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Politics · taz · · 2h

Politische Botschaften im US-Sport: Dem Protest ins Gesicht sehen

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A zeez Al-Shaair ist keiner, der sich leicht kleinkriegen lässt, der Linebacker der Houston Texans ist einer der gefürchtetsten Defensiv-Spieler der NFL. Zu den berüchtigtsten Augenblicken seiner Karriere gehörte 2024 ein Knock-out des Quarterbacks Trevor Lawrence, das zu einer Sperre von drei Spielen und einer Strafe von mehr als 300.000 US-Dollar führte. Zum Start dieser Saison gab sich Al-Shaair jedoch nicht nur athletisch unbeugsam. Um von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch zu machen, schien er dazu bereit, sich mit den Liga-Bossen anzulegen und seine Karriere aufs Spiel zu setzen.

Zum ersten Saisonspiel der National Football League hatte sich Al-Shaair den Namen des in Gaza getöteten palästinensischen Mädchens Hind Rajab unter die Augen gemalt. „Ich wollte, dass die Welt ihren Namen kennt.“ Die Strafe der Liga für den unautorisierten Auftritt von 11.000 US-Dollar drückte er gerne ab. „Wie viel ist ein Menschenleben wert?“, fragte er provokativ nach der Buße. „Für mich ist das Geld nicht relevant.“

Als sich Al-Shaair am vergangenen Sonntag im Paycor-Stadion von Cincinnati erneut den Namen eines toten palästinensischen Kindes, der acht Jahre alten Wafaa Akila, ins Gesicht schrieb, fuhr die Liga jedoch größere Geschütze auf. Man drohte, ihn aus dem Spiel zu nehmen, der 110 Kilo Mann gab nach und wusch sich die Wangen.

Der Protest des praktizierenden Muslims Al-Shaair war die deutlichste der bislang eher zaghaften Äußerungen von US-Profis zur Gewalt in Gaza. So mutig der US-Sport sich während des Höhepunkts von Black Lives Matter zur rassistisch motivierten Polizeigewalt im eigenen Land ausgesprochen hat, so stumm ist man bislang, was das Vorgehen von Israel in Gaza angeht. „Der Druck, der auf den SpielerInnen lastet, ist ungeheuer“, sagte eine anonyme Basketballspielerin in England dem Guardian. „Sich für Homosexuellenrechte auszusprechen, ist dagegen ein Kinderspiel.“

Eine der wenigen Ausnahmen war die Basketballspielerin Natasha Cloud aus der nordamerikanischen WNBA, die von Anfang an offen den Angriff von Israel als „Genozid“ bezeichnete und es als ihre Verpflichtung ansah, ihre „gottgegebene Plattform“ zu nutzen. Cloud meinte, Afroamerikaner sollten eine natürliche Affinität zum palästinensischen Volk haben – ein Vergleich, mit dem nicht jeder einverstanden ist.

Bei den männlichen Basketballkollegen tut sich bislang alleine Kyrie Irving von den Dallas Mavericks hervor, der beim All-Star-Spiel ein T-Shirt mit der Aufschrift „PRESS“ trug. Das Hemd sollte an die in Gaza getöteten Journalisten erinnern. In der vergangenen Woche bot Irving dann an, die Strafe für Al-Shaair zu bezahlen. „Wir stehen in engem Kontakt und unterstützen und gegenseitig.“ LeBron James, einer der größten Namen im Basketball und einer der lautstärksten Vorkämpfer für Black Lives Matter, weicht klaren Aussagen zu Gaza aus und sagt stattdessen, er habe „nur Großartiges über das israelische Volk“ gehört.

Al-Shaair hingegen verspürt eine persönliche Verpflichtung, sich mit der palästinensischen Bevölkerung in Gaza solidarisch zu zeigen. Wie viele Afroamerikaner konvertierten seine Eltern zum Islam – seit den Zeiten von Malcolm X eine Geste der Abgrenzung von der weißen, christlichen Mehrheit der USA. Er lebte die ersten Jahre seines Lebens in Saudi-Arabien, wo sein Vater Englisch unterrichtete. Auch nach der Trennung seiner Eltern erzog seine Mutter ihn und seine Geschwister im islamischen Glauben. Dennoch sagt er, es gehe ihm nicht um Religion. „Es geht ganz einfach um unsere Menschlichkeit.“

Nun wird interessant, ob er sich dem vorläufigen Maulkorb der NFL beugt oder weiter versucht, auf die Lage der Menschen in Gaza aufmerksam zu machen. Klar ist jedenfalls, dass die Liga nicht vorhat, dem Thema viel Raum zu geben.

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Source: taz