Politics · taz · · 3h
Jubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in Bremen
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Ein schwules Paar ist in der Bremer Altstadt aus einer Gruppe heraus beleidigt und geschlagen worden. Die beiden 29 und 33 Jahre alten Männer seien am Samstagabend attackiert worden, teilte die Polizei am Sonntag in Bremen mit. Den Angaben zufolge hatten die beiden Männer zuvor die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit besucht.
Auf dem Nachhauseweg sei ihnen in der Innenstadt eine etwa zehnköpfige Gruppe entgegengekommen. Mehrere junge Männer hätten das Paar lautstark angepöbelt und in arabischer Sprache homophob beleidigt.
Als der 29-Jährige sein Mobiltelefon herausholte, um den Vorfall zu dokumentieren, wurde das Paar nach Angaben der Polizei von mehreren Personen mit Fäusten geschlagen. Anschließend seien die Verdächtigen zu Fuß geflüchtet. Der 29-Jährige sei von Sanitätern erstversorgt und danach zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden.
Gegen die Angreifer seien Strafanzeigen unter anderem wegen verhetzender Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung erstellt worden, hieß es. Da die Tat als Hasskriminalität eingestuft wird, ermittelt der Staatsschutz der Kriminalpolizei und sucht Zeugen.
Der Angriff fügt sich in eine Reihe von Gewalttaten gegen queere Personen: Für Aufsehen gesorgt hatte zuletzt Anfang Mai die brutale Attacke auf zwei afghanische trans* Personen im Steintorviertel. Mit den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit steht die jetzige Tat offenbar nur im zeitlich-räumlichen Zusammenhang.
Die waren, trotz erheblicher Befürchtungsberichterstattung, zumal seitens des Weser-Kuriers, nach Angaben der Polizei im Wesentlichen friedlich verlaufen: Keine Zwischenfälle wurden bei der Autonomen-Demo mit Beteiligung der Interventionistischen Linken (IL) am Freitag registriert. Statt wie erwartet 100 hatte sie gut 700 Teilnehmer:innen.
Aufgelöst hatte die Polizei hingegen den Aufmarsch einer neo-altlinken Kleingruppe durchs Steintorviertel am Samstag. Anmelder war eine nostalgisch „Roter Bund“ benannte Kleinstorganisation, die sich dem vor fünf Jahren verstorbenen weltweiten Vorsitzenden, dem peruanischen Massenmörder Abimael Guzmán verpflichtet weiß.
Sie hatte versprochen, sie werde den Imperialisten die „Fahne herunterreißen und in Flammen aufgehen lassen“. Um Wort halten zu können, hatte sie sich, nachdem Bremen nur Wimpel aufgehängt hatte, sogar eigens eine Schwarz-Rot-Gold-Flagge besorgt. Auf deren Verbrennung hin griff die Polizei ein. Es kam zu einem Scharmützel, bei dem Beamt:innen verletzt und mehrere Demonstrierende in Gewahrsam genommen wurden.
Während eine spektakuläre Weser-Illumination und hochkarätige Popkonzerte Teilnehmenden zufolge für eine ausgelassene und fröhliche Stimmung sorgten, hatte im offiziellen Programm eine AfD-Veranstaltung im Bundestagszelt kritische Zwischenrufe provoziert.
Mit passiv-aggressivem Verhalten hatten wiederum Abgeordnete der rechtsextremen Partei ihre Verachtung für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier während dessen Rede zum Ausdruck gebracht. Der hatte beim zentralen Festakt im Konzerthaus Die Glocke vor einer Gefährdung der Demokratie durch Extremismus und „schrille Emotionalisierung“ gewarnt. Es gelte, sich gegen eine „Flut der Manipulationen und der Lügen“ zu behaupten. (mit Material von epd und dpa)
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Source: taz