Kommando 161 Faultline Kommando 161

Germany · taz · 1h

Neue Pisa-Studie veröffentlicht: Tiktok ist schlecht für die Kondition

Deutsch (original) · Read in English ⇄

Das Smartphone, speziell: Social Media ruiniert die Lesekompetenz, die Schere zwischen stärkeren und schwächeren Schü­le­r*in­nen vergrößert sich – und was dabei alles andere als hilfreich ist: ein früh aussortierendes Schulsystem. Das sind vielleicht die bemerkenswertesten Ergebnisse der neuen Pisa-Studie der Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD. Deutschland schneidet in den drei getesteten Feldern Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz, wie auch schon bei der letzten Pisa-Erhebung 2022, beim Durchschnittswert der rund 90 teilnehmenden Länder ab – am schlechtesten mit Platz 26 in Mathematik.

Allerdings sind die Ergebnisse so schlecht wie noch nie: Rund 20 Prozent der 15-Jährigen erreicht in den getesteten Kompetenzen nicht mal mehr ein Basisniveau – also etwa das Verstehen einfacher Texte. In den Naturwissenschaften liegt man erstmals seit 2006 nicht mehr über dem OECD-Durchschnitt.

Alle drei Jahre führt die OECD die Pisa-Erhebung durch. 760.000 Studierende in 91 Ländern haben 2025 teilgenommen – repräsentativ für 33 Millionen 15-Jährige weltweit. Erstmals 2000 durchgeführt, will die Studie seitdem herausfinden, wie gut Jugendliche erworbenes Wissen anwenden können, um Alltagsprobleme zu lösen.

Die Antwort im Jahr 2025: Es geht so. Insbesondere die Leseausdauer bei längeren, komplexen Texten und damit auch die Fähigkeit, Informationen und Zusammenhänge tatsächlich zu verstehen, habe gelitten, schreiben die Forscher. Das sei besonders ungünstig, weil sich ein schlechtes Leseverstehen auch auf die Leistung in anderen Fächern negativ auswirke – etwa beim mangelnden Verständnis von Textaufgaben in Mathe.

Interessant dabei: Die Schere zwischen den Geschlechtern und zwischen Schü­le­r*in­nen mit und ohne Migrationshintergrund ist dabei nicht weiter aufgegangen. Allerdings stellen die Studienautor*innen, wenn auch vorsichtig, einen Bezug zu Social-Media-Konsum her. „Das Überfliegen von Social-Media-Feeds und das schnelle Verarbeiten von Informationen könnte zu einer verschlechterten Fähigkeit führen, sich mit komplexen Zusammenhängen auseinanderzusetzen“, heißt es in dem Bericht. Insbesondere in Bildungssystemen, wo Schü­le­r*in­nen eine hohe Ablenkung durch digitale Medien angaben, war auch die Zahl der „hastigen Leser“ besonders hoch.

Gleichzeitig bleibt die Gruppe der leistungsstarken Jugendlichen über die gesamte Breite der Testländer relativ stabil – während die schwächeren Schü­le­r*in­nen immer schlechter abschneiden und auch immer mehr werden. Beinahe ein Drittel, 29 Prozent, der Schü­le­r*in­nen gehören jetzt zu der Gruppe derjenigen, die auch einfache Texte nicht verstehen oder in Mathematik nicht mit Preisen und Maßeinheiten umgehen können (also im Prinzip Schwierigkeiten beim Supermarkt-Einkauf haben).

Am größten sind die Leistungsunterschiede – sprich: am ungerechtesten sind die Schulsysteme – in Luxemburg und den USA. Aber auch Deutschland kommt nicht gut weg: Es gehört zu den zehn Ländern – neben etwa den Niederlanden, der Türkei und Rumänien –, in denen die Wahl der Schule zu 50 Prozent über den Lernerfolg entscheidet. „Wo eine solche akademische Auslese mit sozialem Hintergrund in Verbindung steht, können Ungerechtigkeiten verstärkt werden“, schreiben die Studienautoren. „Einige profitieren, aber in einem solchen Bildungssystem können keine guten Lernbedingungen für alle sichergestellt werden.“

Als Gegenbeispiel nennen die Bil­dungs­for­sche­r*in­nen Finnland oder Island, wo die Schulwahl fast überhaupt keinen Einfluss auf das Abschneiden der Jugendlichen hat. In beiden Ländern lernen Kinder, im Gegensatz zum deutschen Schulsystem, lange gemeinsam.

Schließlich nähert sich die Pisa-Studie auch noch mit aller Vorsicht der Smartphone-Frage: Verbieten während der Schulzeit oder nicht? Kommt drauf an, ist die diplomatische Antwort. Immerhin gebe es ja sinnvolle Lern-Apps, und Online-Recherche sollen die Kids heutzutage auch lernen. Allerdings: Auf die Dosis komme es an. Erlaubten Schulen das Handy, müsse es auch Regeln dafür geben. Ein einleuchtender Rat – dessen Umsetzung in die Praxis allerdings viele Elternabende derzeit ausdauernd beschäftigt.

Read the full story at the source →

Source: taz