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Melonis Pläne für Schulen: Minderheitsverwirrung in Italien

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Giorgia Meloni zieht jetzt gegen Diskriminierung zu Felde – nämlich gegen die angebliche Diskriminierung italienischer Kids in den Schulen des Landes. „Es geht nicht an, dass sich in einer italienischen Klasse die italienischen Kinder in die Ecke gedrängt sehen, weil sie zur Minderheit geworden sind“, tönte sie am Sonntag in Rom, in ihrer Rede auf dem Fest der Jugendorganisation ihrer Partei Fratelli d’Italia (FdI).

Den Worten will die postfaschistische Regierungschefin umgehend Taten folgen lassen. Voraussichtlich am Donnerstag soll der Ministerrat ein Gesetzesdekret verabschieden, das einen Deckel für den Anteil ausländischer Schü­le­r*in­nen in den Klassen einführt. Außerdem sollen Burkas und Niqabs in den Schulen verboten werden. Zudem sollen die Eltern ausländischer Kinder, die sich wegen Sprachproblemen schwer tun in der Schule, ihrerseits zur Teilnahme an Italienischkursen verdonnert werden.

Wenigstens einen unmittelbaren Erfolg kann Meloni mit diesem „Integrations“-Vorstoß verbuchen. Sie hatte die Aufmacher aller TV-Nachrichtensendungen, am Montag dann die Schlagzeilen aller Tageszeitungen für sich. Da konnte man allerdings zum Beispiel auch das Interview mit einer Schulleiterin aus Rom lesen, an deren Schule ein hoher Anteil der Kids ausländisch ist und aus islamischen Ländern stammt. Die Direktorin bemerkte, „noch nie“ habe sie Schülerinnen mit Burka oder Niqab gehabt.

Realer ist das Problem der Zusammensetzung der Klassen. Von rund 8 Millionen Schü­le­r*in­nen im Land haben 930.000 Kids ausschließlich einen ausländischen Pass. Zwei Drittel von ihnen sind allerdings in Italien geboren und aufgewachsen, viele von ihnen sind vom Kindergarten an im italienischen Schulsystem. Hätte Giorgia Meloni sich ernsthaft mit deren Situation beschäftigen wollen, so hätte sie zum Beispiel die Scuola Pisacane im stark migrantisch geprägten römischen Stadtviertel Torpignatara besuchen können.

Kinder aus rund 20 Nationen besuchen dort Kindergarten und Grundschule. Über die Deckelung des Ausländeranteils redet niemand, im Gegenteil: Die Schule ist auch bei italienischen Eltern mittlerweile hochbegehrt. Kids mit Schwierigkeiten in Italienisch werden intensiv betreut, über alle Grenzen hinweg ist der Schulalltag als internationales Zusammenleben organisiert, im Zusammenspiel zwischen Lehrerkollegium und Elternverein.

Um die Stärkung solcher Realitäten geht es der rechten Regierungschefin jedoch gar nicht. Sie hat mit Blick auf die im Jahr 2027 anstehenden Wahlen ein ganz anderes Problem: die harte Konkurrenz, die ihrer Koalition am rechten Rand mit der Gründung der neuen Partei Futuro Nazionale (FN – Nationale Zukunft) des Ex-Fallschirmjägergenerals Roberto Vannacci entstanden ist.

„Weichgespült“ sei die Meloni-Rechte, behauptet der in Europa mit der AfD verbündete General, der zum Umgang mit Mi­gran­t*in­nen tagein, tagaus das Rezept Remigration predigt. Seine erst im Februar gegründete Partei hat er damit auf mittlerweile 8 Prozent geführt, auf Kosten vor allem der rechten Regierungsparteien. Matteo Salvinis fremdenfeindliche Lega ist auf 5 Prozent eingebrochen, aber auch Melonis FdI, die in besseren Zeiten bei 30 Prozent lag, kommt gegenwärtig nur noch auf 25–26 Prozent.

Die Reaktionen bleiben nicht aus. Auf der jedes Jahr im September abgehaltenen Großkundgebung der Lega im norditalienischen Pontida war letzten Sonntag das Motto: „Non passa lo straniero“, „Der Ausländer kommt nicht durch“, eine Zeile aus einem Soldatenlied des Ersten Weltkriegs.

Da kann Meloni mit ihrem Kampf für die angeblich in die Ecke gedrängten italienischen Schü­le­r*in­nen nicht fehlen. Kein einziges Wort hatte sie in ihrer Rede jedoch für einen Vorfall, der letzte Woche Italien erschütterte. Da hatte ein uritalienischer 13-Jähriger, der sich in gewaltverherrlichenden suprematistischen Webforen herumtrieb, im Klassenraum seine Lehrerin mit einem Messer attackiert. Gerettet wurde sie durch einen kongolesischen Klassenkameraden des Täters.

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Source: taz