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Wahlen in Berlin, Israel und den USA: „Ich mache mir wirklich Sorgen um Eralp“
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t az: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?
Friedrich Küppersbusch: Steinmeier kommt langsam in Form.
Küppersbusch: Vielleicht reicht das noch, um die Latte für seine Nachfolge höher zu legen.
taz: In den sozialen Netzwerken machen sich Nutzer:innen über die Mainstream-Berichterstattung zu Elif Eralp und der Linken in Berlin lustig. Lachen Sie mit?
Küppersbusch: Jetzt mache ich mir wirklich Sorgen um Eralp. Säulen unseres Gemeinwohls wie die Grünen Kretschmann, Fücks, Sager, Bütikofer begannen ihren Weg bei der verfassungsfeindlichen Kadertruppe „KBW“. In der Hochblüte ihrer Karrieren machten gerade diese Figuren durch eine auffallend zäpfchenförmige Darbietung ihrer politischen Anliegen Eindruck; man muss gar befürchten, dass die Herkunft aus linken Sekten als Tumormarker für größte Anpassungsfähigkeit nach rechts zu lesen ist. Das darf Eralp nicht passieren.
taz: „Verhinderte Flugzeug-Katastrophe landet in Israels Wahlkampf“ stand als Titel über einem unserer Artikel. Haben Sie dazu Ergänzungen?
Küppersbusch: Naja, „Fliegender Reichstagsbrand“ wäre geschmackloser gewesen. Aber nicht unbedingt falscher. Noch während die Piloten abwechselnd Russen, Ukrainer, Omani, Inder waren, dschihadistisch, islamistisch oder geradeaus psychopathisch – feierte Netanjahu sich bereits für kompetentes Zugucken. Und lenkte so von dem Vorwurf ab, ernsthafte Warnungen vor dem Hamas-Terror am 7. Oktober 2023 ignoriert, verschlafen, weggewischt zu haben. Der deutsche Bundestagswahlkampf 2025 war von terroristischen Anschlägen überschattet, die mal islamistisch, mal antiislamistisch gedeutet wurden und emotional dröhnten, bevor sie ganz aufgeklärt waren. Im Ergebnis zahlte das auf Rechtsextreme ein. Wünschen wir Israel mehr Glück.
taz: Und weil wir dabei sind: „Muss die Wahl in Sachsen-Anhalt wiederholt werden?“, titelten wir. Muss sie? Sollte sie?
Küppersbusch: Klar, bis das Ergebnis stimmt. Nein, es geht um die rein rechtstaatliche Frage, ob die Landtagsfraktion die AfD – „Bürgerdialoge“ zu Unrecht bezuschusst oder finanziert hat. Und ob die deshalb unrechtmäßigen Veranstaltungen Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Übrigens hat auch die AfD-Bundestagsfraktion in 2026 bis zur Wahl mindestens 13 „Bürgerdialoge“ in Sachsen-Anhalt bezahlt, die in der Diskussion noch gar nicht aufgetaucht sind. Macht zusammen an die 30 Veranstaltungen, die wenig mit „Öffentlichkeitsarbeit der Fraktionen“ zu tun haben – nur das wäre legal – und viel mit Ulrichsiegmundverherrlichung – das wäre illegale Parteispende. In einem kleinen Bundesland mögen 30 Massenveranstaltungen schon als „mandatsrelevant“ bewertet werden. Denn am Ende entscheidet die Frage, ob die Manipulation Einfluss auf das Wahlergebnis hatte. Sonst muss nur die Kohle zurückgezahlt werden und alles ist wieder gut. Beziehungsweise schlecht. Ich hab’ dazu leider nur Kirchentagsgesäusel im Angebot: Der Rechtsstaat geht vor. Auch, wenn die AfD bei Neuwahlen noch besser ankäme oder ohne Neuwahlen mit Lügen durchkommt.
taz: Wie blicken Sie auf die Midterm-Wahlen in den USA? Zeichnet sich ein Trend ab oder hat er sich gar schon verfestigt?
Küppersbusch: Die Trump-Wahlsiege begannen stets mit dem schönen Satz „Die Democrats liegen in den Umfragen klar vorne“. Fragt mich nicht. Inzwischen geht es um vier Parteien in zweien: die Trumpisten, die untergehenden Republicans, die Establishment-Democrats und die Mamdani-OcasioCortez-Linken. Amerika wählt zwischen dem Fortbestand seines politischen Systems und seiner Zerstörung. Bizarr daran ist, dass das nur wenige bizarr finden.
taz: Wladimir Putin hat sich beim Waldai-Diskussionsforum in Moskau zum Krieg gegen die Ukraine und zum Verhältnis zur Nato geäußert. War was Friedensstiftendes dabei?
Küppersbusch: Putin hat mal wieder einen „entscheidenden Wendepunkt“ entdeckt, hinter dem eine „ungebremste Eskalation“ beginne, die er dem Westen und der Westen spornstreichs dafür ihm unterstellt. Nein, nichts Neues. Dass Kanzler Merz plötzlich als Pop-up-Kumpel von Selensky in Kiew auftaucht, darf man als Antwort lesen: Die militärische Unterstützung der Ukraine geht weiter. Im Zweiklang mit Wadephuls und Lawrows Treffen zum Zeichen der Nutzlosigkeit von Treffen wird ein Akkord daraus: der Ukraine militärisch helfen – und politisch. Hat ja nur 5 Jahre gedauert, bis die Deutschen mal auf die Idee kommen.
Küppersbusch: Testspiel bei Arminia Bielefeld ohne Fans, offenbar sind die noch gefährlicher als die Mannschaft und durften nicht ins Stadion. 2 zu 2.
Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und Herbstmeister.
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Source: taz