Kommando 161 Faultline Kommando 161

Germany · taz · 2h

Shortlist zum Deutschen Buchpreis: Alles Gewinner:innen?

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis ist veröffentlicht, und was alle nominierten Romane eint, ist, dass alle sich auf sie einigen können. Es scheint fast, als hätte die Auswahl gar nicht anders ausfallen können, trägt man die Superlative zusammen, mit denen die sechs Bücher in verschiedenen Medien körbeweise bedacht worden sind. Oder haben sich die Maßstäbe verschoben? Was bedeutet es, wenn die FAZ den (zu Recht) nominierten „Schleifen“ von Elias Hirschl (Zsonay) ein „Hinausgreifen meilenweit über das Übliche des Literaturgeschäfts“ attestiert?

Nun, die Lobesbekundungen: Shida Bazyars Heimatanbohrung „Die Lücken“ (Kiepenheuer & Witsch) sei der „bemerkenswerteste deutsche Roman dieses Bücherherbstes“ (FAZ), am besten solle er gleich Schullektüre werden, schlägt die Frankfurter Rundschau vor. Für gut befunden wurde auch Franziska Gänslers „Orca“ (Kein & Aber). Ihr dritter Roman über eine Freundschaft im Klimaaktivist:innen-Milieu sei ihr bisher bester, heißt es etwa in der Süddeutschen Zeitung.

Lobesworte auch für Valeria Gordeev: In „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ (S. Fischer) gebe es Passagen von „weltliterarischem Rang“, freut sich die Zeit, der zwischen Moskau, Berlin und Kyjiw spielende Roman mache „schlagartig süchtig“. Bloß der Deutschlandfunk hat hier was zu kritteln und verzeichnet eine leichte Tendenz zum Klamauk.

Wenig überraschend ist die Nominierung Dana Vowinckels. Auch im Falle ihres zweiten Romans häuften sich die begeisterten Besprechungen („sensationell“, Zeit), sammelten sich die Massen zu Hunderten bei der ausverkauften Buchpremiere am Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee. „Anton und Alma“ (Suhrkamp) erzählt die Nachwirkungen des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober anhand einer Liebesgeschichte eines jungen Berliner Paars, einer jüdisch, eine nicht, was man – vielleicht je nach Nähe zum oder Bekanntschaft mit dem skizzierten Milieu – wahlweise als „genau beobachtet“ oder „trivial“ bezeichnen kann.

Was ist noch zu sagen? Zahlen und Fakten zum Thema Repräsentanz: Die leichte Überrepräsentation ostdeutscher Geschichte mitsamt ihren Nachwirkungen auf der Longlist besteht nicht mehr, einzig Peggy Mädler verhandelt noch in „Selbstregulierung des Herzens“ (Galiani) DDR-Alltag.

Bemerkenswert ist auch die Dominanz weiblicher Stimmen: Fünf Autorinnen stehen einem Autor gegenüber. An dieser Stelle nur noch eins: Kurze Worte des Bedauerns angesichts des Ausscheidens von Yade Yasemin Önders so unterhaltsamem wie sprachgewaltigem Roman „Anti Müller“ (Park x Ullstein).

Beschieden über die Shortlist und ihre sechs Titel hat die siebenköpfige Jury bestehend aus Sprecherin Cornelia Geißler (Berliner Zeitung), Theresa Donner (Buchhandlung heiter bis wolkig, Halle an der Saale), Jan Ehlert (NDR), Maha El Hissy (Literaturwissenschaftlerin), Emily Grunert (Literaturbüro NRW), Stefanie Kreuzer (Universität Kassel) und Adam Soboczynski (Die Zeit). Wer die Auszeichnung und das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro erhält, wird bei der Preisverleihung am 5. Oktober bekanntgegeben: zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers.

Read the full story at the source →

Source: taz