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Germany · taz · · 2h

Sommer und Krabbelviecher: Trockenheit macht Insekten zu schaffen

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dpa | Trockene Sommer setzen vielen Insekten in Deutschland zu. Auch in diesem Jahr hat es in der warmen Jahreszeit viel zu wenig geregnet. Manchen Arten fehlen Wasserstellen zum Eierlegen, anderen feuchte Wiesen für die Nahrungssuche. Doch manche profitieren auch. Ein Blick auf die Lage bei Stechmücken und Schmetterlingen.

Viele Menschen in Deutschland dürften diesen Sommer weniger juckende Mückenstiche gehabt haben als sonst. „Aus Sicht der Mücken lief der Sommer schlecht“, sagt Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. Es seien deutlich weniger heimische Mücken unterwegs gewesen als in anderen Jahren.

Heimische Arten mögen es feucht und warm. Doch in diesem Sommer hat es viel zu wenig geregnet. „Wo keine Brutstätten sind, sind auch keine Mücken“, so die Biologin.

Mücken legen ihre Eier in stehendem oder langsam fließendem Wasser ab, zum Beispiel in Teichen, Gießkannen oder Regentonnen. Die Regentonnen seien zwar gefüllt gewesen, sagt Werner. Wenn es geregnet habe, sei der Regen aber so heftig heruntergekommen, dass die Eier und Larven vielfach aus den Tonnen gespült worden seien.

Ein für die Tiere schlechtes Jahr bedeute aber nicht, dass es ihnen anhaltend schlechter gehe. „Die Mücke kann mehrfach eine Brut mit jeweils zwischen 250 bis 300 Eiern legen“, so die Biologin. „Eine heruntergefahrene Population kann sich so relativ schnell wieder aufbauen.“

Auch jetzt noch seien die heimischen Mücken aktiv. Die Larven schlüpften noch bis in den Oktober hinein. „Sie stechen noch, aber es gibt kein vermehrtes Auftreten mehr.“ Die Tiere bereiteten sich auf die Winterruhe vor. „Jetzt im Herbst kommen ganz viele Hausmücken in den Wohnbereich rein. Sie suchen ein Plätzchen zum Überwintern, das frostfrei ist.“

Ganz anders als bei den heimischen Mückenarten sah es nach Angaben der Expertin bei den invasiven Arten aus. „Die Tigermücke und die Buschmücke erobern Deutschland“, sagt Werner. Die hohen Temperaturen spielten den Tieren in die Hände.

Zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut betreibt das ZALF den sogenannten Mückenatlas. Bürgerinnen und Bürger können dort gefangene Mücken einsenden, die wissenschaftlich bestimmt und auf Krankheitserreger untersucht werden. Sie habe dieses Jahr sehr viele Tigermücken zugesandt bekommen, vor allem aus Süd- und Mitteldeutschland, so Werner. Die Funde nähmen stetig zu.

Bei Schmetterlingen sieht die Bilanz gemischt aus, wie Agrarbiologe Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erklärt. Bei den Faltern habe es in den letzten Jahren insgesamt doppelt so viele Verlierer wie Gewinner gegeben. Vor allem feuchtliebenden Arten gehe es angesichts der Trockenheit schlecht. „Der Rückgang ist bei einigen Arten frappierend.“

In Deutschland gibt es laut Settele etwa 3.700 Tag- und Nachtfalterarten, darunter knapp 200 Tagfalterarten.

Schwer hätten es auch Arten, die sich von Kräutern auf Wiesen ernährten. „Wenn wir uns dieses Jahr das Grünland angeschaut haben, waren viele Wiesen und Weiden aufgrund der Trockenheit nicht mehr grün.“ Falter, die darunter litten und stark zurückgegangen seien, seien die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge. Der Falter lege ausschließlich auf dem Großen Wiesenknopf seine Eier ab. Die Pflanze wächst dem Biologen zufolge auf wechselfeuchten bis nassen Wiesen und kommt bei Trockenheit seltener vor. Zudem überwinterten die Raupen in Ameisennestern, die ganzjährig feuchte Bedingungen benötigten.

Manche wärmeliebenden Arten hingegen profitierten vom Klimawandel und breiteten sich weiter aus, so der Experte. Ein Beispiel sei der Segelfalter. „Früher war das eine ganz seltene, hochgefährdete Art.“ Inzwischen gehe es dem cremefarbenen Falter mit den schwarzen Streifen sehr gut. „Der fliegt bei uns im Garten, was eigentlich ganz ungewöhnlich ist.“

Der Falter habe den Vorteil, dass er sich von Pflanzen und Sträuchern ernähre, die tiefer wurzelten und daher weniger anfällig für Trockenheit seien.

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Source: taz