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Germany · taz · · 2h

Kunstfestival Hallen 07: Der Weg muss sich schließlich lohnen

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In der größten der Hallen schweben sie im Raum, quasi da, wo sie hingehören: die aus leuchtenden Neonröhren geformten „Luftschlösser“ des Berliners Christian Jankowski. Putzige kleine Türmchen mit spitzen Dächern, die sich windschief nach außen biegen, langgezogene Bogenfenster, krakelige Zinnen. Gefertigt hat Jankowski sie nach Zeichnungen von Beschäftigten unterschiedlicher Gewerke an Berliner Großbaustellen, nach schnell dahingekritzelten Skizzen auf zerknitterten Plänen oder Zetteln.

Nicht nur als Gegenmodelle zu den Entwürfen sogenannter Prestigegebäude Berlins, auch als Sinnbilder für die Kunst an sich könnte man sie verstehen, wo ja auch jemand seine eigenen Ideen, so abwegig sie vielleicht auch erscheinen mögen, einfach umsetzt. Und so hängen die kleinen Schlösschen ziemlich gut in den Wilhelm-Hallen in Berlin-Reinickendorf inmitten des Kunstfestivals Hallen 07. Es ist Teil der Berlin Art Week, hat aber bereits am vergangenen Wochenende begonnen.

Das „07“ im Titel steht dafür, dass das Festival bereits zum siebten Mal stattfindet. Anfangs hieß es noch K60, initiiert unter anderem vom Unternehmer und Hallenbesitzer Philipp Solf, gemeinsam mit einer guten Handvoll Galerien wie Alexander Levy oder ChertLüdde. Ordentlich angewachsen ist es seitdem, seinem Konzept aber auch treu geblieben, Kunst niedrigschwellig für ein breites Publikum zu präsentieren.

Darauf angelegt ist es, dass man dort ein bisschen Zeit verbringt, Kunst schaut, vielleicht an einem Workshop teilnimmt – am vergangenen Sonntag konnte man zum Beispiel mit Künstlerin Sonja Sofia Yakovleva von der Galerie Robert Grunenberg Scherenschnitte basteln –, zwischendurch eine Wurst isst und einen Kaffee trinkt. Der Weg nach Reinickendorf muss sich schließlich lohnen und 15 Euro Eintritt auch. Am kommenden Wochenende steht unter anderem eine Performance mit Arbeiten von Charlotte Posenenske (Galerie Mehdi Chouakri) auf dem Programm und man kann sich von Franziska Nast (Galerie Mathias Güntner) tätowieren lassen.

Neben dem als Einzelkünstler eingeladenen Christian Jankowski stellen bei Hallen 07 vor allem Galerien aus. Mit einer Messe lässt es sich dennoch kaum vergleichen. Das Verkaufen steht hier nicht im Vordergrund, eher das Präsentieren. Das Format funktioniert wie ein Schaufenster, das Interesse wecken soll für das, was in den Haupträumen stattfindet.

Hallen 07, Wilhelm-Hallen, Berlin. Bis 13. September

Oder dort schon zu sehen war: Für Kunstinstitutionen wie das Kunstmuseum Wolfsburg, die Schirn oder die Esslinger Villa Merkel haben sich die Wilhelm-Hallen offenbar als Ort zur Zweitverwertung etabliert. Zeit nehmen sollte man sich da unbedingt für die Videoarbeit „Future of Yesterday“ von Bárbara Wagner & Benjamin de Burca zur Straight-Edge-Szene im Raum der Schirn und die multimediale Präsentation der chilenisch-peruanischen Künstlerin Ivana de Vivanco zum Lithiumabbau in der Atacama-Wüste der Villa Merkel. Die Berlinische Galerie wiederum verweist auf das, was gerade läuft: Sandskulpturen von Jeewi Lee sind zu sehen, deren Einzelausstellung zum GASAG Kunstpreis 2026 dort am Mittwoch eröffnet.

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Source: taz