Faultline Faultline Kommando 161

Politics · taz · · 2h

Streit nach der Berlin-Wahl: Alle schauen wieder auf diese Stadt

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D ie Drohung aus Bayern kam bajuwarisch breitbeinig. Sollte Berlin nach der Wahl vom vergangenen Sonntag tatsächlich von der Linkspartei regiert werden, so posaunte es Markus Söder bei der CSU-Fraktionsklausur in Kloster Banz heraus, dann werde man den Länderfinanzausgleich noch einmal auf den Prüfstand stellen: „Uns nervt es langsam ohne Ende, dass wir für die Schwäche anderer und für falsche Politik am Ende bezahlen sollen.“

Nicht einmal Verträge sind für den Söder Markus also mehr heilig. Denn auch der kürzlich unterzeichnete Hauptstadtfinanzierungsvertrag könne in diesem Fall noch einmal aufgedröselt werden, so Söder. Pacta sunt servanda? Nicht, wenn in Berlin eine Linke namens Elif Eralp regiert! Ganz schwere Geschütze fahren da die Bayern auf. Und sind nicht die einzigen. „Markus Söder hat Recht“, assistierte der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). „Kein Steuergeld für Antisemiten und Linksextremisten.“

Da fragen sich die geneigte Berlinerin und der ebenso geneigte Berliner natürlich, was die beiden Hilfspolizisten im Namen der „richtigen“ Politik sonst noch aus ihrer Westentasche zaubern. Steht demnächst die Bundespolizei vor dem Roten Rathaus in Berlin und kontrolliert den Eingang?

Den jetzt bisher geschriebenen Zeilen dieses Textes hier wohnt natürlich eine gewisse Ratlosigkeit inne. Denn außerhalb Berlins wird die Forderung, einem linksregierten Berlin den Geldhahn zuzudrehen, rege Zustimmung finden. Aus dem Sehnsuchtsort, in den es einmal alle zog, die den Mief der Provinz hinter sich lassen wollten, aus diesem must have großstädtischen Lebensgefühls, ist schon längst das Drecksloch geworden, in dessen händereibender Abneigung sich die Republik kollektiv verbrüdert und verschwestert. Zu babylonisch. Zu versifft. Zu failed.

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

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Und ohne Geld vom Bund, reiben sie sich die Hände wund, fehlt nicht viel, und irgendwer kann Berlin endlich den Gnadenschuss geben. Dabei ist vieles an dem, worüber über Berlin die Nase gerümpft wird, nicht einmal falsch. Die Müllberge häufen sich, an manchen Ecken lässt sich die Evidenz der Broken-Windows-Theorie im Minutentakt nachweisen. Und wenn die Dreckecken weggeräumt werden, entstehen sie an anderer Stelle neu. Pfui!

Aber Berlin ist eben nicht nur dreckig, es ist auch verdammt teuer. Auch deshalb hat die Linke, die „Berlin bezahlbar machen“ will, die Wahl gewonnen. Gibt es Mieten, die durch die Decke gehen, nicht auch in München? Oder sogar in Wiesbaden? Warum also kein Mietendeckel auch dort? Die Bundesregierung müsste die Länder dazu nur mit einer Öffnungsklausel ermächtigen.

Bislang davon? Nix da. Was sind schon in einem Flächenland die Probleme der Städte. Und wenn es hart auf hart kommt, dreht der bayerische Breitbeiner womöglich der eigenen Landeshauptstadt den Geldhahn zu, weil die jetzt grün regiert wird. Zuzutrauen wäre es ihm.

Bei allem Scherzen, zu dem das Thema einlädt: Den Gestus der Provinz, mit dem der Bayer und der Hesse den konservativen Großstadthass vortragen, hat eine Vorgeschichte. Es ist die Großstadtkritik der Weimarer Republik. Sauberes Land gegen dreckigen Moloch. Wohin das führt? Gerade läuft im Fernsehen wieder „Babylon Berlin“.

Ziemlich ernst ist die Angelegenheit auch, weil die Drohungen gegen ein linkes Berlin stärker ausfallen als gegen ein womöglich AfD-geführtes Sachsen-Anhalt.

Also erst einmal Klappe halten da unten im Süden. Denn wir im Norden können auch anders. Wenn ihr uns kein Geld mehr schickt, nutzen wir die Windkraft halt für uns und stellen euch den Strom ab.

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Source: taz