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Nachdenken über Entrümpelung: Eines Tages
Wer an seine Endlichkeit denkt, sollte auch die Dinge, die sich bis dahin ansammeln, im Blick haben. Aber noch, meint unsere Kolumnistin, lebt sie ja. mehr...
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I ch hänge nicht sehr an Dingen und habe kein Problem damit, Kleidung oder Elektrogeräte zu verschenken, und ich tue das auch. Aber ich gehöre zur Kategorie der Das-kann-man-vielleicht-noch-mal-brauchen-Menschen. Zum Beispiel kann ich einen Pappbriefumschlag, in dem ich ein Buch zugesandt bekommen habe, nicht wegwerfen, denn ich könnte ihn verwenden, um selbst ein Buch zu versenden. Irgendwann habe ich 50 solcher Umschläge und keinen einzigen davon gebraucht.
Gummibänder, Plastiktüten, Schulhefter, Schrauben und Nägel, ich hebe das auf. Nützliche Sachen kann ich einfach nicht wegwerfen, weil sie nützlich sind.
Leider kann man gebrauchte Pappbriefumschläge nicht verschenken. Oder Gummibänder. Irgendwann einmal, in meiner Kindheit, hatten alle diese Dinge einen Wert, einen größeren, als sie es jetzt haben. Jede Art von Papier, Pappe, Draht, Stoffreste, Knöpfe, Deckel, Bindfaden, das wurde bei uns zu Hause alles aufgehoben und wiederverwendet. Heute noch habe ich, wie meine Mutter, eine Pappkiste, in der bereits benutztes Geschenkpapier nebst sauber aufgerollten Geschenkbändern auf seine Wiederbenutzung wartet. Im Laufe der Jahre ist die Kiste immer voller geworden, mein Geschenkpapier kommt immer wieder zu mir zurück. Und da ich einmal damit angefangen habe, es zu sammeln, kann ich nicht mehr damit aufhören. Es wäre unlogisch. Es müsste dann so sein, dass ich grundsätzlich kein Geschenkpapier mehr sammeln würde. Ich müsste diesen grundsätzlichen Schritt gehen. Das bringe ich nur schwer über mich.
Ich habe mich die Tage mit einer Freundin über das Thema unterhalten. Ich sagte, ich möchte nicht, dass mal irgendwann jemand meinen ganzen Scheiß ausräumen muss. „Ja“, sagte sie, „das ist dieses Death Cleaning.“ Ich habe das recherchiert, diese Methode des Entrümpelns kommt aus dem Schwedischen und heißt „Döstädning“. Ich finde das eine gute Sache und kann voller Stolz sagen, niemand muss mehr meine gebrauchten Pappumschläge, in denen man Bücher versenden kann, entsorgen. Ein Anfang ist gemacht. Auf meine 50 Kleider kann ich noch nicht verzichten. Ich lebe ja noch.
Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!
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Als mein Onkel starb, da erlaubte er seiner versammelten Familie auf dem Sterbebett, „sein Holz“ für seinen Sarg zu verwenden. Es war ein Witz. Jahrelang hatte er in der Garage Holz gesammelt, in Vorbereitung auf den Tag, da er etwas mit diesem Holz würde bauen. Jahrelang war die Garage deshalb nicht nutzbar gewesen, sie diente nur dem Holz, das er sammelte, um etwas daraus zu bauen, was er nie tat. Nun starb er und dachte an dieses Holz, verständlicherweise. Natürlich waren andere Dinge wichtiger, aber das Holz hatte ihm jahrelang etwas bedeutet, er hatte immer dieses Bild von sich gehabt, und jetzt musste er es abgeben. Ich glaube, dass das mit einem Gefühl von Zukunft und von sogar Ewigkeit zusammenhängt. Dass ich in der Zukunft meine Pappumschläge verschicke und diese Zukunft liegt noch vor mir. An ein Ende ist nicht zu denken. Das ist der Fehler.
Als ich vor ungefähr einem Jahr die Diagnose Brustkrebs bekam, da hatte ich das erste Mal ein deutliches Gefühl von Begrenzung. Das war natürlich furchterregend, aber es wertete auch meine Zeit auf. Dinge wurden wichtiger, andere unwichtiger, alles verschob sich und sortierte sich neu. Man muss sich verzeihen, dass man Pappumschläge sammelt oder Holz in der Garage. Dass man nicht der Mensch ist, der etwas aus Holz baut, sondern der, der immer weiterglaubt, er könnte es tun, eines Tages.