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Russische Prozesse gegen Senioren: Selbst Demenzerkrankte kommen ins Straflager

Russische Behörden sind auch bei alten und kranken Menschen gnadenlos. Ein betagter Bürgerrechtsaktivist wurde nun zu 18 Jahren Haft verurteilt. mehr...

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Mediazona öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Text finden Sie hier auf Russisch.

Es ist eine drakonische Strafe. Ein Militärgericht in Rostow am Don hat den 77-jährigen Bürgerrechtsaktivisten Wolodymyr Ananjew zu 18 Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt. Das Gericht sieht den von der Halbinsel Krim stammenden Ananjew als „Terroristen“ an. Laut Mediazona hatte Ananjew vor Beginn der Gerichtsverhandlung erklärt, dass für ihn jede Haftstrafe – „ob 2 oder 22 Jahre“ – einem „Todesurteil“ gleichkomme.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB wirft Ananjew vor, gemeinsam mit zwei weiteren Personen im Auftrag ukrainischer Geheimdienste ein Attentat auf Sergej Aksjonow vorbereitet zu haben. Aksjonow ist der vom Kreml eingesetzte Verwaltungschef auf der annektierten Krim. Die Gruppe soll das Fahrzeug Aksjonows mithilfe einer Überwachungskamera beobachtet haben.

Ananjew engagierte sich seit Anfang der 2000er Jahre für die Rechte von Grundstückseigentümern auf der Halbinsel. Er unterstützte Landwirte dabei, Grundstücke zu privatisieren und Unternehmen zu gründen. Nach der russischen Annexion der Halbinsel 2014 lebte er in Kyjiw. Im November 2023 reiste er auf die Krim, um die Gräber seiner Eltern zu besuchen.

Kurz darauf, im Februar 2024, meldeten russische Sicherheitsbehörden, einen geplanten Anschlag des ukrainischen Geheimdienstes SBU vereitelt zu haben. Zwei weitere Beschuldigte, Wolodymyr Bodnar und Oksana Schewtschenko, wurden letztes Jahr zu 13 und 10 Jahren Haft verurteilt. Ihre Verfahren fanden nach einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft ohne Prüfung der Beweismittel statt.

Das Verfahren gegen Ananjew selbst lief seit Februar 2025; nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Crimean Human Rights Group“ verschlechterte sich sein Gesundheitszustand in Untersuchungshaft erheblich. Er erhielt demnach kaum medizinische Versorgung. Während der Gerichtsverhandlungen war er auf einen Gehstock angewiesen, klagte über hohen Blutdruck und bat um ärztliche Hilfe.

In einem weiteren Beitrag berichtet Mediazona über den Fall der 68-jährigen Rentnerin Halyna Bechter aus der von Russland besetzten Region Saporischschja. Wegen „Hochverrats“ wurde sie zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Begründung: Sie soll umgerechnet 1.240 Rubel (circa 14 Euro) an die ukrainischen Streitkräfte überwiesen haben.

Laut ihren Mitgefangenen hat sich Bechters Gesundheitszustand in der Haft dramatisch verschlechtert. Sie zeige Symptome einer Demenzerkrankung, könne nicht mehr selbstständig essen und sei auf die Hilfe anderer Gefangener angewiesen. Eine Mitgefangene beschreibt sie als völlig abgemagert und befürchtet, dass sie den Transport in die Strafkolonie nicht überleben wird.

Trotz ihres Zustands hatte die Staatsanwaltschaft eine Verschärfung des ursprünglichen Urteils von 11 Jahren durchgesetzt. Wo Bechter ihre Haftstrafe verbüßen soll, ist bislang nicht bekannt.

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Originally published bytaz
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