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Weltnaturkonferenz in Jerewan: Zwar einige Ergebnisse, aber es fehlt an Geld und Tempo

Nach zwei Wochen ist der UN-Naturschutzgipfel am Samstagmorgen beendet. Viele Länder fangen an, ihre Natur zu schützen, aber es dauert alles zu lange. mehr...

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Der UN-Naturschutzgipfel ist zu einem Abschluss gekommen und muss nicht in eine zweite Runde gehen. In einer samstäglichen Nachtsitzung haben sich die Mitgliedstaaten des Übereinkommens für Biologische Vielfalt im armenischen Jerewan auf ein Abschlussdokument geeinigt. Wichtige Fragen, etwa wie die Gelder, die Staaten und Unternehmens des globalen Nordens für den Naturschutz im globalen Süden bereitstellen, verwaltet und ausgezahlt werden, oder wie die 23 Ziele, die sich die Mitgliedsstaaten gesetzt haben, konkret umgesetzt werden sollen, sind aber offen geblieben.

Der Gipfel habe vor einem „schwierigen globalen Hintergrund“ stattgefunden, sagte Brian O'Donnell, Direktor der Umweltorganisation „Campaign for Nature“, doch gebe es Grund zu vorsichtigem Optimismus. „Die wachsende Zahl nationaler Biodiversitätspläne zeigt, dass der Ehrgeiz auf dem Weg zum 30x30-Ziel (also vom Schutz von 30 Prozent der Fläche bis 2030) ungebrochen ist“. Doch seien die Fortschritte nach wie vor viel zu langsam. „Neue Untersuchungen zeigen, dass die internationale Finanzierung für Schutzgebiete das zweite Jahr in Folge zurückgegangen ist: von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 2025“, kritisierte O'Donnell.

„Das Tempo und der Umfang der Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um der Biodiversitätskrise zu begegnen“, sagte An Lambrechts, Expertin für Biodiversitätspolitik bei Greenpeace International. Die in Jerewan abgegebenen politischen Versprechen zeugten zwar von guten Absichten, beseitigen jedoch nicht die zentralen Hindernisse für eine erfolgreiche Umsetzung. „Dazu gehören die unzureichende Finanzierung, fiskalische Zwänge und Schuldenlasten, die nahezu leeren Kassen des ‚Cali-Fonds‘ sowie die dringende Reform schädlicher Subventionen“, so Lambrechts.

„Die Weltnaturkonferenz in Eriwan hat eine ehrliche Bestandsaufnahme geliefert“, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). „Wir Europäer haben geschlossen und stark für die Natur verhandelt, aber es gab auch Bremser, die weniger Verantwortung übernehmen wollten, auch in finanziellen Fragen“, so der Minister. Mit dem UN-Hochseeschutzabkommen werden sich in den nächsten Jahren große neue Chancen für mehr Naturschutz in den wertvollsten Gebieten unserer Ozeane ergeben.

Auf konkrete Ergebnisse für den Schutz des Ozeans der Antarktis konnte sich die Weltgemeinschaft an anderem Ort allerdings nicht einigen. Nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen ging am Samstag im Tasmanischen Hobart nämlich auch die Jahrestagung der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) zu Ende. Weder wurde eines der vorgeschlagenen Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer beschlossen, noch neue Vorsorgemaßnahmen für Rettung des bedrohten Krills.

„Während sich der Klimawandel beschleunigt und der Fischereidruck sich zunehmend auf bestimmte Gebiete konzentriert, wird das Ökosystem des Südpolarmeers nach einem weiteren Jahr der Untätigkeit immer verwundbarer“, kommentierte die Antarctic and Southern Ocean Coalition, ein Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen, die sich für den Schutz der Antarktis einsetzen.

Ein handfestes und überprüfbares Ergebnis konnten die Mitgliedsstaaten der Biodiversitätskonvention in Jerewan fassen: Die nächste Naturschutzkonferenz in zwei Jahren wird im ecuadorianischen Quito stattfinden. In Armenien selbst hinterlässt der Gipfel der globalen Naturschutzbewegung ein zwiespältiges Bild. Der Politikwissenschaftler Eric Hacopian kritisierte in dem unabhängigen Onlinemedium CivilNet die armenische Regierung: Man habe die Chance nicht genutzt, um die wahren Probleme des Landes auf die internationale Agenda zu bringen.

So sollen Teile der Südprovinz Sjunik seit 2023 von Aserbaidschan besetzt sein. Dort habe das aserbaidschanische Militär Minen in einem Naturschutzgebiet verteilt, durch die immer wieder Bären oder andere Tiere sterben. Auch politische Probleme habe die Regierung vermieden: Seit dem zweiten Berg-Karabach-Krieg hält Aserbaidschan noch immer armenische Geiseln.

Aufmerksamkeit für die armenische Natur konnte der Gipfel allerdings herstellen. Proteste von armenischen Umweltaktivst:innen, vor allem gegen die Goldmine von Amulsar, fanden Eingang in die Berichterstattung. Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan hatte sie nur wenige Tage vor der Konferenz eröffnet. Auch die Umweltaktivistin Anna Shahnazarjan von der NGO „Armenian Environmental Front“ kritisiert die Rolle der armenischen Regierung während der COP17. Die Regierung habe sich aus der Verantwortung gezogen und über kritische Themen wie den Bergbau und die Goldmine nicht gesprochen.

Shahnazarjan sagte, Armenien habe lediglich die Rolle eines Eventveranstalters eingenommen, sei aber nicht wirklich Teilnehmer der Konferenz gewesen. Teil­neh­me­r:in­nen etwa aus der europäischen Verhandlungsdelegation hingegen hatten das Verhandlungsgeschick der armenischen Präsidentschaft hingegen gelobt.

Originally published bytaz
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