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Rausschmiss wegen „Free Palestine“-Ruf: Es wird einsam um Ed Sheeran
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ap | Nachdem der US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm der Tour des britischen Popstars Ed Sheeran (35) gestrichen wurde, sagen nun auch alle anderen Vorgruppen ab. Sheeran hatte bei Instagram erklärt, der Ausschluss Macklemores wegen propalästinensischer Äußerungen bei einem Konzert im US-Bundesstaat New Jersey sei eine alleinige Entscheidung der Veranstalter gewesen. Nur wenige Stunden später kündigten die irischen Musiker Aaron Rowe und Beoga, die dänische Band Lukas Graham sowie der US-Künstler Finneas – Bruder von Superstar Billie Eilish – an, aus Solidarität mit Macklemore auch auf ihre Auftritte zu verzichten.
Macklemore sollte ursprünglich bei acht der zehn noch ausstehenden Konzerte von Sheerans US-Stadiontour auftreten. Rowe war als einer der Ersatz-Acts für Macklemore bei den verbleibenden US-Terminen vorgesehen. Beoga fungierte als Tourband des britischen Sängers. Finneas sollte Sheeran später im Jahr auf dessen Südamerika-Tour begleiten.
Rowe und Beoga verwiesen in ihren Erklärungen auf die Geschichte ihres Heimatlandes. „Wir sind Iren, die Kolonialismus verstehen“, schrieb Beoga. Als Gründungsmitglieder der Bewegung „Irish Artists for Palestine“ seien sie dem Einsatz für Gerechtigkeit verpflichtet.
Rowe bezeichnete Sheeran als einen Freund, der sein Leben verändert habe. „Aber als Iren wissen wir nur allzu gut über Genozid, erzwungene Hungersnot und gewaltsame Besatzung Bescheid“, erklärte er. Er könne nicht tatenlos zusehen, wie Milliardäre ihre Machtposition nutzten, „um die berechtigten Stimmen derjenigen zum Schweigen zu bringen, die sich äußern“.
Finneas erklärte: „Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie sich für Unterdrückte einsetzen.“ Er stehe „an der Seite Palästinas und seiner Bevölkerung“. Anfragen der Nachrichtenagentur AP an Sheeran und die dänische Band Lukas Graham, die ebenfalls als Ersatz für Macklemore vorgesehen war, blieben zunächst unbeantwortet.
Lukas Graham äußerte sich Sheeran gegenüber dankbar. Die Band sprach von einer „schwierigen Entscheidung“. „Geld gibt einem nicht das Recht, die Debatte zu bestimmen“, schrieb die Band. Der Kontostand eines Menschen dürfe nicht darüber entscheiden, wer sprechen dürfe oder welches Leid anerkannt werde. Die Äußerung bezog sich allem Anschein nach auf die Rolle des Milliardärs Robert Kraft beim Ausschluss Macklemores.
Sheeran schrieb in seinem Instagram-Beitrag am Dienstag, mehrere Veranstaltungsorte, an denen die weiteren Konzerte stattfinden sollten, hätten ihm mitgeteilt, dass sie die Termine streichen würden, sollte Macklemore weiterhin Teil der Tour sein.
Begründet worden sei das damit, wie der Rapper seine Haltung zum israelisch-palästinensischen Konflikt und dem Gaza-Krieg zum Ausdruck gebracht habe. Die Entscheidung, dass Macklemore nicht Teil der weiteren Tour sein könne, sei allein von den Organisatoren getroffen worden.
Macklemore habe einen Vertrag mit dem Tourveranstalter gehabt – nicht mit ihm selbst, schrieb Sheeran. Er selbst habe die ganze Woche über versucht, in Gesprächen mit den Aufführungsstätten, Aktivisten beider Seiten und anderen Verantwortlichen eine Brücke zu bauen. Einer der Menschen, mit denen er gesprochen habe, sei Robert Kraft, Besitzer des Football-Teams New England Patriots. Dessen Unternehmensgruppe gehört auch das Gillette Stadium, in dem die Patriots spielen. Dort soll am 26. September eines der Konzerte der Tour stattfinden.
Sheeran erklärte, er habe versucht, eine für alle Seiten tragbare Lösung zu finden. Die Entscheidung der Organisatoren sei aber endgültig gewesen. „Ich würde niemals die Fans enttäuschen, die bereits Pläne gemacht hatten, noch würde ich die Tour-Crew sowie die anderen Support-Acts und Musiker im Stich lassen, die auf mich angewiesen sind, um Arbeit zu haben und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“
Sheeran schrieb, er versuche mit seiner Musik, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen zusammenzubringen. Er habe persönliche Ansichten zu dem verheerenden Konflikt, wolle sich aber öffentlich nicht dazu äußern, weil Besucher seiner Konzerte kein politisches Forum erwarteten. Er respektiere Macklemores Entschlossenheit, öffentlich für seine Überzeugungen einzutreten. Es gebe aber unterschiedliche Wege zum selben Ziel, das Frieden heiße.
Macklemore hatte am Montag erklärt, er sei von Sheerans „Loop Tour“ ausgeschlossen worden, nachdem er bei einem Konzert am 5. September im MetLife Stadium in New Jersey „Free Palestine!“ gerufen hatte. Der Rapper hatte damit seinen Protestsong „Hind's Hall“ angekündigt.
An seine jüdischen Zuhörer gerichtet sagte Macklemore bei dem Konzert, Kritik an Israel, an Apartheid oder der Vorwurf eines Genozids richteten sich in keiner Weise gegen sie. Nach Darstellung Macklemores teilten mehrere US-Veranstaltungsorte dem Tourveranstalter anschließend mit, dass sie ihm Auftritte im Vorprogramm von Sheeran untersagen würden. Verantwortlich machte der Rapper dafür vor allem Kraft.
Der Milliardär selbst erklärte am Montag, die Entscheidung, Macklemore nicht auftreten zu lassen, sei eine Folge seiner jüngsten Äußerungen sowie einer „umfassenderen Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache“. Aus Sicht seines Unternehmens sei das für Jüdinnen und Juden zutiefst verletzend und beleidigend.
Der Tourveranstalter Messina Touring Group reagierte am Dienstag nicht umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme. Auch das Management von Macklemore äußerte sich zunächst nicht.
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Source: taz