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Um- und Abbau im ÖRR: Schall und Rauch
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G roße Aufregung in Köln am Rhein. Nein, Oliver Pocher hat nicht zur Privatisierung des WDR aufgerufen. Der an Aufmerksamkeitsmauser leidende TV-Papagei hatte lediglich Medienstaatsminister Wolfram Weimer nachgeplappert und das ZDF gemeint. Aber dass bei den Öffentlich-Rechtlichen zu viel Programm im Programm sei, findet der bekannte Medienpolitiker Pocher auch.
Dabei hat doch eben dieser WDR gerade angekündigt, zu schrumpfen. Von aktuell 600 Angeboten sollen nur noch 300 übrig bleiben, und davon garantiert keins von oder mit Pocher. Immerhin ist mit der Schrumpfkur auch ein Umstieg ins Digitale mit 100 neuen Angeboten verbunden.
Denn nicht nur beim WDR wird’s mit dem digitalen Ernstmachen Zeit. Einfach Zeugs in die Mediatheken kippen reicht nicht, zeigt die neueste Forschung von ARD und ZDF. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit dem Dialog. Klar, „Publikumsdialog“ steht mittlerweile fast überall drauf. Aber wirklich ankommen tut davon beim breiten Publikum noch nicht sehr viel.
Immerhin, die Lage ist besser als vor zehn Jahren, wo Dialogideen innerhalb der ARD und auch von der damaligen WDR-Spitze die kalte Schulter gezeigt wurden. Als der MDR als ARD-Vorsitz anno 2016 die Plattform ARDialog vorschlug, die nach dem Motto „Fragt uns einfach“ funktionieren sollte, war das nicht mehrheitsfähig. Was noch sehr höflich formuliert ist.
Jetzt ist die Botschaft endlich angekommen. Aber ARD wie ZDF rücken dem Dämon Dialog immer noch arg formal zuleibe. Sie haben gerade zum Beispiel eine „gemeinsame Formatidee für gesellschaftlichen Dialog“ ausgeschrieben.
Gesucht wird ein „nonfiktionales Kulturformat“ mit einer „starken erzählerischen Idee, das viele Menschen erreicht und im Gedächtnis bleibt“. Es soll „Überzeugungen und Lebenswelten zusammenbringen, die sich sonst selten wirklich begegnen“, was eine Herausforderung ist und leicht auch verkrampft werden könnte.
Die Kreativität soll sich daher auf engen Bahnen bewegen, denn die Zielgruppe ist exakt vermessen. „Zur internen Einordnung dienen die ZDF-Zielgruppen CC2 und CC3 sowie die ARD-DMT-Gruppen Ambitionierte und Neokulturelle.“ Was das ist, müssen Bewerber*innen selbst nachschlagen.
Zusätzlich soll das Format auch „ein PSI-Element integrieren, das seine gesellschaftliche Dimension konkret erfahrbar macht“. PSI steht für „Public Spaces Incubator“, ein Forschungsprojekt, bei dem ARD und ZDF gemeinsam mit anderen ÖRR-Anstalten gerade neue Dialogformen wie den „Audience Input“ entwickeln.
Bei dem können „User Fragen an eine Sendung, eine Redaktion oder einzelne Personen“ stellen oder „Feedback hinterlassen“. Verrückt, das erinnert fatal an den ARDialog auf Englisch. Und ob es funktioniert, wird ganz entscheidend vom „Output“ der Sender, Redaktionen oder einzelner Personen bei ARD und ZDF abhängen.
Solange da kein echter Dialog stattfindet, ist auch die bestvermessene Formel nur Schall und Rauch. „Trotz großer Aktionen bleiben bislang nur kleine Spuren zurück, die noch nicht ausreichen, um Deutschland zu verbinden“, sagt die Mitbewohnerin.
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Source: taz