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Malis Armee erobert Wüstenstadt Kidal: Symbolischer Sieg für Malis Militärregierung

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164 Tage nachdem Malis Tuareg-Rebellenkoalition FLA (Befreiungsfront von Azawad) die Stadt Kidal eroberte, hat sie sich wieder zurückgezogen, und Malis Regierungsarmee hat wieder die Kontrolle. Videoaufnahmen vom Mittwoch zeigen, wie regierungstreue Milizen in Kidal die Flagge des Tuareg-Separatistenstaates Azawad auf einem zentralen Platz der Wüstenstadt einholen und durch ihre eigene ersetzen.

Die FLA habe einen „strategischen Rückzug“ aus Kidal eingeleitet, erklärte die Rebellengruppe am Dienstag. Grund sei „die zunehmende Gefährdung der wenigen noch in der Stadt anwesenden Zivilisten durch den unverhältnismäßigen Drohneneinsatz der Söldner des russischen Afrikacorps und der terroristischen Kräfte der Militärjunta in Bamako“. Man wolle auch die eigenen Kräfte schonen.

Malis Regierung in der Hauptstadt Bamako musste die Rückeroberung Kidals kaschieren, da sie den Verlust der Stadt an die Rebellen nie zugegeben und Journalisten verfolgt hat, die darüber berichteten. „Malis Streitkräfte, unterstützt von ihren russischen Partnern, setzen die Verstärkung und Konsolidierung ihrer Präsenz in der Region Kidal fort“, heißt es nun lediglich in der Erklärung der Militärregierung. Dies ermögliche „die allmähliche Rückkehr der Verwaltung und staatlichen Dienste“. Dass die Regierung Kidal vorher nicht kontrolliert hatte, wird in der Erklärung als vorherige „Umgruppierung“ formuliert.

Die Stadt Kidal, nördlichste Distrikthauptstadt Malis tief in der Sahara-Wüste, ist im mittlerweile über 14 Jahre währenden Krieg zwischen Malis Regierung und Tuareg-Separatisten zu einem symbolischen Ort geworden. Lange Zeit Drehscheibe von Drogen- und Waffenschmuggel, fiel Kidal 2012 an Tuareg-Rebellen und wurde 2013 zurückerobert, als Frankreich mit Tausenden Soldaten in Mali eingriff, um die Rebellen sowie islamistische Terrorgruppen zu besiegen.

Aber die Tuareg-Rebellen blieben in Kidal präsent, 2014 warfen sie die staatlichen Vertreter aus Kidal hinaus und erzwangen auf diese Weise einen Friedensvertrag, der ihnen Autonomie über Malis drei nördliche Distrikte gewährte.

Erst 2020 konnten erste Kontingente der Regierungsarmee unter Rebellenaufsicht wieder Kidal betreten. Im gleichen Jahr putschte aber Malis Armee; sie kündigte das Tuareg-Friedensabkommen auf, warf die zu dessen Überwachung stationierte UN-Blauhelmmission aus dem Land und eroberte Kidal mit russischer Hilfe Ende 2023 – nur um es dieses Jahr erneut an die Tuareg-Rebellen zu verlieren. Diese sind mittlerweile wie zu Beginn ihrer Rebellion mit islamistischen Terrorgruppen verbündet.

Der erneute Fall von Kidal an die Rebellen im April dieses Jahres, begleitet von Anschlägen in der Hauptstadt Bamako, führte ganz Mali die Schwäche der Regierungsarmee vor. Ihr gelang es jedoch, in Anefis, 100 Kilometer weiter südlich, die Stellung zu halten. Die radikalislamistische JNIM (Gruppe zur Verteidigung des Islams und der Muslime) hat zwar in den vergangenen Monaten im Zentrum Malis ihre Angriffe verstärkt. Aber seit einigen Wochen rüsteten sich die in Mali stationierten russischen Kräfte zu einer erneuten Offensive auf Kidal.

Ein wichtiger Faktor bei der Wende zugunsten der Militärregierung ist die Annäherung zwischen den Regierungen Malis und Algeriens, dessen Grenze nur wenige hundert Kilometer nördlich von Kidal durch die Wüste führt. Früher konnten die Tuareg-Rebellen auf Algerien, Garantiemacht des von Malis Regierung aufgekündigten Friedensabkommens, als neutralen Rückzugsort zählen. Im Juli dieses Jahres aber haben die beiden Regierungen wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Algerien hat Mali Hilfe bei der „Terrorbekämpfung“ angeboten und Kampfflugzeuge im benachbarten Niger stationiert, wo ebenfalls Militärputschisten regieren. Beobachter vermuten, dass Algerien Geheimdienstinformationen mit Malis Militär teilt.

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Source: taz