der diesjährigen Pisa-Studie zeigen: Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland sind in den Bereichen Mathematik und Lesen erneut gesunken. Rund jede und jeder Dritte verfehlt dort inzwischen das Mindestniveau. Im letzten Jahr haben die Schülerinnen und Schüler hierzulande in allen drei Kompetenzbereichen erneut die niedrigsten Werte, die bislang bei den PISA-Studien gemessen wurden.

GenZ protestiert für Bildung, Klimaschutz und gegen Wehrpflicht: Sorge vor Eskalation Jan Koch, WDR, tagesschau, Das Erste, 30.10.2026 • 16:00 Uhr Kolleck sieht in dem Namen der Initiative ein deutliches Signal an die Politik. "'GenZ regelt' trifft es auf den Punkt. Der Regierung geht es viel zu wenig um die Belange junger Menschen. Wir sind aber auf junge Menschen angewiesen in Zeiten des demografischen Wandels."

Dass die Belange der Jugend in politischen Entscheidungen oft untergehen, führt die Forscherin auch auf das Wahlrecht und die Demografie zurück: "Dass die Generation so wenig berücksichtigt wird, hat ganz viel damit zu tun, dass sie an der Wahlurne so wenig Unterschied macht. Parteien der demokratischen Mitte fokussieren sich auf die Älteren, weil die den Unterschied machen."

Doch dieses Kalkül könnte nach hinten losgehen: "Es zeigt eben auch, dass die Parteien, die so wenig Fokus auf die Jüngeren legen, das jetzt auch merken. Der Frust der Jugend wird immer größer und auch die Sorge, das Land verlassen zu müssen, weil hier keine gute Zukunft ist."

Trotz des Aufrufs zu friedlichen Protesten herrscht im Vorfeld mancherorts Verunsicherung. Seit Tagen treibt einige die Sorge um, die Demonstrationen könnten eskalieren - ähnlich wie bei vergangenen Krawallen in Frankreich. Dazu beigetragen haben auch einzelne Social-Media-Aufrufe. In manchen Städten, wie etwa in Düsseldorf, bereiten sich erste Ladenbesitzer und Gewerbetreibende vorsorglich auf den Tag vor. Sie verbarrikadieren sich.

Polizei und Verfassungsschutz beobachten die Lage aufmerksam, gehen derzeit jedoch von keiner Eskalation aus. Auch die Vertreter von "GenZ regelt" distanzieren sich klar von jeglicher Gewalt. Ihr Ziel ist ein friedlicher Protest - in der Hoffnung, dass ihre Forderungen endlich die Politik erreichen.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesschau | 30.10.2026 | 16 Uhr

Originally published byTagesschau
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