War & Militarism Tagesschau
Evakuierungsaktion im ukrainischen Oleschky abgeschlossen
Es war die größte gemeinsame Aktion von Ukrainern und Russen seit Kriegsbeginn: Mit 25 Bussen wurden Menschen aus der Frontstadt Oleschky gebracht. Ein Teil von ihnen ist bereits in Belarus angekommen
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Feuerpause im besetzten Gebiet Evakuierung aus Oleschky abgeschlossen Stand: 31.10.2026 • 10:14 Uhr
Es war die größte gemeinsame Aktion von Ukrainern und Russen seit Kriegsbeginn: Mit 25 Bussen wurden Menschen aus der Frontstadt Oleschky gebracht. Ein Teil von ihnen ist bereits in Belarus angekommen, um in die Ukraine weiterzureisen.
Die Evakuierungsaktion in der von Russland besetzten südukrainischen Frontstadt Oleschky ist nach russischen Angaben abgeschlossen. "Wir haben unsere humanitäre Mission in Oleschky beendet", teilte die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa gestern Abend mit.
Die evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner waren nach russischen Militärangaben zunächst mit Bussen in die Schwarzmeer-Stadt Anapa in der südrussischen Region Krasnodar gebracht worden. Anschließend seien diejenigen, die in die Ukraine weiterreisen wollten, mit russischen Militärmaschinen ins belarusische Gomel ausgeflogen worden. Vom russischen Militär veröffentlichte Videos zeigten, wie Menschen in Flugzeuge einstiegen.
Nach belarusischen Angaben sind die Flüge dort inzwischen gelandet. Über Gomel sollen die Menschen mit Bussen in die Ukraine gelangen. Mit ihnen reiste auch der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez.
Der ukrainische Ombdusmann für Menschenrechte Lubinez hofft auf eine Vorbildfunktion für weitere Städte. mehr
Lubinez hatte am Abend via Telegram von mehr als 750 Menschen gesprochen, die die Möglichkeit hätten, die Stadt zu verlassen. Hierfür waren 25 Busse zur Verfügung gestellt worden. Wie viele Bewohnerinnen und Bewohner tatsächlich aus Oleschky gebracht worden sind, ist allerdings bislang noch unklar.
Russische Medien zitierten Lantratowa, wonach ein Teil der Bevölkerung "völlig ungehindert" nach Russland, der andere in Richtung Ukraine ausreisen konnte. Diejenigen, die die Stadt aus diversen Gründen nicht verlassen konnten oder wollten, seien mit humanitärer Hilfe versorgt worden. Ihren Worten nach seien die Menschen beiden Seiten sehr dankbar.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einem "guten Dialog", den Lantratowa und ihr ukrainischer Kollege Lubinez etabliert hätten. "Sie fangen langsam an, aneinander zu vertrauen." Für Menschenrechtsarbeit sei das gut und wichtig.
Es war die größte gemeinsame Aktion von Ukrainern und Russen seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Lantratowa und Lubinez dankten auch US-First-Lady Melania Trump für die Vermittlung einer mehrtägigen Waffenruhe und stellten mögliche weitere humanitäre Aktionen für notleidende Menschen in Frontstädten in Aussicht. Die Waffenruhe für das Gebiet Cherson, das teils von Russland, teils von der Ukraine kontrolliert wird, endet morgen Abend.
Oleschky liegt am Ufer des Flusses Dnipro, der in dieser Region als Frontlinie gilt. Das Gebiet ist daher schwer umkämpft. Seit 2022 ist Oleschky von Russland besetzt. Vor Kriegsbeginn lebten etwa 24.000 Menschen hier, zuletzt waren es Medienberichten zufolge etwa 1.500 bis 2.000 Bewohnerinnen und Bewohner.
In den vergangenen Monaten hatte sich in Oleschky eine humanitäre Katastrophe entwickelt. Denn die Stadt war monatelang weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Laut dem UN-Menschenrechtsbüro fand der letzte regelmäßige Lebensmitteltransport dorthin im Mai statt. Den Sommer über zehrten die Menschen dann noch von dem, was sie in ihren Gärten angebaut hatten, wie ARD-Korrespondent Florian Kellermann berichtet. Nun seien die Vorräte weitgehend erschöpft gewesen.
Dieses Thema im Programm: Das Erste | tagesthemen | 30.10.2026 | 22:15 Uhr