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Nachruf auf Filmstar Elke Sommer: Eine polygotte Fränkin mischt Hollywood mit Aura auf

Bar jeder Vulgarität. Mit natürlichem Glamour machte Elke Sommer eine einmalige Karriere vom Schönheitswettbewerb in Viareggio bis ins Zentrum der US-Filmindustrie. mehr...

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Ihre Karriere, die sich – alles in allem – in dem Begriff „Hollywoodschauspielerin“ bündelt, war ganz unwahrscheinlich. Weder hatte sie vor, Schauspielerin zu werden, noch irgendwann überhaupt als Künstlerin zu arbeiten. Anfang November 1940 in Berlin geboren, als Tochter einer Pfarrersfamilie, was nicht hieß, von allzu starker evangelischer Enge heimgesucht worden zu sein.

Aufgewachsen im fränkischen Erlangen, auf dem Weg zum Abitur kurz nach der Mittleren Reife ausgestiegen – um Dolmetscherin zu werden. Vielsprachig sich durch welche Welten auch immer bewegen zu wollen, das hatte die Note, sich von dem, was hinterm eigenen Horizont liegen könnte, nicht unangenehm irritieren zu lassen. Ende der 1950er, bei einem Familienurlaub an den Stränden der Toskana, nahm Elke Sommer an einem Schönheitswettbewerb teil und wurde, so geht die Legende, „Miss Viareggio“.

Der italienische Starregisseur Vittorio de Sica soll in einer Illustrierten Fotos von diesem Event gesehen haben – so kam sie zum Film mit dem Debüt „L’amico del giaguaro“. Film, das war das Business, das sie wesentlich bis in die siebziger Jahre mit ihren Rollen anreicherte: In Deutschland 1959 in der Verfilmung von B. Travens „Das Totenschiff“, kurz darauf in „Am Tag, als der Regen kam“, 1962 „Der Staatsanwalt und das Mädchen“.

1963 spielte die Sommer erstmals in einer Hollywoodproduktion – Hintergründe über ihre erste Zeit erzählt sie in einem bemerkenswerten Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk 1963. Interessant, allein wegen der Art ihres souveränen Sprechens wegen. Sie spielte mit dem damals noch nicht sehr berühmten Paul Newman in „Der Preis“. Im Jahr darauf würdigte man die Deutsche als beste Nachwuchsschauspielerin mit einem „Golden Globe“ Award.

Elke Sommer war, nach Marlene Dietrich, die berühmteste Deutsche in den Hollywood-Castingkarteien. Sie galt als unkompliziert, freundlich und buchstäblich lebenslustig. Wovon ihre deutschen Kolleginnen träumten – Oh, wann ruft mich Hollywood? – lebte sie dortselbst. Sie hatte nicht das, was Deutschen in den USA gern nachgesagt wird: too weltschmerzy.

Dass sie als Figur für frivol, unzüchtig und allzu aufreizend galt, störte sie nicht. In einem Gespräch mit der Mallorca Zeitung vor acht Jahren sagte sie: „Die Leute wollten eben auch das in mir sehen, die vermeintliche Sexbombe – so idiotisch! Ich habe den Begriff immer gehasst, mein ganzes Leben. Was ist das überhaupt, sexy? Sexy ist so ein Scheißwort. Sexy ist gar nichts, tits and ass. Anziehend, erotisch ist etwas anderes. Das sind Bewegungen, Augen, die Aura, wie man mit jemanden umgeht.“

Dass in den noch übel sittendrakonischen 1960ern (nicht nur) hierzulande sie skandalisiert wurde, trug zum Erfolg auch ihres Business bei. Einen Zweiteiler („Bikini“) zu tragen, war ihr recht. Allzu freizügig? „Nein, dessen waren wir alle uns nicht bewusst. Für mich war der Zweiteiler nur Garderobe.“ Und die daueraufgeregten Kirchen, die öffentlich davon abrieten, Elke-Sommer-Filme im Kino anzugucken? „Wirklich? Ich bin Pfarrerstochter und selbst sehr gläubig.“

In Hollywood spielte sie in einer Fülle von Filmen mit, in einem Teil der Pink-Panther-Reihe (an der Seite von Peter Sellers als trotteliger Kommissar Clouseau) namens „Der Schuss ins Dunkle“ (1964): Es war eine der komischsten Performances jener ja oft aufbrüchig stimmenden Jahre. Sommer war die eigentliche Attraktion dieses Films, ihr Talent, noch jeden Sprechschnipsel wie spontan geflachst klingen zu lassen, war enorm.

So groß wie Sommers Kunst, selbst knappste Textilausstattung wie das Natürlichste der Welt aussehen zu lassen, bar jeder Vulgarität. Filmisch möglicherweise ihr bestes Stück war 1966 „Heiße Katzen“, eine sensationell unterhaltsame, zugleich anmutige Trashproduktion bar aller Kunstansprüche. Eine James-Bond-Parodie, in der sie mit ihrer Kollegin Sylvia Koscina ein Killerbienenduo gibt, in dem nur so scheppert und knallt. Am Ende verrichtet eine Bombe im künstlichen Haarteil der einen ein kurioses Ende.

Quentin Tarantino, der ein gläubiges Herz für die Nichtkunstreligionskinostreifen jener Jahre hat, würdigte diesen und andere Sommer-Filme in seinem Film „Once Upon A Time in Hollywood“ 2019: Mehr echter Ruhm geht für einen deutschen Filmstar nicht.

Ende der 1970er zog sie sich aus dem Big Business zurück, lebte als Malerin fortan in Erlangen und Los Angeles. Sie habe so viel gearbeitet, dass sie sich beide Lebensorte leisten könne – im Winter lebt es sich in Südkalifornien natürlich klimatisch leichter. Sommer war ein wenig vom Radar jener Regisseure geraten, die ein anderes deutsches Kino wollten, auch Fassbinder hatte sie nicht so recht auf dem Schirm.

Altersgemäße Rollen fanden sich auch nicht so recht. Vielleicht sollte auch nicht verstanden werden, dass Elke Sommer Glamour als Person mitbrachte. Wenige Monate nach dem Tod von Wolf Walther, Gefährte ihres Lebens und zweiter Ehemann, ist sie in Bel Air im Alter von 85 Jahren gestorben.

Originally published bytaz
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