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Organisierte Kriminalität und Politik: Ungebetene Gäste

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D as Foto wirft Fragen auf. Es zeigt den Berliner CDU-Politiker Kai Wegner kurz nach seinem Wahlsieg bei den Abgeordnetenhauswahlen im Februar 2023 in einem Grill-Lokal in Berlin-Kreuzberg. Neben ihm: Mehmet Kaplankıran, ein mehrfach verurteilter und vorbestrafter Mafiaboss. „Warum sitzen Sie mit diesem Verbrecher zusammen, Herr Wegner?“, fragte die Bild-Zeitung deshalb im April 2023 – eine Woche, bevor Wegner zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt wurde.

Mehmet Kaplankıran, in Berlin als „Kürt Mehmet“ oder „Kurden-Mehmet“ bekannt, war eine der bekanntesten Größen der Berliner Unter- und Halbwelt. Er soll als eine Art „Pate“ im Hintergrund Streitigkeiten geschlichtet, in Berlin mehrere Spielhallen besessen haben und Sponsor mehrerer Sportteams gewesen sein. Im Januar 2026 starb er im Alter von 62 Jahren an den Folgen einer schweren Krebserkrankung. Zu seiner Beerdigung kamen zwischen 1.000 und 2.000 Menschen. Die Berliner Polizei begleitete die Trauerfeier mit einem Großeinsatz und sprach von einem „Schaulaufen der organisierten Kriminalität“, bei dem führende Mitglieder bekannter arabischer Großfamilien vor Ort gewesen sein sollen.

Aber zurück zu seinem Foto mit Kai Wegner drei Jahre zuvor: An jenem Tag soll das traditionelle Fastenbrechen der Berliner CDU-Fraktion stattgefunden haben, erklärte die Berliner CDU auf Anfrage und betonte: „Herr Wegner war an der Organisation dieser Veranstaltung nicht beteiligt“, sondern sei dort „von Tisch zu Tisch gegangen“ – dabei sei das Foto mit dem Berliner Mafiaboss entstanden. „Er war nicht eingeladen, stand auch auf keiner Gästeliste“, sagte die CDU über den Berliner Mafiaboss. In den Medien schlug die Begegnung damals keine großen Wellen.

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Seit Issa Remmo, das Oberhaupt einer als „Remmo-Clan“ bekannten Berliner Großfamilie kurdisch-arabischer Herkunft, überraschend bei der Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln auftauchte, sorgt das Thema für Schlagzeilen und wirft die Frage auf: Was verbindet die Linke mit ihm? Dass sein Sohn Firas Remmo noch in derselben Nacht auf Instagram einen Chat-Verlauf veröffentlichte, in dem er sich mit dem Linken-Abgeordneten Ferat Koçak austauschte und der ihn mit „Bruder“ ansprach, heizt die Empörung weiter an.

Mafia-Bosse und andere Großkriminelle suchen immer wieder die Nähe zur Politik und zu Prominenten, in der Hoffnung auf gesellschaftliche Anerkennung und Einflussnahme. Sie möchten als normale Geschäftsmänner erscheinen, indem sie sich auf legale Geschäftszweige verlegen, gern im Immobilienbereich, um aus dem Visier der Sicherheitsbehörden herauszurücken. Von Politikern erhoffen sie sich, ihnen dabei zu helfen. Im Gegenzug haben sie etwas anzubieten: Geld, in Form von Parteispenden. Oder Unterstützung im Wahlkampf – etwa indem sie versprechen, ihre Anhänger für einen Politiker zu mobilisieren.

Auch wenn der 58-jährige Issa Remmo selbst bisher noch nie verurteilt wurde: Seine Familie wird mit schweren Straftaten in Verbindung gebracht. Zwei seiner Neffen wurden im Jahr 2020 für den Diebstahl einer Goldmünze mit Millionenwert aus dem Berliner Bode-Museum zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, fünf weitere seiner Neffen 2023 für ihren Einbruch in das „Grüne Gewölbe“ in Dresden. Hinzu kommen Gewalttaten und andere Verbrechen.

Auch Issa Remmos Sohn Firas ist kein unbeschriebenes Blatt: Im Januar 2026 soll er mit drei weiteren Mitgliedern seiner Familie von der Polizei bei dem Versuch ertappt worden sein, beim Stromausfall im Berliner Südwesten einen Geldautomaten aufzubrechen. Das Verfahren wurde laut Berliner Morgenpost eingestellt, für andere Straftaten wurde er schon als Jugendlicher verurteilt. Der 30-Jährige ist auf Instagram sehr aktiv: In der Vergangenheit postete er mal Selfies mit einem SEK-Beamten, mal mit Michael Müller, Berlins ehemaligem SPD-Bürgermeister, und brachte beide damit jeweils in Erklärungsnot.

Im Januar 2025 postete er außerdem Aufnahmen von seinem Vater, wie dieser fröhlich durch das Berliner Abgeordnetenhaus spazierte, und brachte damit den Berliner CDU-Politiker Christian Zander in Verlegenheit. Der hatte Issa Remmo nämlich als Teil einer Besuchergruppe zu Gast. „Hätte ich von der Teilnahme eines Mitgliedes des Remmo-Clans gewusst, dann wäre diese Gruppe von mir ausgeladen worden“, verteidigte sich Zander damals.

Nun rätselt alle Welt: Was verleitete Issa Remmo dazu, am Wahlabend die Feiern der Linken in Neukölln und Kreuzberg aufzusuchen? Freute er sich einfach über den Wahlerfolg von Elif Eralp und suchte er deshalb die Nähe zur möglichen nächsten Regierungspartei? Und was trieb seinen Sohn dazu, am nächsten Tag Ferat Koçak mit einem Instagram-Post öffentlich bloßzustellen? Wollte sich der Sohn dafür rächen, dass sein Vater bei der Wahlfeier abgewiesen wurde? Wollten beide der Linken absichtlich schaden? Oder wollten sie damit eine Botschaft senden – und wenn ja, welche?

Die Linke distanzierte sich jedenfalls umgehend vom ungebetenen Gast. Und Ferat Koçak entschuldigte sich dafür, sich mit dessen Sohn ausgetauscht zu haben, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und legte seine Arbeit im Innenausschuss vorübergehend nieder. Nun muss die Linke aufklären, ob es noch weitere Verfehlungen gibt – eine dubiose Parteispende etwa oder weitergehende Kontakte.

Der vertrauliche Austausch auf Social Media wiegt schwerer als Schnappschüsse mit Größen der Unterwelt. Bisher gibt es aber keine Belege dafür, dass die Verbindung zwischen Ferat Koçak und dem Remmo-Sohn über die bekannt gewordenen Zeilen in einem Social-Media-Chat hinausgeht. Und noch steht die Parteispitze der Linken hinter ihm. Dennoch ist der politische Druck auf ihn so groß, dass Ferat Koçak darüber straucheln könnte. Er könnte ein Bauernopfer im Koalitionspoker zwischen Berliner SPD, Grünen und Linken werden.

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Source: taz