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Labour · taz · · 3h

Krise bei Autobauer: VW kündigt fast alle Tarifverträge

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dpa | Im Ringen um schärfere Sparmaßnahmen hat der Autobauer Volkswagen einen Großteil seiner Tarifverträge gekündigt – darunter auch den wichtigen Manteltarifvertrag. Das Unternehmen will angesichts des aktuellen Kostendrucks verschiedene Regelungen anpassen, teilte VW nach einem Gespräch mit Arbeitnehmervertretern in Hannover mit. Ein Sprecher nannte keine genaue Zahl der gekündigten Verträge. Nach Angaben der IG Metall sind es zehn.

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nach Angaben des Personalvorstands der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, für die Autoindustrie und damit auch für Volkswagen gravierend verschärft. „Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa“, teilte Meiswinkel mit. Das erhöhe den Preis- und Wettbewerbsdruck enorm. Die Maßnahmen aus dem Zukunftsplan 2030 müssten daher schnell und konsequent umgesetzt werden.

Mit der fristgerechten Kündigung zum 31. Dezember 2026 will das Unternehmen einen Verhandlungsraum öffnen. Der Manteltarifvertrag regelt grundlegende Arbeitsbedingungen für die mehr als 100.000 VW-Beschäftigten in Deutschland. Insgesamt umfasst der Haustarif 13 Verträge. Sie regeln unter anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen. Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag 2024 und die darin vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

Erste Folgen könnten VW-Beschäftigte nach Angaben der Arbeitnehmer von Januar 2027 an spüren. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten Widerstand an. „Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen“, teilte Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger mit. Das werde man nicht hinnehmen. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnete mit einer „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“. Agnes Conrad, Linken-Sprecherin im Bundestag für Automobilindustrie sagte: „Die Kündigung von zehn Tarifverträgen ist eine klare Kampfansage an die Beschäftigten. Sie haben bereits massive Zugeständnisse gemacht und sollen nun erneut mit ihren Einkommen, Arbeitszeiten und tariflichen Rechten für die Krise des Konzerns bezahlen.

Am Mittwoch trafen sich Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch. Die Arbeitnehmer, die das Treffen ursprünglich einberufen hatten, forderten Klarheit, ob und wie VW die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag 2024 einhält. Sie sahen diese Abmachungen durch die verschärften Sparpläne gefährdet. Das Management wollte erklären, warum die damals vereinbarten Einsparungen aus seiner Sicht nicht mehr ausreichen.

Der Tarifabschluss 2024 sieht den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vor. Zudem wurden Boni und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen ausgesetzt. Im Gegenzug verzichtet VW bis Ende 2030 auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschließungen und sagte Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu.

Das Überprüfungsgespräch war das erste größere Treffen von Unternehmen und Arbeitnehmervertretern seit dem Aufsichtsratsbeschluss Anfang September. Das Management um VW-Chef Oliver Blume soll den Konzern im Rahmen des beschlossenen Zukunftsplans umbauen und Milliarden einsparen.

Weltweit sollen zusätzlich zu den bisherigen Plänen 50.000 Stellen wegfallen, bis zu die Hälfte davon könnte auf Deutschland entfallen. Konkrete Programme müssen noch mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.

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Source: taz