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Germany · taz · · 2h

Kampf für die Umwelt in Kambodscha: „Das sind schwere Zeiten für uns“

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taz: 10 Kollegen ihrer Umweltorganisation Mother Nature wurden im Juli 2024 wegen angeblicher Verschwörung gegen die Regierung sowie Beleidigung des Königs zu Gefängnisstrafen von 6 bis 8 Jahren verurteilt. 5 sitzen seitdem im Gefängnis, 5 weitere flohen ins Ausland. Offenbar zielte die autoritäre Regierung darauf, Mother Natures erfolgreiche Arbeit zu beenden. Wie geht es Ihren inhaftierten Kollegen heute?

Lisa Mean: Einige sitzen ja schon zum zweiten Mal im Gefängnis und wissen, dass das kein Urlaub ist. Jetzt wurden sie auch noch getrennt und über Gefängnisse in fünf verschiedenen Provinzen verteilt. Das macht es sehr aufwändig, sie zu besuchen und mit Essen und sauberem Wasser zu versorgen. Aber insgesamt versuchen die 5 sich nicht entmutigen zu lassen. Sie sind auch im Gefängnis aktiv und genießen unter Gefangenen hohes Ansehen. Einer unterrichtet Englisch, eine andere lernt Chinesisch, ein anderer verschlingt Bücher, obwohl er Gesundheitsprobleme hat. Sie fertigen kleine Kunsthandwerksprodukte, die wir verkaufen und zur Öffentlichkeitsarbeit nutzen.

taz: Die Verurteilten haben Berufung eingelegt. Wie ist der Stand?

Die 24-Jährige ist Sprecherin der international anerkannten kambodschanischen Umweltorganisation Mother Nature. Diese wurde 2012 gegründet und besteht hauptsächlich aus jungen Aktivisten. Sie dokumentieren Umweltprobleme mit öffentlichkeitswirksamen Videos und Social Medien Postings, arbeiten schwerpunktmäßig in der Küstenprovinz Koh Kong und erreichten 2017 ein Verbot des umweltzerstörerischen Sandabbaus in Flüssen und Küstengewässern. Der autoritären Regierung sind die mobilisierenden Aktionen von Mother Nature ein Dorn im Auge.

Lisa Mean: Über die Berufungen ist noch nicht entschieden, obwohl schon mehrere Verhandlungstermine dazu verstrichen sind.

taz: Wie kann Mother Nature weiter arbeiten, wenn die kleine Organisation auf 10 Mitarbeiter verzichten muss?

Lisa Mean: Das sind schwere Zeiten für uns. Wir mussten schrumpfen, auch vor Ort in den Dörfern ist die Arbeit schwieriger geworden. Dort wird die Bevölkerung stärker von Polizei und Behörden eingeschüchtert. Wir mussten unsere Strategie anpassen, ohne zu wissen, was wir überhaupt noch machen können. Trotzdem ist unsere Umweltbewegung weiter aktiv. Wir erreichen mit unseren Videos und Beiträgen in den sozialen Medien immer noch sehr viele Menschen. Wir hatten ja einen großen Erfolg mit unserer Kampagne gegen den umweltzerstörerischen Abbau von Sand aus Kambodschas Gewässern und dessen massiven Export nach Singapur. 2017 musste die Regierung den Sandabbau verbieten, nachdem wir bewiesen hatten, dass Kambodschas offizielle Ausfuhrmenge von Sand viel niedriger war als die entsprechende Einfuhrmenge von Singapur.

Inzwischen haben wir mit Satellitendaten und Aufnahmen von Schiffen nachgewiesen, dass das Verbot nicht eingehalten wird, obwohl es weiter gilt. Wir konnten den illegalen Abbau filmen. Wir versuchen jetzt über unsere oppositionellen Kontakte in Singapur dort Bewusstsein für die durch den Sandabbau in Kambodschas Gewässern geschaffenen Zerstörungen zu schaffen. Aber auch in Singapur wird die Zivilgesellschaft eingeschränkt. Ich bin jetzt das einzige Gesicht von Mother Nature nach draußen, während alle andere sich bedeckt halten.

taz: 2023 erhielt Mother Nature den Right Livelihood Award, den alternativen Nobelpreis, als bisher erste und einzige Organisation aus Kambodscha überhaupt. Wie wirkt sich das auf ihre Arbeit aus?

Lisa Mean: Die Auszeichnung hat uns große internationale Aufmerksamkeit und Solidarität eingebracht und gezeigt, dass unsere Arbeit nicht nur für Kambodscha wichtig ist, sondern Teil der globalen Umweltbewegung zum Schutz der Lebensgrundlagen der Menschheit ist. So wird jetzt auch international von vielen eine Freilassung der fünf gefordert. So fordert seit Februar auf UN-Ebene die Arbeitsgruppe gegen willkürliche Verhaftungen die Freilassung meiner fünf Kollegen. Das ist ein sehr deutliches Statement. Im Juli haben 70 internationale NGOs Kambodschas Ministerpräsidenten Hun Manet aufgefordert, die zu Unrecht Verurteilten unverzüglich freizulassen. Die NGOs haben sich auch um Unterstützung an die Organisatoren des für November in Siem Reap geplanten Gipfels der frankofonen Länder gewandt.

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Source: taz