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Postpunk-Band Yard Act: Der Roadtrip endet im Silicon Valley
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Einen dritten Teil des britischen Kultfilms „Trainspotting“ hat Regisseur Danny Boyle bisher noch nicht gedreht – den passenden Soundtrack gäbe es allerdings schon mal: die Musik von Yard Act. Das Quartett aus Leeds hat 2022 mit seinem Debütalbum „The Overload“ bereits die musikalische Schallmauer durchbrochen und erlebt seitdem viel kommerziellen Rückenwind. Nun zieht es die vier Musiker mit ihrem neuen Album „You’re Gonna Need a Little Music“ erstmals auf Headliner-Tour nach Deutschland.
Der Sound von Yard Act steht für sich und doch stellen sich beim Hören ihrer Musik vage Erinnerungen an die 90er Jahre ein. Zwar hat Yard-Act-Sänger James Smith seinen Parka längst gegen einen Trenchcoat getauscht – trotzdem legt die Band in den Songs nach wie vor eine rüpelige Working-Class-Manier an den Tag. Auch wenn der Spoken-Word-Stil von Smith manchmal an den Reimstil von The Streets erinnert, die Fistelstimme in manchen Liedern an einen zarten Damon Albarn im Jünglingsalter mit wuscheligen Haaren denken lässt.
Hibbelige Synthie-Sounds lassen sich als Hommage an Orchestral Manoeuvres in the Dark erkennen, erstaunlicherweise ist „You’re Gonna Need a Little Music“ aber kein zusammengewürfeltes Referenz-Potpourri.
Yard Act: „You’re gonna need a little Music“ (Universal); live: 5.10.2026 Köln „Gloria“, 7.10.2026 Hamburg „Uebel & Gefährlich“, 14.10.2026 Berlin „Festival Kreuzberg“
Denn die unterschiedlichsten Genreversatzstücke verwebt die Band zu einem eigenen Stil, sodass sich der Sound von Yard Act seltsam vertraut anfühlt. Wo es für Millennials früher galt, „ich gegen den Rest der Welt“, ist da nun kindliche Freude über frischen Wind und einen Kommunitarismus, den die Band aus Leeds in trauter Eintracht zelebriert.
Da wäre zum Beispiel das Klavier, das sich überraschend gut in den dreckigen Slang der Insulaner einfügt und in dieser Form bei Britpop und Postpunk nie so prominent in Szene gesetzt wurde. Mal ist es monotones Geklimper, das eher im Hintergrund für Songverdichtung sorgt, mal steht ein jazzig klingendes Piano als Signaturinstrument – so etwa beim lässig melancholischen Song „Janey Said“, der dabei an das aus Manchester stammende Jazz-Fusion-Trio Gogo Penguin erinnert.
Auch in „You’re Gonna Need a Little Music“, dem Titelsong des Albums, steht ein Klavier unaufdringlich und doch prägnant im Vordergrund. Repetitiv wiederholen Yard Act die Hookline, die aus wenigen Tönen besteht, den ganzen Song über. Das ist überraschenderweise überhaupt nicht langweilig und außerdem eine Rezeptur, die sich bereits häufig bewährt hat.
Zum Beispiel bei Klassikern wie „Whole Lotta Love“ oder „Under Pressure“. Das Piano wird begleitet von Smith’ nonchalanter Stimme, die den klischeehaften Roadtrip von der fiktiven, aus einer Kinderserie stammenden „Isle of Balamory“ zur San Francisco Bay besingt. Musikalisch gleitet der Song wie bei einer Fahrt auf dem offenen Highway dahin und wirkt trotz seiner Coolness wenig jovial. Der Roadtrip soll sinnbildlich für das Silicon Valley stehen, Yard Act besingen hier den kalifornischen Tech-Traum, der analog zum Niedergang des stereotypen US-Traums entstanden ist.
In ihren Songtexten widmen sich Yard Act der fortschreitenden Verunsicherung von Individuen in der modernen Welt, einem durch rigorosen Online-Konsum ausgelösten Verlust von gemeinsamer Realität. Bissig und zynisch hinterfragen die Reime von James Smith Fakt und Fiktion und kotzen sich über den Egoismus der Gesellschaft aus. Und in all der politischen Großwetterlage wirkt die Musik von Yard Act wie ein Anker im Chaos. Produziert hat das Album, wie schon die Vorgänger, Justin Meldad-Johnsen, bekannt als Bassist und Produzent für Nine Inch Nails, St. Vincent und Beck.
James Smith hat mal sinngemäß gesagt, die beste Musik von Bands würde beim dritten Album entstehen. Bei seiner eigenen Band könnte er damit recht behalten. Das dritte Studioalbum von Yard Act klingt ausgeschlafener, runder und vielschichtiger als seine Vorgänger und gewinnt dabei an Zugänglichkeit. Das mag vielleicht an den Umständen liegen, dass das Debüt im Lockdown während der Pandemie 2020 entstand; das zweite wiederum wurde im Tourbus unterwegs zusammengeschustert. Für „You’re Gonna Need a Little Music“ haben die vier Bandmitglieder ihr eigenes Studio in Leeds gebaut und dort in Ruhe eine lebendigere Atmosphäre kreiert.
Yard Act sind so pointiert und rotzig, dass sie zukünftig vielleicht doch mal ins Visier des Mainstreams geraten. Das wäre jedenfalls als Kompliment zu verstehen.
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Source: taz