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Politics · taz · · 2h

Streit über Bahnstrecke Hamburg–Hannover: Nun also doch ein Neubau

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Es ist heutzutage selten, dass trotz massiver Widerstände der Bau einer komplett neuen Bahnstrecke in Deutschland beschlossen wird. Ebenso ungewöhnlich ist die Allianz, die nun jubelt: Von Wirtschaftsverbänden über CDU-Lokalpolitiker:innen bis hin zu Klima- und Ver­kehrs­wen­de­ak­ti­vis­t:in­nen wird die Einigung der Ver­kehrs­po­li­ti­ke­r:in­nen von Union und SPD im Bundestag zum Bau einer zusätzlichen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover gefeiert.

Die vorhandene Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover macht einen relativ großen Bogen über Lüneburg, Uelzen und Celle und gilt in Teilen als völlig überlastet. Abhilfe schaffen soll deshalb eine zusätzliche Trasse, die ohne größeren Umweg und in weiten Teilen entlang der Autobahn 7 verlaufen soll, ehe sie bei Celle an die bestehende Strecke Richtung Hannover angebunden wird.

Mehrere Ziele würden damit erreicht, wie die Ver­kehrs­po­li­ti­ke­r:in­nen der Koalition in ihrer Beschlussempfehlung für das Bundestagsplenum in der kommenden Woche aufzählen: Die „bestehenden verkehrlichen Engpässe auf der Bestandsstrecke“ würden aufgelöst; die Fahrtzeit im Fernverkehr würde sich zwischen den beiden Städten um 18 Minuten auf unter eine Stunde reduzieren; der Neubau würde die Region um die Städte Soltau und Bergen „erstmalig direkt und schnell auf der Schiene an die Metropolen Hamburg und Hannover“ anbinden; außerdem würde die Trasse den sogenannten „Seehafenhinterlandverkehr“ zum beziehungsweise vom Hamburger Hafen stärken.

„Die Koalition scheint erkannt zu haben, dass nur diese Neubaustrecke endlich die notwendigen Entlastungen für Pendlerinnen und Pendler sowie den Schienengüterverkehr auf der überlasteten Strecke Hamburg–Hannover schaffen kann“, sagt Kay Rabe von Kühlewein vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) Niedersachsen. Auch in Hamburg und Hannover sowie entlang der überlasteten Strecke ist die Freude groß.

Doch gibt es auch seit Jahrzehnten einen massiven Widerstand gegen den Neubau: In der ganzen Region vom Landkreis Harburg im Norden hinunter durch die Lüneburger Heide bis in den Landkreis Celle finden sich die meterhohen rot-gelben Holzkreuze, die als Protestsymbol auf den Feldern stehen. Lokale Bür­ge­r:in­nen­in­itia­ti­ven beklagen, dass Orte und Landschaften zerschnitten würden. Auch der Naturschutzbund (Nabu) ist strikt gegen den Neubau. „Eine leistungsfähige Bahn und Naturschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagt der Landesvorsitzende Holger Buschmann.

Hinzu kommt: Die Geg­ne­r:in­nen fühlen sich betrogen. In einem langwierigen Prozess war 2015 ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessengruppen unter dem Schlagwort „Variante Alpha E“ geschlossen worden, der im Kern einen Ausbau der Bestandsstrecke vorsah. Auch deshalb hatte, anders als die Koalitionspartner von den Grünen, die niedersächsische SPD unter ihrem Ministerpräsidenten Olaf Lies zuletzt massiv versucht, die nun erfolgte Entscheidung zu blockieren.

Diese Einigung sei jedoch veraltet, entgegnen die Ver­kehrs­po­li­ti­ke­r:in­nen von der Union und der SPD in ihrem Beschluss. „Nach dem heutigen Planungs- und Erkenntnisstand reicht ein ausschließlich auf den Ausbau der Bestandsstrecken gestütztes Konzept jedoch nicht aus, um insbesondere die erforderlichen Kapazitätssteigerungen zu erreichen.“ Gleichwohl sollen derlei „Abstimmungsprobleme und Missverständnisse“ künftig vermieden werden. Damit sich die Situation auf der bestehenden überlasteten Strecke nicht erst mit der Fertigstellung der neuen Trasse verbessert, soll die ohnehin für 2029 anvisierte Generalsanierung durch die Deutsche Bahn ein „ergänzendes Maßnahmenpaket“ erhalten.

Die Kosten für das Neubauprojekt werden auf rund 8,8 Milliarden Euro beziffert. Die nötigen Mittel für die weiteren Planungen sollen im Bundeshaushalt 2027 bereits eingeplant sein. Bis zu einer Fertigstellung der Strecke dürfte es allerdings noch mindestens bis in die 2040er-Jahre dauern.

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Source: taz