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US-Entwicklungshilfe in Kamerun: Das Blut, über das niemand spricht
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Über die Teeplantagen von Tole, an den Hängen des höchsten Berges Westafrikas – des Kamerunbergs –, zieht jeden Morgen der Nebel. Hier, im Departement Fako im Südwesten Kameruns, lebt die dreizehnjährige Eposi. Der seit Jahren schwelende Separatistenkonflikt um den englischsprachigen Landesteil hat das Mädchen, ihre Geschwister und ihre Mutter aus dem etwa 100 Kilometer entfernten Dorf Ebonji vertrieben.
Als ältestes Kind trägt Eposi vor und nach der Schule Verantwortung wie eine Erwachsene – sie holt Wasser, kocht Mahlzeiten und kümmert sich um ihre jüngeren Geschwister, während ihre Mutter auf der Teeplantage in Tole arbeitet. Der Lohn reicht kaum aus, um Essen, Miete und Schulgebühren zu decken.
Wenn Eposis Periode einsetzt, reißt sie Streifen aus abgenutzten Stoffresten, die ihre Mutter nicht mehr benutzt, faltet sie sorgfältig in ihre Unterwäsche und betet, dass sie den Tag überstehen. Das tun sie selten.
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Jeder Monat bringt dieselbe Angst mit sich: Blut, das durch ihre Schuluniform sickert, Klassenkameraden, die es bemerken, Gelächter, das tiefer schneidet als der Stoff, auf den sie sich verlässt. „Ich gehe während meiner Periode nicht gern zur Schule“, sagt sie. „Ich habe Angst, dass die anderen Kinder mich auslachen.“ So sitzt sie im Unterricht steif da, vermeidet es, aufzustehen oder Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Manchmal bleibt sie einfach zu Hause.
Nach einer Erhebung des UN-Kinderhilfswerks Unicef aus dem Jahr 2024 haben 70 Prozent der menstruierenden Frauen und Mädchen keinen Zugang zu grundlegenden Hygieneartikeln. 17 Prozent der Mädchen versäumen aufgrund unzureichender Menstruationshygiene die Schule.
In Kamerun leben rund eine Million Binnenvertriebene, etwa die Hälfte davon sind Kinder, rund ein Viertel davon dürften Mädchen sein. Für Mädchen, die bereits durch Konflikte entwurzelt sind, ist die Menstruation ein zusätzliches Hindernis für ihre Bildung geworden.
Zudem sind durch den Konflikt nach UN-Angaben fast 2.500 Schulen geschlossen, rund 850.000 Kinder sind davon betroffen. Für jugendliche Mädchen bedeutet dies meist auch, dass sie nicht über Menstruationsgesundheit aufgeklärt werden.
Bis 2026 versuchte die Regierung Kameruns über ihr Programm zum Management der Menstruationshygiene Partnerschaften mit NGOs einzugehen, um Abhilfe zu schaffen. Eine davon ist „Vision in Action Cameroon“ (Viac). Die gemeinnützige Organisation schickte Pädagog*innen an Schulen und in Dörfer. Sie klärten Mädchen über ihren Körper auf und verteilten Hygiene-Sets, bildeten Gleichaltrige und Gemeindevorsteher*innen als Multiplikator:innen aus.
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Die Streichungen der US-Auslandshilfe durch die als DOGE bezeichnete temporäre Initiative der US-Regierung unter der Leitung von Elon Musk traf Viac hart. „Wir mussten die Gehälter um fast 50 Prozent senken und Mitarbeiter entlassen“, sagt Viac-Geschäftsführer Peter Fongeh. „Programme für Menschen mit Behinderungen, für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten und sogar für sichere Abtreibungen – all das wurde über Nacht eingestellt.“
Die Auswirkungen waren unmittelbar spürbar. Mädchen griffen wieder auf unsichere Praktiken zurück: Sie benutzten Schaumstoff, Watte oder Lumpen, um mit ihrer Periode umzugehen. „Ein Mädchen erzählte uns, dass sie einen Schwamm benutzt, um das Blut aufzusaugen, ein anderes sagte, sie stopfe sich Baumwolle hinein, um ihn zu stoppen“, sagt Fongeh. „Das ist die Realität, wenn Aufklärung und Hilfsmittel verschwinden. Die Menstruation wartet nicht.“
Wegen der Kürzungen musste Viac eine der wenigen Hotlines für sichere Schwangerschaftsabbrüche einstellen. „Wir wissen, welche negativen Auswirkungen das hat“, sagt Fongeh. Die Müttersterblichkeit werde steigen, weil Frauen wieder auf traditionelle, wenig wirksame Verhütungsmethoden zurückgreifen. Die Gemeinden bitten um Hilfe, aber Viac könne diesen Bitten nicht mehr nachkommen. „Die Kürzung der Mittel bedeutet, Leben zu kürzen.“
Der Zusammenbruch der Hilfsprogramme hat auch Jobs zerstört. Sakwe Theophilus arbeitet bei Cosmo, einer kirchlichen Organisation, die bis 2025 unter anderem von USAID finanziert wurde und unter anderem HIV-infizierte Kinder und deren Familien unterstützt. Theophilus organisierte Veranstaltungen und leitete Freiwillige an. „Ich kämpfe ums Überleben“, sagt er nun. „Das Wenige, das ich verdiente, hat meine Familie ernährt. Ich dachte, die Arbeit würde weitergehen, weil der Bedarf endlos war.“
Tallah Thierry arbeitete bei einem von USAID finanzierten HIV-Präventionsprogramm. Dessen Einstellung nennt er einen „schweren Schlag“. Formal arbeitslos, besucht er die Gemeinden dennoch ehrenamtlich weiter, um nach den Jugendlichen zu sehen, die auf die Hilfe angewiesen waren. „Ich musste auf dem Arbeitsmarkt ohne Hoffnung von vorne anfangen“, sagt er.
Lokale NGOs kratzen nun Spenden zusammen, um einen Teil der Aufklärungsarbeit am Leben zu erhalten. Die Kürzungen können sie bei Weitem nicht ersetzen. Freiwillige und wohlwollende Einzelpersonen springen ein, wo sie können, doch ihre Mittel sind begrenzt.
„Wir halten uns mit Hilfe von Freiwilligen über Wasser“, sagt Viac-Geschäftsführer Fongeh. Die NGO bietet Schulungen für die Herstellung wiederverwendbarer Binden an. Doch ohne Mittel sei auch das schwierig.
Auf 11,76 Millionen US-Dollar beziffert Kameruns Regierung die fehlenden Mittel für das laufende Jahr für Hilfen im Hygienebereich. Ohne Investitionen wird die Aufklärung über Menstruationshygiene weiter zurückgehen – insbesondere in Konfliktgebieten, in denen staatliche Dienstleistungen rar sind.
Menstruationsgesundheit sorgt selten für Schlagzeilen. Es fehlt ihr die Dringlichkeit von Krieg oder Hungersnot. Doch wenn sie fehlt, verändert das das Leben – durch Schulversagen, verstärkte Scham und steigende Gesundheitsrisiken. Das Schweigen rund um die Menstruation ist selbst Teil der Krise. Lehrkräfte, die häufig nicht ausreichend geschult sind, vermeiden das Thema. Und Mädchen wie Eposi wachsen auf, ohne ihren Körper zu verstehen, und verinnerlichen die damit verbundene Stigmatisierung, die sie noch weiter isoliert.
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Source: taz