Germany · taz · · 2h
„Thiel shall not pass“: Queere Gandalfs gegen Thiel-Springer-Geschmuse
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Für seinen „unvergleichlichen Beitrag für die Resilienz der Demokratie“ wird der paläolibertäre Tech-Unternehmer Peter Thiel am Donnerstag mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet. Der Verlag lobt den Millionär als „Nonkonformisten“. Diese Einschätzung von Mathias Döpfners Verlag steht im ironischen Kontrast dazu, wie Thiel sich seit Beginn des Jahrhunderts für die Abschaffung der Demokratie einsetzt. Er arbeitet eng mit rechten und autokratischen Politikern zusammen, etwa in den USA mit Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident J. D. Vance.
Gegen die Verleihung wird zu Protesten vor dem Springer-Haus am Donnerstag aufgerufen. Unter dem Motto „Thiel shall not pass“ organisieren Aktivist*innen aus dem Umfeld vom Berliner Chaos Computer Club (CCC) zu kreativem Protest.
F��r den Nachmittag wurde ein „Teach-in“ vor dem Springer-Haus angemeldet. „Ein Sit-in mit wissenschaftlichem Input“, erklärt der Initiator Christopher Coenen. Der Politologe arbeitet am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und beobachtet kritisch den Einsatz von Palantir in Baden-Württemberg: Dort habe die Grünen-Basis mit über 90 Prozent gegen den Einsatz von Palantir gestimmt, berichtet er. Auf Bundesebene ist bisher nur die Linke die kritische Gegenstimme bei KI-Gesetzgebung und gegen den Einsatz von Palantir bei Polizei und Verfassungsschutz.
Beim Teach-in sprechen Wissenschaftler*innen aus Informatik und Politikwissenschaft. Enno Park beschäftige sich mit Peter Thiels Obsession für die Welten von J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“. Das zeigtsich laut Coenen nicht nur in der Benennung der Produkte – Begriffe wie „Palantir“ und „Andúril“ stammen aus der Tolkien-Welt – sondern auch in der Tiefenschicht, so Coenen.
Thiel behaupte etwa, die Bösewichte aus Tolkiens Fantasy-Reihe, Saroman und Sauron, würden missverstanden werden, so Coenen. Darin sieht er den Ursprung für die transhumanistische Ideologie und auch zu Thiels Selbstwahrnehmung als „Antichristen“.
Eine Kundgebung aus queeren Gandalfs soll abends vor dem Springer-Haus zusammenkommen. Die Initiator*innen rufen auf, sich als queere Gandalfs zu verkleiden. Damit werde auch Thiels Kampf gegen queere Lebensrealitäten adressiert, so Sprecher Ludwig Grosser. Er hofft auf 1.000 Teilnehmer*innen vor dem Springer-Haus. Zumindest war das der Plan: Eine Pressesprecherin sagte der taz, die Polizei habe den Ort der Kundgebung alleine am Mittwoch dreimal verschoben. Grund: „Peter Thiel will davor sein Auto parkieren.“
Ludwig Grosser pflege ein Netzwerk zu ähnlichen Protesten in Skandinavien und Neuseeland. Die Aktion am ist inspiriert vom Protest „Thiel shall not pass“ diesen Juni in Argentinien, so Grosser. Dort kooperiert Thiel mit dem Präsidenten Javier Milei, der sich dem Anarchokapitalismus zuordnet. Diesen Sommer bezog Thiel seinen dauerhaften Wohnsitz im Botschaftsviertel von Buenos Aires, berichtete der Spiegel.
Eslem Demirel arbeitete früher selbst in einer „Big Tech“-Firma. Heute organisiert sie Proteste gegen Palantir. Ihr Anliegen ist, Mitarbeiter*innen in der Tech-Branche über ihre Rechte aufzuklären. Bei Big Techs wie Google, Meta und Amazon unterschreibe man zwar einen „Code of Conduct“, um den Zweck der Softwares mitzubestimmen, die sie selbst schreiben. Trotzdem würden Softwares zu Kriegszwecken benutzt.
Demirel ist Teil der israelkritischen Kampagne „No Tech for Apartheid“, die das „Project Nimbus“ zwischen Google, Amazon und Israel bekämpft. Die Kampagne kläre Mitarbeiter*innen darüber auf, wie sie von ihrem Recht Gebrauch machen, über den militärischen Einsatz der von ihnen geschriebenen Software mitzubestimmen.
Laut Eslem Derimel dominiert ein Narrativ: „Die Maschine ist gefährlich, also brauchen wir mehr Geld, um sicherzugehen, dass kein Schaden entsteht.“ Für Demirel sei es aber vielmehr eine Entscheidung des Designs, „ob eine KI ins Internet gestellt wird oder als Waffe eingesetzt wird“. Sie vergleicht es mit einem Brotmesser: Die Designerin entwirft es als Küchengerät, aber ob es als Mordwaffe benutzt wird, entscheiden andere.
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Source: taz