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Informatik-Pionierin Mary Kenneth Keller: Programmieren im Auftrag des Herrn
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W enn Technik weit genug fortgeschritten ist, lässt sie sich nicht mehr von Zauberei unterscheiden. Das hat, sinngemäß, der Science-Fiction-Schriftsteller Arthur C. Clarke gesagt. Und es ist so ein Satz, an den sich Menschen gerne dann erinnern, wenn gerade wieder eine besonders verblüffende Technologie den Alltag verändert: Wie, wenn nicht magisch, muss denn etwa drahtloses Hochgeschwindigkeitsinternet auf jemanden wirken, der vielleicht noch gar nicht lange elektrischen Strom nutzen kann?
Was fasziniert dann aber, ausgerechnet, eine katholische Ordensschwester an so einer Innovation? So sehr, dass diese gottesgläubige Frau es dann sogar zur ersten Professur bringt für ein noch Formen annehmendes Fach wie „Computer Science“, also Informatik?
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Geboren 1913 im US-amerikanischen Mittelwesten, fand Evelyn Marie Keller mit 19 Jahren zum Glauben und trat den Sisters of Charity of the Blessed Virgin Mary bei, einem ungewöhnlich aufgeschlossenen, bildungsaffinen Orden. 1940 legte sie die Gelübde ab und wurde endgültig zu Schwester Mary Kenneth Keller – nach der Gottesmutter Maria hießen sie dort alle.
Anders als seine Eltern hatte das zweite von vier Kindern die High School besucht und danach das College. 1943 erwarb Sister Mary Kenneth einen Master of Science in Mathematik, nochmal zehn Jahre später einen Abschluss in Physik.
Sie sei „einfach losgegangen, um mir einen Computer anzusehen“ – und nie wieder zurückgekommen: So hat Sister Mary Kenneth es später beschrieben. In Kontakt kam sie mit den damals längst noch nicht in jedem Haushalt, gar jeder Hosentasche zu findenden, klobigen Geräten bei einem Sommer-Workshop für „Computer Education“ am Dartmouth College; das nahm damals noch gar keine Studentinnen auf, eigentlich.
Noch ein Satz ist überliefert: Es habe für sie so ausgesehen, als wäre der Computer „das revolutionärste Werkzeug, das mir für die Mathematik zur Verfügung stehen“ werde. Und damit meinte die langjährige Schullehrerin „revolutionär“ auch für die Vermittlung von Wissen: An der heutigen Clarke University gründete sie den Informatik-Lehrstuhl mit und ermutigte Frauen, dort zu studieren – und die Geräte programmieren zu lernen, die absehbar so vieles verändern würden.
War Sister Mary Kenneth nun an der Entwicklung der Pogrammiersprache Basic beteiligt – was deren „Vater“ Thomas E. Kurtz verneint hat? Oder einfach nur sehr wichtig für die Popularisierung?
Unbestritten ist: 1965 wurden in den USA die ersten beiden Doktortitel in „Computer Science“ verliehen. Einen erhielt, an der Universität von Wisconsin, eben, Sister Mary Kenneth. Ihre Vorreiterinnenrolle muss sie sich teilen mit einem Mann, wortwörtlich am selben Tag promoviert in St. Louis. Erinnert sich an den auch noch wer?
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Source: taz