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Russischer Angriff auf Brücke in Kyjiw: „Die Drohne flog direkt über mich hinweg“
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Ein mehrere Meter breites Loch prangt mitten auf der Straße. Dutzende Arbeiter räumen Trümmer beiseite, Soldaten an Luftabwehrstellungen beobachten den Himmel.
Hier hat gegen 10.30 Uhr am Sonntag eine russische Drohne die nördliche Brücke getroffen, die in Kyjiw das rechte und linke Ufer des Dnipro-Flusses verbindet. „Die Drohne flog direkt über mich hinweg und stürzte in die Brücke“, erzählt Hanna Dolia, eine 35-jährige Barista in einem Café in der Nähe. „Ein Rauchpilz stieg auf. Es war richtig beängstigend, weil viele Autos gerade auf der Brücke waren. Und ich benutze sie jeden Tag.“ Jetzt geht sie zu Fuß nach Hause. Sie hat Angst davor, den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen.
Es war der zweite Angriff auf die Brücke innerhalb von zwei Tagen. Der erste am Samstagmorgen beschädigte die Straße und die Trolleybus-Oberleitung und verletzte zwei Menschen. Der vom Sonntag beschädigte eine Heißwasserleitung, ein Stadtviertel ist jetzt ohne warmes Wasser. Zwei Menschen seien verletzt worden, erklärte Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko.
Russland zielt neuerdings auf die Brücken von Kyjiw. Die südliche Brücke ist bereits für den Autoverkehr gesperrt, nach mehreren Drohnenangriffen.
Der Angriff auf die nördliche Brücke erfolgte jetzt während des Besuchs einer deutschen Delegation unter Leitung von Bundeskanzler Friedrich Merz. „Normalerweise ist die Stadt ruhig, wenn ausländische Delegationen da sind“, sagt Hanna Dolia. „Als ich heute früh las, Merz sei eingetroffen, war ich erleichtert, ich hoffte auf einen ruhigen Tag.“ Aber Russland hatte andere Pläne. Hanna Dolia musste ihr Café früher schließen, es kam wegen des Angriffs kaum jemand.
Der Analyst Mykola Bielieskov vom Nationalen Institut für Strategische Studien (Niss) in Kyjiw sagt der taz, Russlands Ziel sei, das Funktionieren des Alltags in Kyjiw zu behindern. „Die Brücken sind essenziell, um die Stadt am Laufen zu halten. Kyjiw besorgt über 10 Prozent des ukrainischen BIP. Wenn die Leute Angst davor haben, weiter in der Stadt zu leben und zu arbeiten, könnte dies negative Folgen haben und die Widerstandsfähigkeit der Ukraine untergraben.“
Er analysiert weiter: „Es gibt nicht viele Brücken über den Dnipro und manche sind in keinem guten Zustand. Damit ist nicht nur die Stadt verwundbar, sondern das ganze Land. Russland würde gerne das linke und das rechte Ufer des Dnipro voneinander abschneiden.“
Gegen Sonntagmittag wurde der Verkehr über die Brücke wieder freigegeben. „Wir stellen die Internet- und Stromverbindung wieder her“, erzählt ein städtischer Arbeiter, während er an Stromkabeln werkelt. „Zum Glück haben sie nicht die tragenden Kabel der Brücke getroffen, sonst wären die Schäden viel größer.“
Die nördliche und die südliche Brücke über den Dnipro werden beide durch Stahlkabel getragen. Insgesamt gibt es in Kyjiw sechs Flussbrücken, manche mit Bahnlinien. Sie anzugreifen, stört den Verkehr in der Dreimillionenstadt erheblich. „Ich lebe auf dem rechten Ufer und arbeite auf dem linken“, sagt Hanna Dolia. „Mein Arbeitsweg ist jetzt eine Lotterie: 15 Minuten mit dem Bus – oder stundenlang im Stau. Also gehen wir jetzt lieber zu Fuß.“
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Source: taz