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Tove Ditlevsen-Inszenierung in Bremen: „Es war sehr schön, einmal ohne Männer zu arbeiten“
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taz: Frau Behrens, wann war Ihnen klar, dass bei Ihrer Inszenierung der „Kopenhagen Trilogie“ Männer auf der Bühne nichts zu suchen hätten?
Anja Behrens: Für mich stand das nicht von vornherein fest. Es hat sich in der Zusammenarbeit mit Regula Schröter, der Dramaturgin, bei der Entwicklung des Stücks ergeben. Dabei wurde uns immer klarer: Es geht uns darum, uns mit dem Stück sozusagen in Tove Ditlevsen hineinzubegeben, die Autorin dieser drei Romane, in ihr Leben und in ihr Denken. Davon hätten die Männer abgelenkt, wenn sie als echte Personen aufgetreten wären.
taz: In den Aufführungen, wo diese Entscheidung anders getroffen wurde, ziehen die Gegenspieler auf der Bühne besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Bei Ihnen fokussiert sich alles auf die Protagonistin, die von drei Akteurinnen gespielt wird …
Behrens: Die drei gehören ja unterschiedlichen Schauspielerinnengenerationen an – und konnten dadurch jede aus ihrer Sicht etwas einbringen, eigene Erfahrungen. Auch dafür war dieser gleichsam geschützte Raum ein Vorteil. Ich mache das nicht aus Prinzip, aber es war hier einfach auch sehr schön, einmal ohne Männer zu arbeiten.
taz: Einen fulminanten Auftritt legt dagegen die Schrift hin, fast schon als eigenständige Person?
„Die Kopenhagen-Trilogie“ nach den Romanen „Kindheit“, „Jugend“, „Abhängigkeit“ von Tove Ditlevsen, Theater Bremen, Kleines Haus, wieder am 13. 9. und 4. 10. um 18.30 Uhr sowie am 26.9. und 24. 10., 19.30 Uhr
Behrens: Das wusste ich von Anfang an, dass das so sein musste. Ich habe Tove Ditlevsen ja durch ihre Gedichte kennengelernt: Als ich nach Kopenhagen gegangen bin, konnte ich noch nicht so gut Dänisch, und Lyrik in einer Fremdsprache, das fällt einem ja oft schwer. Ditlevsens Gedichte waren die ersten, zu denen ich auf Dänisch einen Zugang gefunden habe. Von denen habe ich mich angesprochen gefühlt, auch, weil ich den Eindruck hatte, dass dieses Schreiben einen körperlichen Aspekt hat, dass sie ihren Körper in das Schreiben legt.
taz: Deshalb ist Schrift in Textfahnen so präsent und das Schreiben selbst wird zur markantesten Bühnenhandlung?
Behrens: Ja. Auch das hat sich natürlich im Zusammenspiel mit Bühnenbildnerin Laura Rasmussen konkretisiert. Es schien uns auch sehr gut zu der Zeit zu passen, in der Tove Ditlevsen ihre Romane geschrieben hat: Das war die Epoche, in der bei Happenings gerade Künstlerinnen ihren Körper selbst als Kunstwerk in Szene gesetzt haben, in der auch viel mit Körperabdrücken gearbeitet wurde …
Regisseurin, stammt aus Hamburg, lebt in Dänemark wo sie an der Danske Scenekunstskole studiert hat. Ihre Inszenierungen wurden im gesamten dänisch- und deutschsprachigen Raum aufgeführt.
taz: … und bei Ihnen sind die halt in Druckerschwärze statt in Yves Klein-Blau. Das passt zu Ditlevsens fragmentierender Poetik des Erinnerns und drängt die lineare Logik der Prosa etwas zurück.
Behrens: Das Fragmentierende scheint mir wirklich wichtig für ihre Art zu schreiben. Aber ich sehe das nicht notwendig in Konkurrenz zum linearen Erzählen. Das Lineare ist ihr nicht fremd, bis zum Trivialen oder Banalen ist alles bei ihr vorhanden. Oft geht es ihr darum, einfach die Handlung voranzutreiben. Sie will sich davon nicht abheben. Und ich glaube, gerade das ermöglicht es vielen, bei ihr anzudocken. Ihre Leser*innen merken einfach: Das was in diesen Texten vor sich geht, hat mit ihnen zu tun, mit ihrer Gegenwart, auch wenn es aus einer anderen Zeit und Lebensphase stammt.
taz: Dann ist auch die Verdreifachung der Protagonistin in der Inszenierung nicht einfach eine Abbildung der Lebensphasen des Ich ihrer autofiktionalen Romane?
Behrens: Nein, das wäre ja langweilig gewesen. Es ist sinnvoll, für die eine Repräsentanz zu finden, aber eben auch wichtig, dass in jeder der Akteurinnen ein junges Mädchen wohnt, das nicht sterben will, wie Ditlevsen in einem Gedicht schreibt.
taz: Also kann Irene Kleinschmidt ebensogut das Kind sein wie Youngster Emma Floßmann?
Behrens: Genau. In der Zersplitterung der Hauptfigur soll dennoch eine Einheit wahrnehmbar bleiben.
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Source: taz