Skip to content
Faultline Prefer us on Google

Germany Tagesschau

Eralp reagiert auf Spiegel-Bericht

In nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Anmerkungen zu einem Spiegel-Interview sorgte sich Linken-Politikerin Elif Eralp um ihre Sicherheit. Nun bekräftigte sie, klar gegen Gewalt vorgehen zu wolle

Deutsch (original) ·Read in English ⇄

Nach Spiegel-Bericht Angst um eigene Sicherheit? Eralp reagiert Stand: 29.10.2026 • 17:04 Uhr

In nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Anmerkungen zu einem Spiegel-Interview sorgte sich Linken-Politikerin Elif Eralp um ihre Sicherheit. Nun bekräftigte sie, klar gegen Gewalt vorgehen zu wollen.

Die Berliner Linken-Fraktionschefin Elif Eralp ist am Donnerstag wegen eines "Spiegel"-Artikels in die Diskussion geraten. Dem Magazin zufolge wollte Eralp Teile eines Interviews nicht autorisieren, in dem der Hamas-Sympathisant Ibrahim Ibrahim namentlich genannt wird. Bei ihm handelt es sich um einen bekannten Aktivisten mit Nähe zur Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), die vom Verfassungsschutz als Terrororganisation eingestuft ist. Nach der Abgeordnetenhauswahl im September war Ibrahim Ibrahim auf einer Wahlparty der Linken Neukölln aufgetaucht. Autorisieren bedeutet die Freigabe von Zitaten, beispielsweise vor der Veröffentlichung von Wortlaut-Interviews. Dies gehört in Deutschland oftmals zur journalistischen Praxis.

Der "Spiegel" [Bezahlschranke] bezieht sich in seinem Bericht auf mutmaßlich interne Anmerkungen Eralps zu einem Interview. Diese seien versehentlich an das Magazin geschickt worden, heißt es. Aus den Anmerkungen geht dem Magazin zufolge hervor, dass Eralp eine Reaktion der genannten Person oder seiner Unterstützer fürchte. "Ich kann mich und meine Familie nicht für den SPIEGEL in Gefahr bringen", schreibt Eralp dem Bericht zufolge. Der "Spiegel" entschied sich nach eigenen Angaben, auch über die Anmerkungen zu berichten.

In Reaktion auf den Bericht des "Spiegel" gab Eralp am Donnerstagmittag ein öffentliches Statement ab. Sie wolle sich nicht konkret zu dem Bericht äußern, sagte Eralp und begründete dies damit, dass der "Spiegel" "private, interne Inhalte" veröffentlicht habe. Sie bekräftigte zugleich, als Regierende Bürgermeisterin für die Sicherheit aller Berlinerinnen und Berliner sorgen zu wollen.

"Ich werde ganz konsequent gegen jede Form von organisierter Kriminalität, Gewalt oder Terror vorgehen. Dafür stehe ich bei den Berlinerinnen und Berlinern im Wort und das werde ich auch durchsetzen", so Eralp. "Ich habe ganz klar gesagt, ich werde mich von niemandem einschüchtern lassen. Und dass man sich Sorgen um seine eigene Familie macht, das ist, glaube ich, ganz normal und selbstverständlich."

Eralp versucht derzeit, mit Grünen und SPD eine Koalition in Berlin unter ihrer Führung zu bilden. Die Linke war im September stärkste Kraft bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl geworden. Sie punktete insbesondere mit der Forderung nach der Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Einzelne Mitglieder der Linken in der Hauptstadt stehen aber wegen Antisemitismus-Vorwürfen, der Nähe zu radikalen Palästinensergruppen sowie kriminellen Clan-Mitgliedern in der Kritik.

Unterstützung bekommt Elif Eralp von den Grünen. Sie sprachen einer rot-grün-roten Koalition mit ihr als Regierenden Bürgermeisterin das Vertrauen aus. Zusammen würden sie die Bekämpfung von Antisemitismus, organisierter Kriminalität und Extremismus zu einem Schwerpunkt machen, teilte Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch mit. "Deswegen haben wir schon bereits in unserem Sondierungspapier vereinbart, dass wir bei der Sicherheit nicht sparen werden und dass wir eine besondere Priorität auf die Bekämpfung von Terrorismus, antisemitischer Hetze und Extremismus setzen werden."

Distanzierter hingegen klang der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat Steffen Krach. Es überrasche ihn nicht, dass Berlin ein Problem mit Organisierter Kriminalität habe, sagte Krach am Rande der konstituierenden Sitzung des neuen Parlaments. "Ich habe das auch im Wahlkampf immer gesagt, dass wir einen starken Verfassungsschutz benötigen, dass wir eine starke Polizei benötigen", sagte Krach – und fügte mit Blick auf die Linke hinzu: "Da gab es ja durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber." Jetzt sei umso klarer, dass man in der nächsten Legislaturperiode diesen Kampf gegen organisierte Kriminalität nochmal verstärken müsse.

Die CDU unterstellt Elif Eralp mangelnde Durchsetzungsfähigkeit. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Evers sagte, er sehe insbesondere seit der Wahl deutlich, dass Frau Eralp große Schwierigkeiten habe, ihre Positionen in der Fraktion durchzusetzen. "Und seit dem Spiegel-Artikel sehen wir auch deutlich, warum das so ist: Sie ist offenkundig limitiert in ihren Möglichkeiten und übt aus unterschiedlichen Gründen, die nicht nur politisch sind, hier Zurückhaltung", so Evers weiter. Evers stellte infrage, wie Eralp als Regierende Bürgermeisterin von Berlin die Sicherheit von Millionen Menschen gewährleisten wolle, wenn sie selbst Angst vor dem islamistischen Umfeld ihrer Partei habe.

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker teilte mit, der "Spiegel"-Bericht mache deutlich, dass das Thema Clan-Verbindungen bei der Linken "offenbar weit über den Fall des Bundestagsabgeordneten Koçak" hinausgehe. Grüne und SPD sollten die Koalitionsgespräche "umgehend beenden", forderte Brinker. Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Bodo Ramelow (Linke) kritisierte wiederum das Vorgehen des "Spiegel". Durch die Berichterstattung über eine interne Kommunikation werde "ein Mensch, der sich schutzlos fühlt, und dies intern kommuniziert, gezielt verletzt", so Ramelow gegenüber dem "Stern".

Sendung: rbb 88.8, 29.10.2026, 14:30 Uhr Audio: rbb 88.8, 29.10.2026, Natascha Gutschmidt

Originally published byTagesschau
Read the original