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Letzte Staffel „Babylon Berlin“: Eine sehnsüchtige wie schmerzvolle Hommage an Berlin
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Als Adolf Hitler Nazi-Parolen brüllt, wird er kurzerhand von zwei Krankenpflegern aus dem Raum gezerrt, um ihn ruhigzustellen. „Ein politischer Querulant“, kommentiert der behandelnde Arzt im Militärhospital Pasewalk im Jahr 1918. Die bis heute historisch nicht eindeutig geklärte Episode um Hitlers Krankengeschichte wird zum zentralen Plot-Element in der abschließenden fünften Staffel der deutschen Kultserie „Babylon Berlin“.
Die ist 1933 während der Machtergreifung der Nazis angesiedelt. Die Story um Hitlers verschollene Krankenakte nach dem Ersten Weltkrieg – der behandelnde Militärpsychiater verübte tatsächlich nach politischem Druck 1933 Suizid – die in Volker Kutschers Romanvorlage „Märzgefallene“ gar nicht vorkommt, wird Ermittlungsgegenstand der Kripo. Dem Fall widmen sich mit bekannter Akribie Gereon Rath (Volker Bruch), Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und andere eher sozialdemokratisch gesinnte Beamte aus der „Burg“, wie das Polizei-Hauptquartier in der Serie umgangssprachlich heißt.
Sie wollen die biografische Legendenbildung des frisch an die Macht gekommenen Reichskanzlers, so gut es geht, beschädigen. Und der lässt von der SA alle früheren Mitwisser aus dem Lazarett ermorden.
„Babylon Berlin“, Fünfte Staffel, ab 10.9. in der ARD-Mediathek und am 19. und 25.9. mit jeweils 4 Folgen ab 20.15 Uhr im Ersten.
So bildgewaltig und spannend die Serie in ihrem Schlussakkord auch ist, überzeugen kann die etwas konstruiert wirkende Storyline um Hitlers Krankenakte nicht wirklich. Aber die Zuschauer werden nichtsdestotrotz wieder an die Hand genommen und durch ein aufregendes historisches Berlin mitgenommen, das toll in Szene gesetzt ist. Viel wurde beim RBB im Haus des Rundfunks gedreht, aber auch an der Volksbühne, deren Foyer zum Saal für den Presseball umfunktioniert wird. Es geht mitsamt psychedelischer Pop-Chanson-Musik in wundervolle queere Clubs und dunkle Kaschemmen. Gruselig sind die Fackeln tragenden SA-Nazis, die in Massen durch Berlin marschieren, und die NSDAP-Abgeordneten, die im Parlament uniformiert Gegner niederschreien.
Die 1933 spielende fünfte Staffel kommt gar nicht darum herum, viel mehr politische Zeitgeschichte zu inszenieren als die vorangegangenen. Zuvor ging es eher um die soziale Wirklichkeit der Arbeiterquartiere, spannende Kriminalfälle und mafiöse Strukturen in der größer werdenden Hauptstadt.
In Staffel fünf geht es nun dagegen in SA-Gefängnisse, ins Vorzimmer des Reichstags, aber auch in die Villa von Alfred Nyssen (Lars Eidinger), der überdreht wie eh und je ein Bankett für den neuen Reichskanzler ausrichtet. Zu viel soll hier nicht verraten werden, denn die Serie wartet mit einer verblüffenden finalen Wendung auf. Dabei thematisieren die letzten acht Episoden von „Babylon Berlin“ pointiert die Angst vor dem kommenden Faschismus und die leise Hoffnung, diese Entwicklung vielleicht doch verhindern zu können. Das hat angesichts des global stattfindenden Rechtsrucks verstörende Aktualität.
Im Berlin der Serie, wo dann der Reichstag von der SA angezündet wird, versuchen einige noch, Sozialdemokraten und Kommunisten zum nie stattgefundenen Schulterschluss zu bewegen. Und Gereon Rath kämpft darum, sich nicht von den Nazis vereinnahmen zu lassen. Das Ende der Serie unterscheidet sich radikal von der Romanvorlage und mündet in eine ebenso sehnsüchtige wie schmerzvolle Hommage an jenes Berlin, das es ab 1933 nicht mehr gibt.
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Source: taz